Deutsche Telekom vor der Elliott-Weichenstellung: Fusion oder Rückkauf?
Elliott drängt die Deutsche Telekom zu höheren Aktienrückkäufen, während eine vollständige T-Mobile-US-Fusion weiterhin als mögliche Option im Raum steht.

Kurz zusammengefasst
- Elliott überschreitet Drei-Prozent-Meldeschwelle
- Investor verlangt größere Aktienrückkäufe
- Telekom hebt Cashflow-Prognose für 2026
- Fusion mit T-Mobile US bleibt offen
Ausgangslage
Der aktivistische Investor Elliott Investment Management hat Anfang September eine Beteiligung an der Deutschen Telekom aufgebaut, die Deutschlands Meldeschwelle von 3 Prozent überschreitet.
Laut Bloomberg fordert Elliott den Bonner Konzern auf, von einer möglichen vollständigen Fusion mit T-Mobile US Abstand zu nehmen und stattdessen auf größere Aktienrückkäufe zu setzen. Damit stellt sich der Investor gegen Pläne von Vorstandschef Tim Höttges, der laut einem Agenturbericht von April eine vollständige Absorption von T-Mobile US über eine neue, aktienbasierte Holdinggesellschaft geprüft hatte.
Diese Auseinandersetzung trifft die Aktie in einer Phase operativer Stärke. Im zweiten Quartal wuchs der Konzernumsatz organisch um 3,3 Prozent auf 29,9 Milliarden Euro, das bereinigte EBITDA AL legte organisch um 7,3 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro zu.
Der Vorstand erhöhte daraufhin die Prognose für den freien Cashflow 2026 auf rund 20,0 Milliarden Euro und stockte das laufende Rückkaufprogramm um bis zu 3 Milliarden Euro auf – insgesamt sollen bis Jahresende bis zu 5 Milliarden Euro in eigene Aktien fließen. Genau diese Kapitalstärke macht die Frage, wofür sie eingesetzt wird, zum zentralen Streitpunkt zwischen Management und Elliott.
Die entscheidende Frage
Im Kern geht es um eine einzige Kapitalallokations-Entscheidung: Fließt die Finanzkraft der Telekom in eine milliardenschwere Übernahme der verbleibenden T-Mobile-US-Anteile, oder bleibt sie in Form von Rückkäufen und Dividenden bei den bestehenden Aktionären?
Eine Komplettfusion würde Bilanz und Verschuldungsgrad des Konzerns über Jahre prägen, während ein reines Rückkauf-Szenario den bereits eingeschlagenen Kurs nur fortschreibt. Wie der Vorstand diese Weggabelung auflöst, dürfte über die mittelfristige Bewertung der Aktie entscheiden – mehr als jede einzelne Quartalszahl.
Bullisches Szenario
Setzt sich Elliotts Position durch, könnte die Telekom ihre Kapitaldisziplin weiter schärfen. Ein noch größeres Rückkaufvolumen, kombiniert mit der bereits angehobenen Guidance für das bereinigte EBITDA AL von rund 47,5 Milliarden Euro für 2026, würde die Aktie je Ergebniseinheit rechnerisch attraktiver machen.
Zusätzlich untermauert die im August vollzogene Übernahme der polnischen Glasfaseranbieter Fiberhost und Inea für rund 1 Milliarde Euro die Wachstumsstrategie im europäischen Kerngeschäft – ein Beleg dafür, dass sinnvolle Investitionen auch abseits einer US-Mega-Fusion möglich sind.
Der Kurs notiert aktuell bei 28,88 Euro und damit rund 3,9 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 27,80 Euro, was auf eine intakte kurzfristige Aufwärtstendenz hindeutet.
Bärisches Szenario und Risiko
Das Gegenrisiko liegt in einer möglichen Eskalation des Streits mit Elliott. Bleibt Höttges bei Fusionsplänen, drohen monatelange Unsicherheit und ein aktivistischer Konflikt, der Managementkapazität bindet und Anleger verunsichert.
Die 30-Tage-Volatilität von 29 Prozent signalisiert bereits erhöhte Schwankungsbreite. Zudem bleibt die Fiberhost/Inea-Transaktion noch von der polnischen Wettbewerbsbehörde zu genehmigen; ein Scheitern oder eine Verzögerung wäre ein Rückschlag für die Konvergenz-Strategie in Polen.
Mit einem Abstand von 16 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro aus Ende Februar zeigt sich zudem, dass die Aktie von früheren Bewertungsniveaus noch entfernt ist – ein Signal, dass der Markt die Unsicherheit bereits einpreist.
Ausblick
Solange der Vorstand keine formelle Fusionsentscheidung trifft und stattdessen das Rückkaufprogramm konsequent umsetzt, dürfte die Aktie ihren moderaten Aufwärtstrend fortsetzen können. Kippt die Debatte jedoch zugunsten einer konkreten T-Mobile-US-Fusion, wäre mit erhöhter Unsicherheit und möglicherweise stärkeren Kursausschlägen zu rechnen.
Konkretere Signale könnten schon am Investorentag am 5. Oktober fallen, wenn der Konzern seine KI-Strategie vorstellt und Analysten Gelegenheit erhalten, Management-Kommentare zur Elliott-Frage einzuordnen.
Spätestens mit den Quartalszahlen am 5. November dürfte sich zeigen, ob operative Stärke und Kapitalrückführung weiterhin im Vordergrund stehen – oder ob die Fusionsdebatte neu an Fahrt gewinnt.
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