Die 15-Prozent-Keule, das Ifo-Paradox und Novo Nordisks bittere Pille

Trumps Ankündigung globaler Basiszölle überschattet positives Ifo-Signal und löst politische Gegenreaktionen in der EU aus. Der DAX zeigt sich trotzdem robust.

Kurz zusammengefasst:
  • Ifo-Index verzeichnet leichten Aufwärtstrend
  • Trump plant 15-prozentigen Basiszoll für 150 Tage
  • EU stoppt Zollabkommen und droht mit Gegenmaßnahmen
  • Novo Nordisk Aktie nach Studienergebnis stark unter Druck

Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt diese Tage an den Finanzmärkten, an denen die klassische ökonomische Logik scheinbar auf den Kopf gestellt wird. Das Ifo-Institut meldet das erste zarte Frühlingserwachen der deutschen Wirtschaft – und der DAX? Quittiert die guten Nachrichten mit einem Schulterzucken und rutscht prompt um rund ein halbes Prozent auf gut 25.100 Punkte ins Minus.

Der Grund für diese Dissonanz liegt rund 6.000 Kilometer westlich von Frankfurt. Die 150-Tage-Uhr, von der ich am Sonntag schrieb, hat zu ticken begonnen. Und sie tickt lauter als erwartet.

Trumps juristische Kreativität

Noch am Freitagabend knallten in den Chefetagen Europas die Korken. Der Supreme Court hatte Trumps Notstands-Zölle gekippt. Der DAX sprang über 25.300 Punkte. Die Erleichterung währte exakt ein Wochenende.

Trumps Gegenschlag dominiert nun die Handelssäle: Ein globaler Basiszoll von 15 Prozent, verhängt für 150 Tage. Der Präsident greift dafür tief in die juristische Mottenkiste – Abschnitt 122 des Handelsgesetzes von 1974. Die Ausnahmen für kritische Mineralien und Pharmazeutika sind ein schwacher Trost für die europäische Industrie.

Die politische Schockwelle erreichte Brüssel und Berlin am frühen Morgen. Das EU-Parlament hat die Umsetzung des mühsam verhandelten Zollabkommens umgehend auf Eis gelegt. „Wir fordern klare Zusicherungen“, stellte der Handelsausschuss-Vorsitzende Bernd Lange klar. Bundeskanzler Friedrich Merz, der am Mittwoch zu seinem Antrittsbesuch nach China reist, brachte die sogenannte „Handels-Bazooka“ ins Spiel – ein EU-Gesetz zur Abwehr wirtschaftlichen Zwangs. „Wenn es nötig ist, ist es nötig“, so der Kanzler.

Die transatlantischen Beziehungen steuern auf einen eiskalten Frühling zu.

Frühlingserwachen mit Schönheitsfehlern

Vor diesem Störfeuer verpuffte die eigentlich beste Nachricht des Tages beinahe völlig. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Februar um satte 1,0 Punkte auf 88,6. Ifo-Präsident Clemens Fuest sprach von „ersten Signalen einer Belebung“. Doch wer genau hinsieht, erkennt die Risse im Fundament.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer goss umgehend Wasser in den Wein: „Rüstungsaufträge allein machen noch keinen Aufschwung.“ Tatsächlich profitiert derzeit vor allem die Rüstungsindustrie – Rheinmetall gehörte am Vormittag trotz leichter Gewinnmitnahmen erneut zu den meistdiskutierten Werten. Die breite Industrie kämpft weiter mit Strukturproblemen.

