Deutz Aktie: Zahlt der Markt schon für ein Rüstungsgeschäft, das noch gar nicht vollzogen ist?
Eduard Altmann sieht den FFG-Erwerb als zentrale Wette; Genehmigungen, Finanzierung und die EBIT-Marge bestimmen seine Einschätzung.

Kurz zusammengefasst
- FFG-Kauf für rund 1,6 Milliarden Euro vereinbart
- Behördliche Freigaben für den Erwerb stehen aus
- Bis zu 200 Kölner Stellen laut Medienbericht betroffen
- Margenziel hängt von 6,5 bis 8,0 Prozent ab
Deutz hat den Kauf des Flensburger Militärfahrzeugherstellers FFG für rund 1,6 Milliarden Euro vereinbart. Das Closing hängt noch an behördlichen Genehmigungen, und am Kölner Stammwerk kursieren Berichte über weitere Einschnitte im Geschäft mit kleinen Motoren.
Trägt das bestehende Motorengeschäft die Erwartungen, die der Umbau zum Verteidigungs- und Energiezulieferer weckt, oder bezahlt man heute vor allem eine Ankündigung? Darüber sprechen wir mit Eduard Altmann.

Deutz (DE0006305006) — Schlusskurse 24.04.2026 bis 21.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 21.10.2026.
Stock World Redaktion: Rund 1,6 Milliarden Euro Kaufpreis für FFG stehen einer Marktkapitalisierung von etwa 1,65 Milliarden gegenüber. Verhebt sich Deutz an einem Deal, der so groß ist wie das ganze Unternehmen?
Eduard Altmann: An diesem Größenverhältnis bleibe ich am längsten hängen. Ein Unternehmen kauft sich praktisch ein zweites Ich dazu, und zwar in einer Branche, in der es bisher über eine eigene Defense-Einheit erst vorsichtig Fuß gefasst hat.
Die Kapitalerhöhung im September brachte rund 179 Millionen Euro brutto. Das ist ein Baustein, mehr nicht. Der große Rest hängt am Aktientausch, den die Hauptversammlung gebilligt hat, und an der Finanzierung. Verwässerung und Zinskosten tragen also die Altaktionäre, bevor FFG einen einzigen Euro Ergebnis liefert.
Solange die Freigaben fehlen, ist FFG für mich keine Ist-Größe. Umsatz und Ergebnis von FFG haben in einer Bewertung von heute nichts zu suchen. Ob Deutz sich verhebt? So weit gehe ich nicht. Dieses Vollzugsrisiko überragt allerdings alle anderen.
Stock World Redaktion: Klingt nach bequemer Vorsicht. Europa rüstet auf, Deutz hat sich rechtzeitig positioniert. Warum sollte man ausgerechnet hier auf Belege warten, bis es zu spät ist?
Eduard Altmann: Weil ein politisches Ziel noch niemandem eine Rechnung bezahlt. Ich gönne Deutz die Richtung, sie ist plausibel. Wer heute für Aufträge zahlt, die noch keiner unterschrieben hat, nimmt das Risiko des Unternehmens auf die eigene Kappe.
Stock World Redaktion: Dann zur Substanz ohne FFG. Was ist das bestehende Geschäft heute eigentlich wert?
Eduard Altmann: Weniger, als das ganze Rüstungsgerede vermuten lässt, und ungefähr so viel, wie dafür bezahlt wird. Bewertet man die fünf Segmente einzeln, also Motoren, Service, Energy, NewTech und Defense, kommt man auf einen Eigenkapitalwert von rund 1,58 Milliarden Euro.
Die Börse bewertet Deutz mit gut 70 Millionen mehr. Einen versteckten Schatz gibt es da also nicht. Der laufende Umbau ist schon weitgehend eingepreist. Die Basis ist allerdings wackelig, weil Deutz erst seit Januar 2026 in dieser Segmentstruktur berichtet.
Mein faires Niveau von rund 16 Euro hängt deshalb an einer klaren Bedingung: Die bereinigte EBIT-Marge muss 2026 in der oberen Hälfte der Spanne von 6,5 bis 8,0 Prozent landen, und FFG muss vollzogen werden, ohne dass die Finanzierung den Rest auffrisst. Der Abstand zum Kurs ist damit ganz überwiegend eine Wette auf diese zwei Dinge. Fällt eines davon weg, bleibt von diesem Abstand wenig übrig.
Stock World Redaktion: Sie sagen, der laufende Umbau sei „schon weitgehend eingepreist“. Zum Umbau gehören auch die geplante Neuordnung im Aufsichtsrat nach dem FFG-Deal und bis zu 200 weitere Stellen in Köln. Belegt das nicht, dass die Transformation läuft und Ihre Bedingung schon halb erfüllt ist?
Eduard Altmann: Da landen zwei Dinge in einem Topf, die wenig miteinander zu tun haben. Die Neubesetzung im Aufsichtsrat ist Governance nach einer Übernahme, die noch gar nicht vollzogen ist, und sie wird ausdrücklich als Vorhaben beschrieben. Die Stellen in Köln betreffen das Geschäft mit kleinen Motoren. Dort reagiert Deutz auf schwache Nachfrage.
Medienberichten vom 14. Oktober zufolge geht es um 130 bis 200 Stellen bis Ende 2028, bestätigt ist davon bislang nichts. Wer beides als Fortschritt zusammenzählt, verbucht eine Personalie und eine Notbremse auf demselben Konto. Für meine Margenbedingung hilft Kostenabbau natürlich. Ob die Werke wieder voll laufen, verrät er allerdings nicht.
Stock World Redaktion: Der Analysten-Konsens landet im Median dort, wo auch Sie stehen. MPCM ruft 19 Euro auf und erwartet einen stark gestiegenen Auftragseingang im dritten Quartal. Warum sind Sie nicht mutiger?
Eduard Altmann: Weil MPCM selbst keine entsprechende Erholung der Produktion unterstellt. Bestellungen, die nicht in Auslastung münden, heben die Stimmung, die Marge aber kaum. Genau daran messe ich meine These laufend: am Verhältnis von Auftragseingang zu tatsächlich gebauten Motoren.
Mit den Neunmonatszahlen im November kommt der nächste Datenpunkt. Steigen die Bestellungen, ohne dass die Produktion nachzieht, wackelt meine Margenbedingung, und mein Wert wäre eher zu großzügig. Zieht die Produktion spürbar an, war ich der Zaghafte. Diesen Gefallen tue ich dem Kurs vorab nicht.
Stock World Redaktion: Ihre Bedingung lautet: bereinigte EBIT-Marge in der oberen Hälfte der Spanne von 6,5 bis 8,0 Prozent plus ein vollzogener FFG-Kauf. Wenn Sie heute entscheiden müssten: Trauen Sie Deutz beides zu, oder bleibt der Abstand zu Ihrem fairen Niveau eine Wette?
Eduard Altmann: Es bleibt eine Wette, und ich halte sie für vertretbar. Die obere Margenhälfte traue ich Deutz eher zu als einen reibungslosen Vollzug. Der Service mit Originalteilen und Partnernetz stabilisiert genau das Geschäft, auf das man im Zweifel zurückfällt.
Der FFG-Kauf ist das Gegenteil von stabil: Freigaben, Finanzierung und Verwässerung, und das bei einem Deal in der Größe des eigenen Unternehmens. Heute bezahlt man ungefähr den Wert des Bestands, und die Option auf FFG kostet kaum Aufschlag. Das stimmt mich vorsichtig zuversichtlich. Begeisterung hebe ich mir für den November auf, wenn die Werke zeigen, ob sie wieder voll laufen.
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