DAX: Zittrige Stabilisierung nach Renditeschock

Der DAX versucht sich nach dem Renditeschock zu stabilisieren. Steigende US-Staatsanleiherenditen und ein schwacher Einzelhandelssektor belasten die Stimmung.

Redaktion Stock-World ·
Dezente, moderne Handelsumgebung mit verschwommenen Silhouetten in einem Finanzzentrum. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • DAX kämpft um 26.000 Punkte
  • US-Renditen steigen auf 5,25 Prozent
  • Walmart-Einbruch belastet globale Märkte
  • Ölpreis erreicht Monatshoch

Nach vier schwächeren Handelstagen sucht der DAX am Freitag nach Halt. Zweieinhalb Stunden vor Handelsstart taxierte der Broker IG den Leitindex rund 19 Punkte höher bei etwa 26.002 Zählern — nach einem Rekordhoch von 26.573 Punkten in der Vorwoche ist das eine bescheidene Erholung. Der Grund für die Vorsicht liegt an den Anleihemärkten, nicht in Frankfurt selbst.

US-Renditen als Spielverderber

Der Donnerstag brachte einen Rücksetzer: Der DAX schloss mit 25.983,04 Punkten unter der psychologisch wichtigen 26.000er-Marke, ein Minus von 0,42 Prozent. Auslöser war ein Wiederaufflammen der Zinssorgen in den USA.

Die Ankündigung des US-Finanzministeriums, verstärkt langlaufende Staatsanleihen zurückzukaufen, hatte die Renditen kurzzeitig gedrückt — der Effekt verpuffte aber schnell. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen kletterte wieder auf rund 5,25 Prozent, die zehnjährige auf etwa 4,71 Prozent.

Hinter der Skepsis steckt eine simple Rechnung: Die US-Staatsverschuldung hat erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Bond-Rückkäufe verbessern zwar die Marktmechanik, lösen aber nicht das strukturelle Problem aus hohem Haushaltsdefizit und hohen Zinskosten. Auch in Deutschland ziehen die Renditen mit: Zehnjährige Bundesanleihen notieren bei 3,26 Prozent, dem höchsten Niveau seit Mai 2011.

Zusätzlich drückt der Ölpreis auf die Stimmung. Brent kostete zuletzt rund 93,50 US-Dollar je Barrel, zeitweise waren es sogar 94,71 Dollar — der höchste Stand seit rund einem Monat. Hintergrund ist der festgefahrene Konflikt zwischen den USA und dem Iran.

Washington droht mit den nach eigenen Angaben härtesten Sanktionen der Geschichte, Details sollen kommende Woche folgen. Besonders China gerät ins Visier, da das Land nahezu die gesamten iranischen Ölexporte abnimmt.

Walmart reißt auch Europa mit

Zusätzlichen Gegenwind lieferte die Wall Street. Walmart verfehlte mit seinem Flächenwachstum die Erwartungen deutlich, die Aktie brach um rund neun Prozent ein und zog andere Einzelhandelswerte mit nach unten. Der Dow Jones verlor 1,3 Prozent, der S&P 500 knapp ein Prozent, der Nasdaq Composite rund ein Prozent. Zum europäischen Handelsstart deutet sich immerhin eine leichte Stabilisierung an — die US-Futures notieren leicht im Plus.

Auf Einzelwertebene zeigte sich am Donnerstag ein gemischtes Bild im DAX. Qiagen, Symrise und Infineon gehörten zu den Gewinnern, gestützt auch von einer positiven Brancheneinschätzung zum Reifengeschäft, von der auch Continental profitierte. Adidas und Rheinmetall gehörten dagegen zu den Schlusslichtern. Im MDAX stach Sartorius heraus: Die Vorzugsaktie gewann nach einer Kaufempfehlung mehr als sechs Prozent.

Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Der Index fand am Donnerstag bei 25.914 Punkten einen Boden und verteidigte damit knapp seine 21-Tage-Linie — der kurzfristige Aufwärtstrend ist also noch nicht gebrochen. Sollte diese Unterstützung fallen, rückt die Marke von 25.507 Punkten in den Fokus, dem Rekordstand vom Jahresanfang.

Der Konjunkturkalender liefert am Freitag zusätzliche Impulse: Um 9:30 Uhr werden die deutschen Einkaufsmanagerindizes für August veröffentlicht, gefolgt von den Werten für die Eurozone und Großbritannien.

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