Deutsche Telekom lockt mit 41 Prozent Potenzial, doch der Chart warnt vor 24 Euro
Goldman sieht bei der Deutschen Telekom deutliches Aufwärtspotenzial, während Elliott Druck macht und der Chart bei Kursen unter 28 Euro schwächer wird.
Kurz zusammengefasst
- Goldman bestätigt Telekom-Kursziel von 40 Euro
- Elliott fordert Dividende und Rückkäufe
- BioNTech-Aktie bleibt trotz Führungswechsel stabil
- BASF verkauft Beteiligung an Harbour Energy
Liebe Börsianerinnen und Börsianer,
zwei Werte, die kein Ölpreis-Ticker und kein Fed-Ausblick auf dem Schirm hatte, lieferten diese Woche die konkreteste Story für Ihr Depot: Deutsche Telekom und BioNTech. Beide beweisen, dass sich nicht alles um Energie und Zinsen drehen muss – und beide liefern klare Zahlen statt vager Stimmungslage.
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Deutsche Telekom: 41 Prozent Kurspotenzial, aber ein Aktivist im Nacken
Goldman Sachs hat die Telekom zum bevorzugten europäischen Telekomwert erklärt und das Kursziel bei 40 Euro belassen. Bei einem Wochenschluss von 28,51 Euro (+1,9 Prozent zum Vortag) entspricht das einem Potenzial von rund 41 Prozent – die Aktie bleibt damit aber weiterhin deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro. Der Haken: Goldman rechnet damit, dass T-Mobile US bis 2027 rund 80 Prozent des freien Konzern-Cashflows liefern muss. Wer Telekom kauft, kauft also im Kern eine Wette auf das US-Geschäft, nicht auf den deutschen Heimatmarkt.
Parallel dazu hat sich der aktivistische Hedgefonds Elliott eingekauft und fordert den Verzicht auf eine Fusion mit der US-Tochter, dazu eine höhere Dividende und mehr Aktienrückkäufe. Erfüllt der Konzern diese Forderungen, sieht Elliott ein Kursziel von 31 bis 32 Euro – deutlich konservativer als Goldman, aber immer noch ein zweistelliges Plus. Die Telekom liefert bereits: In der Woche vom 31. August bis 4. September kaufte sie 2,897 Millionen eigene Aktien für 82,49 Millionen Euro zurück, seit dem 10. August summiert sich das Volumen auf 8,072 Millionen Aktien.
Nur: Der Chart glaubt der fundamentalen Geschichte noch nicht. Die 200-Tage-Linie wurde unterschritten, und Chartbeobachter sehen bei einem Rücksetzer unter 28 Euro Abwärtspotenzial bis 26 oder sogar 24 Euro. Für Anleger heißt das: Kursziel, Rückkäufe und Aktivisten-Druck sprechen für die Aktie – die Charttechnik spricht dagegen. Das ist ein Fall für Geduld, nicht für Euphorie. Auch beim Rest des Sektors sieht Goldman Nachholbedarf: BT (Kursziel 330 Pence, 62 Prozent Potenzial), Telefónica (4,90 Euro, 34 Prozent) und ein auf Buy hochgestuftes Vodafone (155 Pence, 30 Prozent). Der gesamte europäische Telekomsektor soll seinen freien Cashflow zwischen 2026 und 2030 um 14 Prozent pro Jahr steigern – Goldmans Wette reicht also über einen Einzelwert hinaus.
BioNTech: Vorstand im Umbruch, Aktie trotzdem stabil
Ganz anders die Ausgangslage bei BioNTech: Hier fehlt nicht das Kursziel, sondern die Führung. Nach dem Rücktritt der Gründer Sahin und Türeci navigiert der Mainzer Konzern durch ein Machtvakuum. Großaktionär Thomas Strüngmann, dessen Family Office mehr als 40 Prozent der Anteile hält, erwartet zeitnah eine Neubesetzung des Medizinvorstands. Guido Oelkers soll spätestens im Februar 2027 den Vorstandsvorsitz übernehmen – ein Übergang, der sich über Monate zieht, während operativ die Verlustzone anhält: Die Nachfrage nach Corona-Impfstoffen sinkt, die Krebsforschung frisst Kapital, und belastbare Daten zu den Krebskandidaten werden erst in ein bis zwei Jahren erwartet.
