Dell und NetApp sprengen alle Erwartungen — Clorox und ResMed am Boden

Dell und NetApp übertreffen mit KI-getriebenen Umsätzen alle Erwartungen, während Clorox und ResMed unter Druck geraten.

Andreas Sommer ·
Dell Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Dell mit historischem Kurssprung von 33%
  • NetApp meldet Rekordumsatz bei Flash-Speichern
  • Clorox leidet unter Führungswechsel und Gewinnwarnung
  • ResMed trotz solider Zahlen auf Jahrestief

Der S&P 500 hat seinen neunten Wochengewinn in Serie eingefahren. Neue Allzeithochs, sinkende Ölpreise, fallende Anleiherenditen — die Kulisse wirkt fast zu perfekt. Unter der Oberfläche zeigt sich allerdings ein scharfer Riss: Wer KI-Infrastruktur liefert, wird fürstlich belohnt. Wer nicht, bekommt die Quittung.

AssetKurs (EUR)Veränderung
Dell361,75+33,2 %
NetApp148,72+21,7 %
ServiceNow106,85+14,4 %
Clorox77,10-6,7 %
Intel98,29-5,3 %
ResMed166,50-4,7 %

Dell: Der stärkste Handelstag der Firmengeschichte

Ein Kursplus von über 33 % an einem einzigen Tag — Dell hat am vergangenen Donnerstag seinen bisherigen Rekordsprung vom März 2024 übertroffen. Der Auslöser: Quartalszahlen, die in jeder Hinsicht die Erwartungen pulverisierten.

Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 4,86 USD, erwartet wurden 2,94 USD. Beim Umsatz standen 43,84 Milliarden USD auf dem Zettel — der Konsens hatte mit 35,43 Milliarden USD gerechnet. Es war das schnellste Umsatzwachstum seit der Neunotierung 2018.

Das Herzstück der Explosion: die Infrastructure Solutions Group. Ihr Umsatz kletterte um 181 % auf 29 Milliarden USD. KI-optimierte Server verzeichneten einen Anstieg um 757 %. Ben Reitzes von Melius Research kommentierte, er habe „so etwas noch nie gesehen“. Zusätzlichen Rückenwind lieferte ein Pentagon-Vertrag über 9,7 Milliarden USD.

Dell schraubte den Jahresausblick entsprechend nach oben: 165 bis 169 Milliarden USD Umsatz, ein bereinigter Gewinn von 17,90 USD je Aktie. Die Aktie notiert bei 361,75 € auf ihrem 52-Wochen-Hoch — fast 95 % über dem 50-Tage-Durchschnitt. Eine Übertreibung? Möglich. Aber die Zahlen liefern die Substanz.

NetApp: Rekordjahr krönt den Speicher-Spezialisten

NetApp legte am Donnerstagabend Quartalszahlen vor, die das Geschäftsjahr 2026 mit einem Paukenschlag abschlossen. Der Umsatz im vierten Quartal erreichte 1,95 Milliarden USD, ein Plus von 12 % im Jahresvergleich. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 2,43 USD — deutlich über den erwarteten 2,27 USD.

Besonders beeindruckend: Der All-Flash-Array-Umsatz erreichte mit 1,22 Milliarden USD einen Quartalsrekord. Die operative Marge stieg um 340 Basispunkte auf 32 %. Über 1.100 KI- und Datenvorbereitungsgewinne im gesamten Geschäftsjahr untermauern, dass die KI-Ausgaben der Unternehmen zunehmend in konkrete Speichernachfrage münden.

Morgan Stanley reagierte mit einer Kurszielanhebung von 88 auf 137 USD. Der Ausblick auf das Geschäftsjahr 2027 liegt ebenfalls über dem Konsens: NetApp peilt einen Umsatz von 7,3 bis 7,6 Milliarden USD an, bei einem Gewinn je Aktie von 8,70 bis 8,90 USD. Die Aktie schloss bei 148,72 € — ebenfalls auf ihrem Jahreshoch und über 54 % oberhalb des 50-Tage-Durchschnitts.

ServiceNow: KI-Plattform statt Software-Anbieter

ServiceNow surfte am Freitag gleich auf mehreren Wellen. Starke Quartalszahlen von Snowflake hatten die gesamte Software-Branche beflügelt, und ServiceNow profitierte überproportional. Das Plus von 14,4 % spiegelt aber mehr als nur Sippenhaft-Euphorie wider.

Zwei konkrete Katalysatoren kamen hinzu:

  • Eine neue globale Multi-Jahres-Partnerschaft mit Experian, bei der Ascend-Daten in die ServiceNow-KI-Plattform integriert werden — für autonome Workflows in den Bereichen Risiko, Betrug und Onboarding.
  • Bank of America nahm die Coverage mit einem Buy-Rating und einem Kursziel von 130 USD auf. Bernstein ging noch weiter und setzte das Ziel bei 236 USD.

Bernstein charakterisierte das Unternehmen als umfassende KI-Betriebsschicht für Unternehmensorganisationen — nicht als konventionellen Software-Anbieter, der von Disruption bedroht sei. Diese Neueinordnung trifft einen Nerv. Wenn agentische KI zur Standardarchitektur wird, steht ServiceNow im Zentrum der Wertschöpfung.

