Deutsche Telekom Aktie: 10.000 GPUs in München ausgelastet

Telekom fokussiert sich auf Wertschöpfung statt Ausbautempo. KI-Cloud ausgelastet, Cashflow-Prognose erhöht, Aktienrückkauf läuft.

Felix Baarz ·
Hochmoderne Serverinfrastruktur in einem Rechenzentrum mit leuchtenden Glasfaserkabeln. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Strategiewechsel hin zu KI
  • KI-Cloud mit 10.000 GPUs voll
  • Cashflow-Prognose auf 20 Mrd. erhöht
  • Aktienrückkaufprogramm fortgesetzt

Die Deutsche Telekom verschiebt den Schwerpunkt ihrer Wachstumsstrategie: Weg vom reinen Ausbautempo bei Glasfaser, hin zu Ertrag und neuen Geschäftsfeldern rund um künstliche Intelligenz.

Konzernchef Tim Höttges brachte diese Neuausrichtung am Donnerstag vergangener Woche auf den Punkt, als er erklärte, das Ziel sei nicht mehr, möglichst viel Glasfaser zu verlegen, sondern mit jedem Anschluss mehr Kundennutzen und wirtschaftlichen Wert zu schaffen.

Diese Aussage fällt in eine Phase, in der der Konzern operativ so stark performt wie selten. Im zweiten Quartal stieg der Nettoumsatz auf 29,9 Milliarden Euro, das organische Wachstum lag bei 3,3 Prozent. Das bereinigte EBITDA AL kletterte organisch um 7,3 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro.

Besonders das deutsche Kerngeschäft liefert verlässlich: Bereits im 39. Quartal in Folge wuchs hier das EBITDA, während die Mobilfunk-Serviceumsätze um 2,4 Prozent und die Breitbanderlöse um 1,9 Prozent zulegten.

Glasfaser wächst, aber Kunden wandern teilweise ab

Beim Netzausbau bleibt Deutschland auf Kurs: Im zweiten Quartal kamen netto 161.000 neue Glasfaseranschlüsse hinzu, ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig verzeichnete das Unternehmen im Breitbandgeschäft einen Kundenverlust von 20.000 Anschlüssen – ein Hinweis darauf, dass der reine Ausbau allein nicht mehr automatisch neue Kunden bringt.

Genau hier setzt Höttges‘ Kurswechsel an: Investitionen sollen künftig stärker daran gemessen werden, wie viel wirtschaftlichen Wert sie tatsächlich erzeugen. Für die kommenden drei Jahre plant der Konzern zusätzliche 800 Millionen Euro für den Glasfaserausbau, bis 2030 sollen die Gesamtinvestitionen rund 30 Milliarden Euro erreichen.

Der zweite große Baustein der neuen Strategie ist künstliche Intelligenz. Die gemeinsam mit NVIDIA betriebene Industrial AI Cloud in München ist mit 10.000 GPUs bereits vollständig ausgelastet – ein Beleg für die aus Unternehmenssicht starke Nachfrage nach souveräner, KI-bereiter Infrastruktur in Deutschland.

Ergänzend holte sich die Telekom bei allen elf bewerteten Kategorien der Ookla-Netzqualitätsauszeichnungen den Sieg, was die technische Basis für dieses Geschäft unterstreicht. Wie der Konzern seine KI-Ambitionen konkret monetarisieren will, soll ein Investorentag am 5. Oktober zeigen.

Cashflow-Ziel angehoben, Rückkaufprogramm läuft weiter

Die operative Stärke spiegelt sich auch in der Finanzplanung: Die Guidance für den Free Cashflow AL 2026 wurde von zuvor über 19,8 Milliarden Euro auf rund 20,0 Milliarden Euro angehoben. Das aufgestockte Aktienrückkaufprogramm mit einem Gesamtvolumen von bis zu 5 Milliarden Euro läuft parallel weiter – seit der Erhöhung am vergangenen Montag hat sich der Kurs um 1,6 Prozent verbessert.

Von den bislang eingesetzten Mitteln kaufte der Konzern rund 42,1 Millionen eigene Aktien im Gegenwert von etwa 1,2 Milliarden Euro zurück, die überwiegend eingezogen werden.

An der Börse notiert das Papier am Freitag bei 28,67 Euro, ein Plus von 0,9 Prozent im Tagesverlauf. Damit liegt der Kurs 6,5 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt, was die jüngste Erholungsbewegung untermauert. Zum bisherigen Jahreshoch von 34,35 Euro, erreicht im Februar, bleibt allerdings weiterhin eine spürbare Distanz von 17 Prozent.

Die strategische Neuausrichtung bei Glasfaser trifft damit auf ein Umfeld, in dem der Konzern finanziell Spielraum hat, neue Wachstumsfelder wie KI-Infrastruktur aufzubauen, ohne die laufenden Aktionärsrückgaben zu gefährden. Ob sich die Wertschöpfungs-Strategie in den kommenden Quartalen in höheren Margen niederschlägt, dürfte sich spätestens bei der Vorlage der Q3-Zahlen am 5. November zeigen.

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