Deutsche Telekom Aktie: Cashflow-Guidance auf 20 Milliarden erhöht
Die Telekom hebt nach starken Q2-Zahlen die Jahresprognose an und stockt den Aktienrückkauf auf. Regionale Netzbetreiber fordern derweil eine Fairplay-Vereinbarung beim Glasfaserausbau.

Kurz zusammengefasst
- Telekom erhöht Gewinnprognose für 2026
- Aktienrückkauf um 3 Milliarden Euro aufgestockt
- Regionale Netzbetreiber fordern Fairplay-Abkommen
- T-Mobile US gewinnt 277.000 neue Postpaid-Kunden
Regionale Netzbetreiber gehen die Deutsche Telekom in der Ausbaufrage direkt an. Die Branchenverbände BDEW, Breko und VKU haben am Freitag einen Vorschlag für eine freiwillige „Fairplay-Vereinbarung“ vorgelegt, die den Glasfaser- und Mobilfunkausbau in Deutschland beschleunigen soll. Wie die dpa berichtet, stehen die Mitgliedsunternehmen der drei Verbände zusammen für knapp 60 Prozent der deutschen Glasfaseranschlüsse.
Vorwurf des Doppelausbaus
Adressiert ist die Initiative vor allem an den Marktführer selbst. Die Verbände fordern einen fairen Zugang zum Mobilfunknetz der Telekom und wollen verhindern, dass Netze in bereits versorgten Gebieten ein zweites Mal aufgebaut werden – ein Vorwurf, der aus Sicht der regionalen Betreiber Kapital und Bauressourcen bindet, die anderswo für den Ausbau fehlen. Die Deutsche Telekom weist die Kritik laut dpa zurück. Der Konzern betont, freier Wettbewerb und eigenwirtschaftlicher Ausbau sicherten am Ende die beste Infrastruktur und die größte Anbieterauswahl für die Kunden. Eine Einigung auf eine verbindliche Vereinbarung steht damit noch aus, der Ton zwischen den Lagern bleibt angespannt.
Die Debatte trifft die Telekom zu einem Zeitpunkt, in dem der Konzern finanziell so stark aufgestellt ist wie selten zuvor. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Nettoumsatz auf 29,9 Milliarden Euro, organisch ein Plus von 3,3 Prozent. Das bereinigte EBITDA AL legte organisch um 7,3 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro zu, der freie Cashflow AL wuchs um 3,1 Prozent auf 5,0 Milliarden Euro. Der bereinigte Konzernüberschuss kletterte um 11,1 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Der berichtete Konzernüberschuss fiel dagegen um 6,3 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro – Grund waren Integrationskosten bei T-Mobile US im Zusammenhang mit der abgeschlossenen Übernahme von UScellular.
Auf Basis dieser Zahlen hat der Vorstand die Guidance für 2026 angehoben: Statt „mehr als 19,8 Milliarden Euro“ beim freien Cashflow AL peilt das Management nun „rund 20,0 Milliarden Euro“ an. Parallel dazu beschloss der Vorstand am Freitag, das laufende Aktienrückkaufprogramm um bis zu 3 Milliarden Euro auf insgesamt bis zu 5 Milliarden Euro bis Jahresende aufzustocken. Vom bisherigen Zwei-Milliarden-Programm waren zu diesem Zeitpunkt bereits rund 1,2 Milliarden Euro umgesetzt, gut 42,1 Millionen Aktien wurden zurückgekauft. Die aufgestockten Käufe können zwischen dem 10. August und dem 22. Dezember 2026 in ein oder mehreren Tranchen erfolgen.
Kursreaktion und Ausblick
Der Kapitalmarkt hat die Kombination aus starken Zahlen, angehobener Guidance und größerem Rückkauf honoriert: Binnen 30 Tagen legte die Aktie um 13,55 Prozent zu, zum Schlusskurs von 29,00 Euro am Freitag. Damit notiert das Papier nur noch 1,49 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt, ein Signal dafür, dass die jüngste Erholung breiter angelegt ist als nur eine kurzfristige Gegenbewegung. Für die Ausbaudebatte mit den regionalen Netzbetreibern liefert diese finanzielle Stärke der Telekom zusätzliches Gewicht – der Konzern kann eigenwirtschaftliche Investitionen aus einer robusten Cashflow-Basis heraus verteidigen, während die Gegenseite auf regulatorische Leitplanken setzt.
Bei T-Mobile US, dem größten Wachstumstreiber im Konzern, verlief das Quartal operativ solide: Die US-Tochter gewann rund 277.000 neue Postpaid-Konten hinzu, mehr als von Analysten erwartet, wenngleich weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Integration von UScellular ist inzwischen abgeschlossen, belastet aber noch die Bilanz.
Zwei Termine dürften die weitere Einordnung der Wachstumsstory prägen: Am 5. Oktober lädt die Telekom zu einem Investorentag, der die Chancen und Perspektiven im KI-Geschäft beleuchten soll. Einen Monat später, am 5. November, folgen die Zahlen zum dritten Quartal – dann dürfte sich zeigen, ob sich die angehobene Cashflow-Prognose auch im Tagesgeschäft bestätigt und wie sich die Ausbaudebatte mit den regionalen Wettbewerbern bis dahin entwickelt hat.
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