Bemerkenswert ist trotzdem, wie ruhig die Aktie das alles wegsteckt. Sie schloss die Woche bei 83,45 Euro (+0,7 Prozent), liegt im laufenden Jahr 2,8 Prozent im Plus und hat sich binnen 30 Tagen um knapp 4 Prozent erholt. Trotz Führungsvakuum, trotz roter Zahlen. Der Markt scheint die Übergangsphase geduldig einzupreisen und wettet auf die Pipeline, nicht auf das aktuelle Zahlenbild. Das ist eine steile Wette – aber keine unvernünftige, solange die Krebsdaten noch ausstehen.
Die Zinswende trifft eine Wirtschaft mit Rekord-Insolvenzen
Am Donnerstag hob die EZB den Einlagensatz um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent an, die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kletterte daraufhin auf rund 3,5 Prozent. Diese Straffung trifft eine deutsche Wirtschaft, die bereits unter Druck steht: Im ersten Halbjahr 2026 zählte man 12.812 Unternehmensinsolvenzen, ein Plus von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Stand seit 2013. Allein im Juni stiegen die Fälle um 15,8 Prozent auf 2.266, die offenen Forderungen der ersten Jahreshälfte summierten sich auf 18,5 Milliarden Euro.
Gleichzeitig hat das DIW seine Wachstumsprognose für 2026 auf 1,2 Prozent angehoben. Das ist kein Widerspruch, sondern die eigentliche Pointe: Die Konjunktur erholt sich, aber eben nicht branchenübergreifend, und höhere Zinsen könnten genau diesen fragilen Aufschwung wieder abwürgen. Wer im Depot auf diese Gemengelage reagieren will, findet in der Deutschen Bank einen naheliegenden Gegenpol. Die Aktie markierte am 8. September ein neues 52-Wochen-Hoch bei 35,84 Euro und liegt binnen zwölf Monaten elf Prozent im Plus – höhere Zinsen nützen dem Bankgeschäft, während sie überschuldete Mittelständler in die Insolvenz treiben. Ein und dasselbe Zinsumfeld, zwei völlig gegensätzliche Wirkungen.
Flatexdegiro: Wenn der eigene Broker zum Kursopfer wird
Wer über Flatexdegiro handelt, wurde am Freitag selbst zum Verlierer: Die Aktie brach um 7,4 Prozent auf 31,58 Euro ein und markierte ein neues 52-Wochen-Tief bei 30,58 Euro. Auslöser war der angekündigte Rücktritt der Aufsichtsräte Lotter und Pfeifer zum 10. Oktober. Operativ ändert sich für Kunden zunächst nichts, doch der Kurssturz zeigt, wie empfindlich Finanzdienstleister auf Führungsunsicherheit reagieren. Aktionäre sollten die Nachfolgeregelung in den kommenden Wochen genau beobachten, bevor sich die Lage beruhigt.
BASF zieht sich aus dem Öl-Geschäft zurück
Während der Ölpreis die Woche prägte, reduzierte BASF sein eigenes Exposure: Der Konzern verkaufte 53 Millionen Aktien an Harbour Energy zurück an den britischen Öl- und Gasförderer selbst, für umgerechnet rund 164 Millionen Euro (190 Millionen US-Dollar) zu einem Preis von 266 Pence je Aktie. Die eigene BASF-Aktie schloss die Woche bei 52,06 Euro (-2,1 Prozent) – ein Rückzug aus einem volatilen Geschäftsfeld, während anderswo genau dieses Feld die Schlagzeilen dominierte.
Zwischen BASFs Rückzug aus dem Öl-Geschäft und BioNTechs Wette auf die eigene Pipeline zeigt sich, wie unterschiedlich Energie- und Gesundheitstrends einzelne Depots bewegen können. Ein Sonderreport von Analyst Mike Rückert bündelt fünf Aktien aus Energie, Gesundheit und Hightech mit besonderem Potenzial für 2026. Spezial-Report sichern
Unterm Strich
Die kommende Woche wird vom US-Zinsentscheid der Fed dominiert. Doch die eigentliche Lektion dieser Woche liegt woanders: Deutsche Telekom zeigt, dass ein positives Kursziel und ein fragiler Chart gleichzeitig wahr sein können. BioNTech zeigt, dass ein Markt Führungschaos verzeiht, solange die Pipeline stimmt. Und die Deutsche Bank zeigt, dass steigende Zinsen für die einen Rekordstände bedeuten, für andere die Insolvenz. Wer sein Depot breiter aufstellt, findet in dieser Gemengelage mehr Substanz als im nächsten Ölpreis-Ticker.
Das Wochenende neigt sich dem Ende zu, die Fed-Woche wartet schon – nutzen Sie die Ruhe, so lange sie hält.
Beste Grüße, Ihr Eduard Altmann
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