Delta, Deutsche Exporte, OpenAI: Wer die Krise managt und wer ihr ausweicht
Starke Geschäftsmodelle wie Delta und Amazon trotzen geopolitischen und makroökonomischen Risiken, während andere Branchen unter Druck geraten. Die aktuelle Berichtssaison offenbart die Trennlinie.

Kurz zusammengefasst
- Delta Air Lines steigert Gewinn trotz hoher Treibstoffkosten
- Deutsche Exporte wachsen, Industrieproduktion schrumpft jedoch
- OpenAI stoppt Rechenzentrum wegen hoher Energiekosten
- Morgan Stanley startet günstigen Bitcoin-ETF
Liebe Leserinnen und Leser,
heute Morgen stellte ich die Frage, welche Unternehmen ihre Preise durchsetzen können, wenn weder Geopolitik noch Geldpolitik Rückenwind liefern. Am Nachmittag dieses Donnerstags lässt sich eine erste Antwort formulieren – und sie fällt überraschend eindeutig aus.
98 US-Dollar für ein Fass Brent-Öl. Weniger als zehn Prozent des üblichen Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus. 3,7 Milliarden Liter Treibstoff, die Australien gerade auf dem Weltmarkt zusammenkauft, um ländliche Regionen vor dem Stillstand zu bewahren. Die zweiwöchige Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran zeigt tiefe Risse, Israel bombardiert den Libanon, und laut dem DIHK spüren 85 Prozent der international aktiven deutschen Unternehmen die Last dieses Konflikts.
Wer sich nur diese Zahlen ansieht, müsste mit einem Blutbad in den Bilanzen rechnen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Wir beobachten in diesen Tagen eine bemerkenswerte Entkopplung zwischen dem Druck auf der Makroebene und der Widerstandskraft einzelner Geschäftsmodelle.
Deltas Lehrstück in Sachen Preismacht
Es gibt kaum eine Branche, die empfindlicher auf Ölpreisschocks reagiert als die Luftfahrt. Jeder Cent, den Kerosin teurer wird, kostet Delta Air Lines aufs Jahr gerechnet 40 Millionen Dollar. Für das zweite Quartal taxiert die Airline die zusätzlichen Treibstoffkosten auf 2 Milliarden Dollar. WTI notiert bei über 97 Dollar.
Und die Delta-Aktie? Sie legte am Mittwoch um gut fünf Prozent auf 68 Dollar zu.
Der Grund ist lehrreich. Delta lieferte im ersten Quartal einen bereinigten Gewinn von 64 Cent pro Aktie – erwartet waren 61 Cent. Der Umsatz kletterte um 9,4 Prozent auf 14,2 Milliarden Dollar. CEO Ed Bastian erklärte am Mittwochabend, warum das bei diesen Energiepreisen funktioniert: Die Premium-Kunden seien „immuner gegen Schlagzeilen“. Sie reisen einfach weiter. Der Umsatz mit Premium-Tickets wuchs um 14 Prozent auf 5,4 Milliarden Dollar – fast auf Augenhöhe mit der Economy-Klasse.
Dazu kommt operative Voraussicht: Deltas eigene Raffinerie soll im zweiten Quartal einen Kostenvorteil von 300 Millionen Dollar einspielen. Und das erste aufgegebene Gepäckstück kostet seit Kurzem 45 statt 35 Dollar. Das ist der Unterschied zwischen Unternehmen, die von Krisen getrieben werden, und solchen, die sie bewirtschaften.
Deutschlands gespaltene Bilanz
Diesseits des Atlantiks zeigt sich ein ähnlich widersprüchliches Bild – allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Die deutschen Exportdaten für den Februar liegen vor: ein Plus von 3,6 Prozent auf 135,2 Milliarden Euro, der stärkste Zuwachs seit Mai 2022. Besonders das EU-Geschäft zieht mit einem Plus von 5,8 Prozent kräftig an.
Doch die zweite Zahl des Statistischen Bundesamtes trübt das Bild erheblich: Die heimische Industrieproduktion sank im selben Monat um 0,3 Prozent. Wir exportieren glänzend, produzieren aber weniger. Das deutet auf Lagerabbau hin – oder, wahrscheinlicher, auf eine schleichende Verlagerung von Wertschöpfung.
