Deutsche Telekom Aktie: Funkmasten gewinnen, Telekom verliert
Der Erwerb von 800-MHz-Lizenzen durch SpaceX drückt Telekom-Aktien, während Funkmastbetreiber von möglichen zusätzlichen Mietern profitieren.
Kurz zusammengefasst
- Telekom-Aktie verliert 6,7 Prozent
- T-Mobile US fällt vorbörslich um 6,8 Prozent
- Funkmastbetreiber legen vorbörslich zu
- Terrestrischer Netzausbau durch SpaceX bleibt offen
Ein Frequenzkauf von SpaceX hat die Telekombranche kalt erwischt. Die Aktie der Deutschen Telekom rutschte am Freitag zur Mittagszeit um 6,7 Prozent auf 25,04 Euro und bildete damit das Schlusslicht im DAX. Zeitweise fiel sie auf 24,61 Euro, ihr tiefster Stand seit Anfang Juli.
Das steckt hinter dem Ausverkauf
SpaceX hat von der Investmentfirma Grain Management Low-Band-Frequenzen im 800-MHz-Band erworben. Sie decken nahezu die gesamte US-Bevölkerung ab. Mit seinen Starlink-Satelliten könnte der Konzern damit zu einem bedeutenden Mobilfunkanbieter in den USA werden. Grain hatte die Lizenzen frei bekommen, nachdem im August ein Frequenztausch mit T-Mobile abgeschlossen worden war.
Für die Telekom wiegt das schwer, denn die US-Tochter T-Mobile US ist dort zweitgrößter Mobilfunkanbieter. Die Aktie der Tochter gab vorbörslich um 6,8 Prozent nach. AT&T und Verizon büßten ähnlich stark ein. Auch europäische Branchengrößen wie Orange, Telefonica, Vodafone und BT Group verloren zwischen 1,8 und 3,8 Prozent.
SpaceX-Chef Elon Musk hatte den Frequenzbereich zuvor auf X als „das letzte entscheidende Puzzleteil“ für eine flächendeckende Mobilfunkversorgung in Amerika bezeichnet. Im August hatte er einen Medienbericht über das SpaceX-Interesse an solchen Frequenzen noch mit „nicht wahr“ kommentiert.
Gewinner: die Funkmasten-Betreiber
Auf der anderen Seite legten die Anbieter von Funkmasten kräftig zu. SBA, American Tower und Crown Castle gewannen vorbörslich zwischen 5,0 und 8,5 Prozent. In Europa stiegen Inwit um 3,5 Prozent und Cellnex um 4,3 Prozent.
Jefferies-Analyst Graham Hunt erklärt das mit der Erwartung, dass SpaceX ein terrestrisches Funkmastnetz benötigen und als zusätzlicher Mieter auf bestehenden Standorten auftreten könnte.
Analysten mahnen zur Einordnung
Bernstein-Analystin Madison Rezaei zeigte sich nicht überrascht. Ihr Haus hatte das Szenario als sehr wahrscheinlich eingestuft. Allerdings komme der Abschluss rund einen Monat vor dem geplanten Ende der Auktion.
Rezaei betont, der Frequenzerwerb bedeute noch keine Verpflichtung zum Aufbau eines landesweiten Netzes. SpaceX halte sich die Option eines terrestrischen Netzes offen. Genau dieses 800-MHz-Spektrum habe ihr Team jedoch für nötig gehalten, um diese Option glaubwürdiger und kostengünstiger zu machen.
Für die Telekom heißt das: Der Markt preist zunächst das Risiko ein, nicht einen konkreten Netzausbau. Ob SpaceX tatsächlich terrestrisch baut, ist offen. Solange das so bleibt, dürfte der Wettbewerbsdruck in den USA die Aktie der Bonner und ihrer Tochter begleiten.
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