DAX: Zinstest nach der Euphorie

Nach dem Kurssprung durch die Waffenruhe im Iran-Konflikt rückt die geldpolitische Lage in den Fokus. Höhere Inflationsprognosen der EZB könnten die Erholung des DAX bremsen.

Redaktion Stock-World ·
DAX Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • DAX springt über fünf Prozent nach Iran-Waffenruhe
  • Ölpreise brechen nach Öffnung der Straße von Hormus ein
  • EZB erhöht Inflationsprognose für 2026 deutlich
  • Markt erwartet bis zu zwei Zinserhöhungen in Europa

Der DAX hat die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran gefeiert — mit einem Kurssprung von über fünf Prozent und der Rückeroberung der 24.000-Punkte-Marke. Nun, einen Tag später, rückt ein neues Thema in den Vordergrund: die Zinspolitik. Und die könnte die Erleichterungsrally schneller beenden, als sie begonnen hat.

Kriegsverlierer drehen auf

Der Auslöser für den gestrigen Kurssprung war die überraschende Einigung auf eine Waffenruhe, vermittelt durch den Iran-Nachbarn. Die Feuerpause gilt auch für US-Verbündete und erstreckt sich bis in den Libanon. Zentrale Bedingung der USA war die Wiedereröffnung der Straße von Hormus — eine der bedeutendsten Schifffahrtsrouten der Welt. Prompt brachen die Ölpreise zweistellig ein.

Das spiegelte sich unmittelbar in den Kursbewegungen wider. Die stärksten Gewinner im DAX waren ausgerechnet jene Werte, die unter dem Konflikt am meisten gelitten hatten: Siemens Energy (+10,8 %), Infineon (+10,4 %) und Siemens (+9,5 %) führten die Liste an. Defensive Werte wie Deutsche Börse gaben hingegen nach — klassisches Risk-On-Verhalten.

Zinspolitik als nächster Prüfstein

Mit der Deeskalation verschiebt sich der Fokus. Fed-Gouverneur Philip Jefferson verwies auf einen stabilen US-Arbeitsmarkt, was Zinssenkungen in den USA unwahrscheinlicher macht. Auf europäischer Seite hat der Konflikt die EZB-Prognosen bereits verschoben: Die Notenbank erwartet für 2026 nun 2,6 Prozent Inflation statt der früheren 1,9 Prozent — bei gleichzeitig schwächerem Wachstum von 0,9 Prozent. Die Märkte preisen inzwischen ein bis zwei Zinserhöhungen bis Jahresende ein.

Höhere Zinsen drücken die Gewinnbewertungen exportorientierter Konzerne und erhöhen die Finanzierungskosten verschuldeter Unternehmen. Für den DAX, der trotz des gestrigen Feuerwerks auf Jahressicht noch rund 1,75 Prozent im Minus liegt, ist das eine strukturelle Belastung.

Der RSI liegt aktuell bei 85,8 — ein deutlich überkauftes Niveau. Der nächste charttechnische Widerstand wartet im Bereich um 24.500 Punkte. Ob der Index diesen anlaufen kann, hängt maßgeblich von den US-Verbraucherpreisdaten ab, die für Freitag erwartet werden. Dazu kommt: Die Waffenruhe ist auf zwei Wochen befristet. Sollten die Inflationsdaten hartnäckig hoch ausfallen, dürfte der Erleichterungseffekt rasch verpuffen — die EZB-Sitzung am 30. April 2026 wird dann zur nächsten Bewährungsprobe.

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