DAX: VW-Gewinnwarnung drückt Index
Steigende deutsche Erzeugerpreise und Volkswagens gekürzte Prognose drückten den DAX, während Infineon und Siltronic zulegten.

Kurz zusammengefasst
- DAX verliert 1,6 Prozent
- Erzeugerpreise steigen um 4,6 Prozent
- Volkswagen senkt Jahresausblick deutlich
- Halbleiterwerte trotzen dem Abwärtstrend
Ein Zusammenspiel aus anziehendem Preisdruck und geldpolitischer Straffung hat den deutschen Aktienmarkt zum Ende der Handelswoche spürbar nach unten gedrückt. Der deutsche Leitindex büßte gestern 1,6 % ein und beendete den Handel bei 25.296,44 Punkten. Damit vergrößerte sich der Abstand zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 26.618,74 Punkten auf 5,0 %.
Neben dem Zusammentreffen von Terminkontrakt-Abläufen am sogenannten Hexensabbat belasteten insbesondere neue makroökonomische Daten und Unternehmensmeldungen das Geschehen auf dem Frankfurter Parkett.
Teuerung bei Erzeugerpreisen facht Inflationssorgen an
Für Ernüchterung bei den Anlegern sorgten frische Zahlen des Statistischen Bundesamtes zu den deutschen Erzeugerpreisen gewerblicher Produkte. Diese legten im August um 4,6 % gegenüber dem Vorjahresmonat zu. Dies markiert den kräftigsten Anstieg seit dem Frühjahr 2023. Allein im Vergleich zum Vormonat Juli verteuerten sich die Erzeugerpreise um 1,1 %.
Haupttreiber dieser dynamischen Entwicklung waren die Energiekosten sowie Mineralölerzeugnisse, die infolge der militärischen Spannungen im Nahen Osten und des hohen Ölpreises um 40,5 % anzogen.
Die anziehende Teuerung auf Produzentenebene schürt an den Finanzmärkten Ängste vor einer verfestigten Inflation. Anleiherenditen reagierten prompt auf das veränderte Umfeld: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte zeitweise wieder an die Marke von 5 %. Zudem spüren die Marktteilnehmer den Gegenwind durch die Zinspolitik der Notenbanken.
Die Federal Reserve hatte ihren Leitzins am Mittwoch erstmals seit Mitte 2023 um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 % angehoben, wobei Fed-Chef Kevin Warsh betonte, die Inflation sei schlicht zu hoch. Auch die Bank of Japan und die Europäische Zentralbank hatten zuvor die Zügel angezogen.
Automobilsektor unter Druck nach Gewinnwarnung von Volkswagen
Zusätzliche Schwere erhielt der Handelstag durch fundamentale Hiobsbotschaften aus der deutschen Leitbranche. Die Volkswagen AG senkte ihre Jahresprognose für 2026 drastisch. Der Automobilkonzern rechnet für das laufende Geschäftsjahr nur noch mit einer operativen Umsatzrendite von bis zu 1 %, nachdem zuvor eine Spanne von 4,0 bis 5,5 % avisiert worden war.
Neben operativen Schwächen bei den Marken VW Pkw und Audi belasten vor allem Sondereffekte von rund 10 Milliarden Euro die Bilanz. Allein eine nicht zahlungswirksame Wertberichtigung auf den Firmenwert der Beteiligung Porsche schlägt im dritten Quartal mit rund 6 Milliarden Euro zu Buche.
Die VW-Vorzugsaktie sackte daraufhin um 5,6 % ab und zog weitere Branchenwerte wie BMW und Mercedes-Benz mit Verlusten von bis zu 4,8 % mit nach unten. Auch die Deutsche Telekom verbuchte spürbare Einbußen und gab um gut 4 % nach.
Gegen den schwachen Gesamttrend stemmte sich der Halbleitersektor. Infineon legte um 2,7 % zu, gestützt durch eine Hochstufung des Analysehauses Oddo BHF auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 80 Euro. Im MDAX ragte Siltronic mit einem Kurssprung von über 10 % hervor, nachdem die UBS ihr Kursziel für den Waferhersteller deutlich auf 120 Euro angehoben hatte.
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