Clorox: Führungsvakuum trifft auf gekappten Ausblick

Auf der Verliererseite sticht Clorox mit einem Minus von 6,7 % heraus. Die Aktie notiert bei 77,10 € nur noch knapp über ihrem 52-Wochen-Tief — der RSI von 21,6 signalisiert eine extrem überverkaufte Situation.

Die Belastungsfaktoren haben sich aufgetürmt. CEO Linda Rendle tritt aus gesundheitlichen Gründen zurück. Die Nachfolgersuche läuft. Gleichzeitig kappte das Management den Jahresausblick drastisch: Ein Umsatzrückgang von rund 6 % und ein Gewinneinbruch von 24 bis 27 % stehen im Raum. Die GOJO-Akquisition belastet die Bilanz zusätzlich, eine Shelf-Registrierung für potenzielle Schuldenemissionen wurde eingereicht.

Goldman Sachs, Morgan Stanley und JPMorgan senkten allesamt ihre Kursziele — auf 83, 97 respektive 95 USD. Das Unternehmen konsolidiert Betriebe und konzentriert sich auf Kernmarken, doch solange kein neuer CEO feststeht und die Konsumenten preissensibel bleiben, fehlt ein klarer Katalysator für eine Trendwende.

Intel: Nach 500 % Rally holt die Schwerkraft zurück

Intels Rückgang von 5,3 % wirkt auf den ersten Blick moderat. Im Kontext einer Rally von über 470 % in zwölf Monaten ist die Abstufung durch Northland Capital Markets auf „Market Perform“ aber ein Warnsignal. Die Analysten setzten ihr Kursziel komplett aus — ein ungewöhnlicher Schritt, der erhebliche Bewertungsunsicherheit signalisiert.

Die Bedenken gehen tiefer als reine Bewertungsfragen. Die sogenannten Hyperscaler — Intels wichtigste Kunden im Rechenzentrumgeschäft — haben bereits 100 % ihres operativen Cashflows für Chip-Käufe gebunden. Schulden von 260 Milliarden USD und gestoppte Aktienrückkäufe deuten darauf hin, dass die Investitionskapazität an ihre Grenzen stößt.

Hinzu kommen strukturelle Schwächen. Intels Marktanteil im Server-CPU-Segment ist im ersten Quartal auf 54,9 % geschrumpft — von 64,4 % im Vorjahr. AMD und Arm-basierte Designs fressen Anteile. Die hauseigene Foundry-Sparte meldete einen operativen Verlust von 2,3 Milliarden USD, bedingt durch niedrige Ausbeuten bei den fortschrittlichen Prozessknoten 18A und 14A. Bei 98,29 € handelt die Aktie rund 10 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch — nach dem steilen Anstieg ein erster Realitätscheck.

ResMed: Solide Zahlen, schwache Aktie — das GLP-1-Dilemma

ResMed markierte am Freitag ein neues 52-Wochen-Tief bei 166,50 €. Seit Jahresanfang hat die Aktie über 20 % verloren, vom Jahreshoch trennen sie fast 34 %. Das Paradoxe daran: Die Fundamentaldaten sind gar nicht schlecht. Das Unternehmen liefert weiterhin konstante Gewinnschläge und zweistelliges Umsatzwachstum.

Der Druck kommt von mehreren Seiten gleichzeitig. Der langjährige CFO geht in den Ruhestand. Eine Übernahme von Noctrix Health für 340 Millionen USD steht unmittelbar bevor. Beides sind Übergangsphasen, die bei ohnehin fragiler Stimmung zusätzliche Unsicherheit erzeugen.

Das eigentliche Gewicht auf dem Kurs bleibt die GLP-1-Debatte. Abnehmmittel wie Semaglutid könnten langfristig den Schweregrad von Schlafapnoe reduzieren — so die These einiger Forscher. Ob sich das in der Praxis materialisiert, bleibt offen. Die Diskrepanz zwischen solider operativer Leistung und persistentem Kursverfall macht ResMed zu einem der meistdiskutierten Fälle im S&P 500.

KI-Infrastruktur dominiert — aber die Risse werden sichtbar

Die Woche hat ein klares Muster offengelegt: Unternehmen mit konkretem KI-Umsatznachweis werden belohnt, alles andere muss sich hinten anstellen. Dell und NetApp lieferten nicht nur Zahlen, sondern Wachstumsraten, die selbst erfahrene Analysten sprachlos machten.

Gleichzeitig deutet die Intel-Abstufung auf eine wachsende Nervosität bezüglich der Bewertungsniveaus im Technologiesektor hin. Der Technology Select Sector SPDR Fund hat im Mai fast 20 % zugelegt — eine Rate, die sich nicht endlos fortsetzen kann. Immerhin zeigt die Marktbreite erste Verbesserungen: Auch der gleichgewichtete S&P 500 und Small-Cap-Indizes erreichten zuletzt neue Hochs.

Für den Juni wird entscheidend, ob die Ergebnissaison die extremen Bewertungserwartungen weiter rechtfertigen kann. Bei Dell liegt der Kurs 94 % über dem 50-Tage-Durchschnitt, bei NetApp sind es 54 %. Solche Abstände korrigieren sich erfahrungsgemäß — die Frage ist nur, ob durch Konsolidierung oder durch einen schärferen Rücksetzer.

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Dell Aktie

361,75 EUR

+ 87,30 EUR +31,81 %
KGV 36,79
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,69 %
Marktkapitalisierung 207,21 Mrd. EUR
ISIN: US24703L2025 WKN: A2N6WP

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