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Während die klassischen Rüstungskonzerne wie Rheinmetall mit traditionellen Waffensystemen weiterhin profitieren, analysiert Finanzexperte Carsten Müller in seinem aktuellen Webinar eine völlig neue Dimension der Verteidigungstechnologie: „New Defence“. Er zeigt dort, wie die NATO derzeit über 500 Milliarden Euro nicht mehr in Panzer und Artillerie investiert, sondern in KI-gesteuerte Drohnenabwehr, autonome Schwärme und digitale Schutzsysteme. Müller hat 4 spezialisierte Tech-Unternehmen identifiziert, die diese Revolution anführen und ein Gewinnpotenzial von bis zu +934% bieten könnten. Im Webinar lernen Sie konkret, welche Firmen den automatisierten Schutzwall an der NATO-Ostflanke aufbauen und warum diese „Bytes statt Bomben“-Strategie die Rüstungsindustrie grundlegend verändert. Details zur New Defence-Analyse hier

Wie tief der Umbau der Deutschland AG reicht, zeigte BASF: Der Chemieriese trennt sich von 4.400 Wohnungen seiner Tochtergesellschaft, um sich radikal auf das Kerngeschäft zu fokussieren. Parallel kündigte Covestro-Chef Markus Steilemann nach der Übernahme durch ein arabisches Staatsunternehmen seinen Abschied an. Die deutsche Wirtschaft räumt auf – und schrumpft sich gesund.

Novo Nordisks bittere Pille

Während die Makroökonomie von Zöllen dominiert wird, lieferte die Unternehmenswelt ein handfestes Drama. Der dänische Pharmagigant Novo Nordisk erlebte einen veritablen Börsencrash und stürzte zeitweise um 16 Prozent ab. Das neue Abnehmmittel „Cagrisema“ verfehlte in einer Phase-3-Studie den primären Endpunkt im direkten Vergleich mit dem Konkurrenzprodukt Zepbound von Eli Lilly.

Zwar zeigten die Patienten eine Gewichtsreduktion von 23 Prozent. Doch das reichte nicht, um die hochfliegenden Erwartungen zu erfüllen. Eli Lilly-Aktien legten im Gegenzug um über 3 Prozent zu. Der Kampf um den Billionen-Markt für Adipositas-Medikamente hat ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Besser lief es für die europäische Tech-Hoffnung ASML. Die Niederländer verkündeten einen Durchbruch bei ihrer extrem ultravioletten Lithographie: Die Leistung der EUV-Lichtquelle wurde von 600 auf 1.000 Watt gesteigert. Kunden sollen bis Ende des Jahrzehnts rund 50 Prozent mehr Chips pro Stunde produzieren können – ein entscheidender Vorteil im globalen Halbleiter-Wettlauf.

Der sichere Hafen glänzt

Die Kombination aus geopolitischen Spannungen und dem neuen US-Protektionismus hinterlässt bei den Anlageklassen deutliche Spuren. Der Krypto-Markt, der Trumps Wahlsieg im letzten Jahr noch frenetisch gefeiert hatte, erlebt weiter einen schmerzhaften Kater. Bitcoin rutschte in der asiatischen Handelssitzung um fast 5 Prozent ab und fiel zeitweise unter 65.000 Dollar. Über 500 Millionen Dollar an gehebelten Positionen wurden liquidiert. Der „Crypto Fear & Greed Index“ verharrt auf extremer Angst.

Ganz anders das Bild beim ältesten Krisenwährungsmetall der Welt: Gold glänzt heller denn je. Der Preis pro Unze sprang um über ein Prozent nach oben und notiert stabil jenseits der 5.140-Dollar-Marke. Wenn Regierungen Zölle erheben und Notenbanken zögern, greifen Investoren zum physischen Anker.

Was die Woche noch bringt

Alle Augen richten sich nun auf den Mittwochabend. Dann öffnet Nvidia nach US-Börsenschluss seine Bücher für das vierte Quartal. Der Markt erwartet einen Umsatz von rund 65 Milliarden Dollar. In einem Umfeld, das von politischen Unsicherheiten geprägt ist, ruhen die Hoffnungen der Bullen fast vollständig auf der unersättlichen Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz.

Trump hat die Spielregeln neu geschrieben. Europas Antwort steht noch aus. Und die deutschen Wirtschaftsdaten? Sie bleiben vorerst ein Frühlingserwachen ohne Wärme.

Ich wünsche Ihnen einen klaren Kopf in unübersichtlichen Zeiten und einen erfolgreichen Start in diese Handelswoche.

Herzlichst,

Ihr Eduard Altmann

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