Deutsche Telekom Aktie: Höttges-SMS von 2020 belastet
Eine SMS von Tim Höttges belastet die Deutsche Telekom im Sprint-Verfahren. Zugleich stellt der Konzern 1,3 Millionen Telefonanschlüsse um.

Kurz zusammengefasst
- SMS von Höttges als Beweisstück
- Prozessbeginn frühestens im Herbst 2027
- Milliardenbelastung bei erfolgreicher Klage
- 1,3 Millionen Anschlüsse erhalten neue Tarife
Die Deutsche Telekom steht wegen der Fusion von Sprint und T-Mobile US vor einer möglicherweise teuren juristischen Auseinandersetzung. Im Zentrum steht eine SMS von Konzernchef Tim Höttges vom 16. Mai 2020, die nun vor Gericht zum Belastungsfaktor werden könnte. Ein Verfahren könnte ab Herbst 2027 beginnen – und im schlimmsten Fall Milliarden an Folgekosten nach sich ziehen.
Worum es in der Klage geht
Die Vorwürfe drehen sich um Kommunikation im Zusammenhang mit dem milliardenschweren Zusammenschluss von Sprint und T-Mobile US, der die Deutsche Telekom zum Mehrheitseigner des größten US-Mobilfunkanbieters neben AT&T und Verizon machte. Die besagte SMS von Höttges aus dem Mai 2020 gilt als zentrales Beweisstück und könnte den Ausgang des Verfahrens entscheidend beeinflussen.
Sollte das Gericht der Klage folgen, drohen dem Konzern nach Einschätzung von Beobachtern Belastungen in Milliardenhöhe. Bis zum möglichen Prozessauftakt im Herbst 2027 bleibt allerdings Zeit für die juristische Aufarbeitung – Anleger müssen sich also auf eine längere Phase der Unsicherheit einstellen, ohne dass kurzfristig mit einer Entscheidung zu rechnen ist.
Parallel zu den juristischen Risiken im US-Geschäft treibt die Telekom im deutschen Heimatmarkt eine technische Umstellung voran: Rund 1,3 Millionen reine Telefonanschlüsse werden auf neue Tarifmodelle umgestellt.
Kunden, die nicht aktiv reagieren, drohen laut Medienberichten spürbar höhere Kosten – die neuen Angebote reichen von „Call Basic“ via Funk für 22,95 Euro monatlich mit 120 Freiminuten bis zu „Call Comfort“ mit Festnetz-Flatrate für 32,45 Euro. Hinzu kommt eine Router-Miete von 3,95 Euro monatlich oder eine Einmalzahlung von 100 Euro. Wer sich nicht kümmert, zahlt spürbar drauf, während im Wettbewerbsumfeld Alternativen bereits ab 10 Euro monatlich verfügbar sind.
Kursreaktion trotz Rechtsrisiko verhalten positiv
Trotz der schwelenden Sprint-Problematik zeigt sich die Aktie robust. Das Papier legt am heutigen Freitag um 1,3 Prozent zu und notiert bei 28,49 Euro, nach einem gestrigen Schlusskurs von 28,13 Euro. Damit bewegt sich der Titel wieder oberhalb seines 50-Tage-Durchschnitts von 27,15 Euro, was auf eine leichte Stabilisierung nach schwächeren Wochen hindeutet. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro, erreicht Ende Februar, fehlen der Aktie allerdings noch rund 17 Prozent.
Der Markt scheint die Sprint-Klage derzeit nicht als unmittelbares Kursrisiko einzupreisen – möglicherweise auch, weil ein mögliches Gerichtsverfahren erst in mehr als einem Jahr beginnen könnte. Anleger dürften die Entwicklung dennoch im Blick behalten, denn Höttges‘ SMS aus dem Mai 2020 könnte sich als teures Erbe der Sprint-Übernahme erweisen, sollte das Gericht den Vorwürfen folgen.
Für Bestandskunden mit klassischem Telefonanschluss gilt derweil: Wer die Umstellung verschläft, zahlt am Ende mehr als nötig. Die neuen Tarife der Telekom liegen deutlich über den günstigsten Alternativen im Markt – ein Umstand, der auch regulatorisch und wettbewerbspolitisch Aufmerksamkeit finden dürfte, während der Konzern gleichzeitig mit dem juristischen Erbe seines US-Engagements ringt.
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