Deutsche Telekom Aktie: 8,5 Prozent Lohnsteigerung vereinbart
Die Deutsche Telekom-Aktie notiert trotz starker Q1-Zahlen und angehobener Prognosen deutlich unter dem Jahreshoch. Die Entscheidung über den neuen Tarifvertrag fällt am 19. Juni.

Kurz zusammengefasst
- Mitgliederbefragung zu Tarifabschluss läuft
- Konzern hebt Jahresziele nach starkem Quartal an
- Aktienkurs bleibt hinter operativer Entwicklung zurück
- Analysten sehen Kurspotenzial bei über 36 Euro
Starke Quartalszahlen, angehobene Jahresziele, eine Tarifeinigung mit ver.di — und trotzdem notiert die Deutsche Telekom-Aktie rund 19 Prozent unter ihrem Jahreshoch. Der Kurs spiegelt die operative Stärke des Konzerns kaum wider.
Abstimmung am 19. Juni entscheidet
Die ver.di-Tarifkommission hat das Ergebnis der vierten Verhandlungsrunde einstimmig angenommen und empfiehlt den Mitgliedern die Annahme. Bis Mitte Juni läuft die Mitgliederbefragung. Am 19. Juni fällt die finale Entscheidung.
Das Tarifergebnis sieht gestaffelte Erhöhungen vor. Zum 1. August 2026 steigt das zusätzliche Monatsentgelt von 190 auf 340 Euro. Zum 1. Juli 2027 folgt ein weiterer Schritt auf 480 Euro. Zum 1. Juni 2028 erhöhen sich die Tabellenentgelte um 2,4 Prozent. Gemessen am Ecklohn von rund 55.000 Euro entspricht das einer Gesamtsteigerung von 8,5 Prozent über die Laufzeit.
Hinzu kommt ein Mitgliederbonus: ver.di-Mitglieder, die am 28. Mai 2026 dabei waren, erhalten 440 Euro einmalig. Wer Ende 2028 noch Mitglied ist, bekommt weitere 220 Euro. Betriebsbedingte Kündigungen sind für die gesamte Laufzeit von 33 Monaten ausgeschlossen.
Was eine Ablehnung bedeuten würde
Stimmen die Mitglieder zu, hat die Telekom Kostensicherheit bis Ende 2028. Lehnen sie ab, drohen neue Streiks — und damit ein schwer kalkulierbares Risiko für den laufenden Betrieb. Mehr als 32.000 Beschäftigte hatten im Vorfeld gestreikt. Eine erneute Eskalation wäre keine Kleinigkeit.
UBS-Analyst Polo Tang wertet die Einigung als Kostensicherheit. Die Bank hält das Kursziel bei 36,60 Euro und stuft die Aktie mit „Buy“ ein. Im Analystenkonsens liegt der faire Wert bei 38,61 Euro je Aktie.
Operative Stärke, schwacher Kurs
Die Q1-Zahlen waren überzeugend. Der Umsatz wuchs organisch um knapp fünf Prozent auf 29,9 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITDA AL kletterte auf 11,5 Milliarden Euro. Beim Gewinn je Aktie übertraf der Konzern die Analystenerwartungen um fast 16 Prozent.
Das Management hob daraufhin die Ziele an. Für 2026 plant der Konzern ein bereinigtes EBITDA AL von rund 47,5 Milliarden Euro und einen Free Cashflow AL von mehr als 19,8 Milliarden Euro.
Der Kurs folgt dieser Stärke nicht. Mit 27,79 Euro liegt die Aktie rund 19 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Der RSI von 39,6 zeigt, dass die Aktie im überverkauften Bereich notiert. Die Dividendenschätzung für 2026 liegt bei 1,13 Euro je Aktie.
Nach dem Tarifvotum am 19. Juni folgt der nächste operative Prüfstein: Am 6. August veröffentlicht die Deutsche Telekom ihre Q2-Zahlen.
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