Wie hart der globale Wettbewerb zuschlägt, spürt Mercedes-Benz. Die Stuttgarter mussten im ersten Quartal einen weltweiten Absatzrückgang von sechs Prozent hinnehmen, vor allem wegen einer eklatanten Schwäche in China. Tesla hingegen sicherte sich auf dem deutschen Heimatmarkt der Autobauer im ersten Quartal mit über 12.800 Neuzulassungen Platz drei hinter VW und Skoda. Für die deutsche Premiumbranche, deren Preismacht ich in den vergangenen Tagen mehrfach hervorgehoben habe, wird die Luft dünner.
Die Frage, welche Unternehmen im globalen Energieschock zu den strukturellen Gewinnern zählen – statt zu den Opfern –, steht im Mittelpunkt des Live-Webinars „Vom Blackout zum Profit – So trotzen Sie dem globalen Energieschock mit bis zu +2.053 % Gewinn!“ am 12. April 2026 um 11:00 Uhr. Darin werden konkret drei Unternehmen analysiert, die außerhalb der Krisenzone fördern oder die europäische Energieversorgung absichern: ein westlicher Ölproduzent mit jahrzehntelanger Dividendenkontinuität, ein Weltmarktführer für Hochspannungsinfrastruktur mit einem Auftragsbestand von über 110 Milliarden Euro sowie ein norwegischer Gaslieferant, der Europa per Pipeline versorgt und damit immun gegen jede Seeblockade ist. Das kumulierte Gewinnpotenzial der drei vorgestellten Positionen wird mit +2.053 % beziffert. Jetzt kostenlos zum Live-Webinar anmelden
Wo der KI-Boom an physische Grenzen stößt
Während die alte Industrie mit Lieferketten ringt, kollidiert die neue Technologiebranche mit der Physik. OpenAI hat sein wichtigstes britisches Rechenzentrumsprojekt vorerst gestoppt – wegen eines ungünstigen regulatorischen Umfelds und schlicht zu hoher Energiekosten.
Das ist eine nüchterne Erinnerung: Der KI-Boom findet nicht nur in der Cloud statt, sondern verschlingt reale Gigawatt. In einer Welt, in der Brent bei 98 Dollar steht, wird Rechenleistung zum Standortfaktor.
Dass sich das Geschäft dennoch rechnet, belegte Amazon am Donnerstag mit konkreten Zahlen: Die Cloud-Sparte AWS erzielt mittlerweile einen annualisierten Umsatz von über 15 Milliarden US-Dollar allein mit KI-Diensten. CEO Andy Jassy legte diese Zahl erstmals offen. Zwischen OpenAIs Infrastruktur-Stopp und Amazons Milliardenumsatz liegt die zentrale Frage der Branche: Wer kann sich die Energie leisten, die künstliche Intelligenz verlangt?
Morgan Stanley zettelt den Bitcoin-Preiskampf an
Zuletzt ein Blick auf einen Markt, der endgültig im institutionellen Mainstream angekommen ist. Morgan Stanley legte am Mittwoch seinen eigenen Spot-Bitcoin-ETF (MSBT) an der NYSE Arca auf. Bemerkenswert ist nicht das Produkt, sondern die Gebühr: 0,14 Prozent – deutlich unter den 0,25 Prozent von BlackRock.
Am ersten Handelstag flossen über 30 Millionen Dollar in den Fonds. Wenn eine Bank mit über 6 Billionen Dollar an verwaltetem Kundenvermögen einen Gebührenwettbewerb bei Krypto-ETFs startet, ist die Anlageklasse dort angekommen, wo das große Geld verdient wird: im nüchternen Margenwettbewerb der Vermögensverwalter. Krypto-Analyst „Cyclop“ sieht Bitcoin kurzfristig bei 90.000 Dollar, bevor das nächste Zyklustief wartet.
Die Quintessenz
Dieser Donnerstag liefert eine klare Botschaft: Weder die Hormus-Blockade noch die Zerrissenheit der Fed-Notenbanker – deren jüngstes Protokoll tiefe Uneinigkeit offenbart – können Geschäftsmodelle mit echter Preismacht aus der Bahn werfen. Delta erhöht die Gepäckgebühren und steigert den Gewinn. Amazon monetarisiert KI im Milliarden-Maßstab. Morgan Stanley drückt die ETF-Gebühren und zieht sofort Kapital an.
Wer dagegen auf fallende Energiepreise oder günstigere Zinsen wartet, um profitabel zu wirtschaften, hat ein strukturelles Problem. Die Berichtssaison wird in den kommenden Wochen schonungslos offenlegen, auf welcher Seite dieser Trennlinie jedes einzelne Unternehmen steht.
Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann