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Ladestationen stellen einen gewaltigen neuen Markt dar. Noch steckt er in den Kinderschuhen. Doch eine Reihe von Spezialisten will schon bald Milliardenumsätze schreiben angesichts der sich rasend schnell entwickelnden Elektromobilität. Ladetechnik-Aktien haben daher zu Recht in den letzten Monaten viel Aufmerksamkeit erfahren. Darunter sind auch diverse europäische Hersteller wie Compleo (WKN: A2QDNX) oder die an die Börse strebende EVBox.

Nun formiert sich allerdings in China ein mächtiger Wettbewerber, den bisher selbst Brancheninsider noch kaum auf dem Radar haben (obwohl Piëch Automotive mit ihm kooperiert). Da wir aus Erfahrung wissen, wie China in der Lage ist, ganze Märkte an sich zu reißen, sollten wir uns hier vielleicht besser frühzeitig einen Eindruck verschaffen.

Megatrend Ladetechnik

Innerhalb der letzten zwölf Monate hat rund ein Dutzend ambitionierter Ladetechnikanbieter den Börsengang verkündet. Viele davon sind auf gute Resonanz bei den Aktionären gestoßen. So hat sich ChargePoint (WKN: A2QK1P) zum Beispiel zwischenzeitlich mehr als vervierfacht und Compleo verdoppelt. Zuletzt hat die spanische Wallbox, die mittlerweile auch leistungsfähige Gleichstromsysteme anbietet, ihren Hut in den Ring geworfen.

Sie nennt in ihrer Investorenpräsentation Prognosen, die davon ausgehen, dass die Anzahl der weltweit installierten Ladepunkte von aktuell wenigen Millionen auf rund 65 Millionen im Jahr 2030 steigen wird. Wallbox plant, ihre Umsätze von 24 Mio. Euro im vergangenen Jahr auf über 2 Mrd. Euro im Jahr 2027 zu steigern. Das entspräche fast einer Verhundertfachung, wobei Software und Service zunehmend für wiederkehrende Umsätze sorgen sollen.

In letzter Zeit mehren sich auch die Stimmen, die davon sprechen, dass der Ausbau zu langsam gehe. Angesichts der hohen Wachstumsraten bei aufladbaren Fahrzeugen besteht dringender Handlungsbedarf. Zu diesem Schluss kam jedenfalls das kürzlich veröffentlichte VDA-Ladenetz-Ranking für Europa. Im europäischen Mittel gibt es je Ladepunkt 887 Pkw. Da droht Stau an den Ladesäulen, wenn der Aufbau weiterer Standorte nicht beschleunigt wird.

Der Milliardenmarkt Ladestationen lockt viele Wettbewerber an, auch aus China

Zu den mittlerweile zahlreichen börsennotierten Spezialisten im Bereich Ladenetzwerke kommt noch eine Reihe von Konkurrenten in privater Hand und entsprechende Konzerntöchter hinzu, darunter starke Spieler wie Efacec oder ABB (WKN: 919730). Die bekannteren Wettbewerber kommen praktisch alle aus der westlichen Welt (und Japan).

Dabei ist doch längst China der volumenstärkste Markt für Elektroautos. Da ist es naheliegend, dass das Land die passende Infrastruktur mit eigener Technologie entwickeln möchte und nicht auf ausländische Lieferanten angewiesen sein will. Einer dieser inländischen Hersteller hat es 2019 kurz ins Rampenlicht geschafft, als der Sportwagen Piëch Mark Zero samt Wunderbatterie von „Desten“ erstmals vorgestellt wurde.

An einer Ladesäule von TGOOD könne der Energiespeicher in weniger als einer Minute wieder auf über 80 % Kapazität gebracht werden, hieß es damals. TGOOD ist ein in Shenzhen börsennotierter führender Lieferant von Umspannwerken und anderer Strominfrastruktur.

Was Schnellladestationen angeht, verspricht es seit einiger Zeit eine „radikal neu gedachte Ladeinfrastruktur“, mit bidirektionalem Laden, stationären Energiespeichern und einem intelligenten cloudbasierten Netzwerkmanagement. Schon 2019 erzielte die Ladetechniksparte des Konzerns über 200 Mio. Euro Umsatz.

Landesweit sind bereits Tausende Ladepunkte in 348 Städten installiert. Über 1.000 Forscher und Ingenieure entwickeln innovative Ladelösungen. Rund 5 Millionen chinesische Elektroautofahrer haben sich bereits registriert und generieren wertvolle Daten. Neben mehreren chinesischen Tech-Konzernen gehören auch BMW (WKN: 519000) und Volkswagen (WKN: 766403) zu den Partnern.

Im Juni meldete TGOOD, dass das Geschäftsfeld als Telaidian New Energy eigenständiger aufgestellt wurde. Große Investoren wie die State Power Investment Corporation (SPIC) und die Three Gorges Group investierten in das Unternehmen. Der chinesischen Presse ist zu entnehmen, dass dabei eine Bewertung im Bereich von 1,8 Mrd. Euro angesetzt wurde.

Das sollten Anleger, die in Ladetechnik-Aktien investieren möchten, davon mitnehmen

In einem Aktionärsbrief zum 100. Jahrestag der Kommunistischen Partei legte das Management dar, dass die Regierung seit 2020 alles daransetze, einen Leitmarkt für Ladetechnologie zu schaffen. Fortschrittliche bidirektionale Ladenetze sollen netzstabilisierend zum langfristigen Ziel der Klimaneutralität beitragen, indem die angeschlossenen Elektroautos ein virtuelles Kraftwerk bilden. Die TGOOD-Tochter möchte diese Entwicklung anführen.

Wie so oft, geht es zunächst darum, die Technik im Inland auszurollen. Aber wie wir bei vergleichbaren Branchen wie etwa den Solarwechselrichtern gesehen haben, gewinnen die chinesischen Anbieter zügig Marktanteile, sobald sie in Auslandsmärkte expandieren. Für westliche Hersteller ist es eine große Herausforderung, diesem Druck standzuhalten.

Top-Anbietern wie SolarEdge (WKN: A14QVM) ist es dank ihrer herausragenden Innovationskraft trotzdem gelungen, beeindruckend zu expandieren. Von daher denke ich, dass wir versuchen sollten, die SolarEdge der Ladetechnologie zu identifizieren, bevor wir in eine beliebige Ladetechnik-Aktie investieren.

Der Artikel Milliardenmarkt Ladestationen: Übernimmt China jetzt? ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt BMW.

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