Liebe Leserinnen und Leser,
es gibt Tage an der Börse, die wie ein Brennglas wirken. Sie bündeln das diffuse Licht der Weltwirtschaft und zeigen gnadenlos, wo wirklich Hitze entsteht – und wo nur noch kalte Asche liegt.
Während wir heute auf die Kurstafeln blicken, offenbart sich eine Zweiklassengesellschaft, die schärfer kaum sein könnte. In New York zementiert der Dow Jones seinen Anspruch oberhalb der monumentalen 50.000er-Marke, und in Tokio zünden Anleger ein fiskalpolitisches Feuerwerk, das den Nikkei in die Stratosphäre befördert. Die Welt ist im Rausch der Liquidität und der großen Wetten.
Doch hierzulande, genauer gesagt im schwäbischen Göppingen, holt uns die Realität der Unternehmensbilanzen brutal auf den Boden zurück. Der Kontrast zwischen der makroökonomischen Euphorie in Übersee und der mikroökonomischen Ernüchterung im deutschen Mittelstand prägt diesen Dienstag. Die Märkte sind heiß gelaufen, doch wer keine Wachstumsstory mehr zu erzählen hat, wird vor die Tür gesetzt.
Werfen wir einen Blick auf die Details dieses bemerkenswerten Handelstages.
Die „Takaichi-Rallye“: Japan entfesselt
Beginnen wir im Osten, wo die Sonne für Anleger derzeit nicht nur aufgeht, sondern blendet. Der Nikkei 225 hat am Dienstag zum zweiten Mal in Folge ein Rekordhoch markiert und die Marke von 57.500 Punkten hinter sich gelassen. Der Treibstoff für dieses Momentum ist rein politischer Natur.
Der erdrutschartige Wahlsieg der Liberaldemokratischen Partei (LDP) unter Premierministerin Sanae Takaichi hat die Märkte elektrisiert. Investoren positionieren sich massiv für den „Takaichi-Trade“: eine Wette auf aggressive Fiskalpolitik und staatliche Ausgabenprogramme. Die Aussicht auf diese expansive Agenda schwächt den Yen – zur Freude der Exporteure – und treibt die Kurse. Es ist eine Lektion, die wir in Europa oft schmerzlich vermissen: Politische Stabilität gepaart mit klaren wirtschaftlichen Anreizen ist an der Börse die härteste Währung.
Frankfurt: Atemlos an der 25.000er-Schwelle
Während Asien feiert und die Wall Street in neuen Dimensionen denkt, wirkt der DAX heute unschlüssig, fast ein wenig kurzatmig. Unser Leitindex klammert sich zwar an die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten, doch der Schwung der letzten Tage ebbt ab. Gegen Mittag rettete sich das Barometer gerade noch auf ein Plus von 0,03 Prozent bei rund 25.021 Zählern.
Der Ausbruch nach oben gelingt nicht nachhaltig; technisch befinden wir uns in einer Konsolidierung auf hohem Niveau. Einzig der Rüstungssektor liefert verlässlich: Rheinmetall und Renk profitieren weiter von der geopolitischen Großwetterlage, wobei Renk nach einer Kaufempfehlung um beachtliche 4 Prozent zulegen konnte. Es bleibt eine zynische Konstante dieser Zeit: Sicherheit ist der einzige Sektor, in dem Budgets keine Rolle zu spielen scheinen.
Ein Dämpfer kam heute Nachmittag aus den USA: Die Einzelhandelsumsätze stagnierten im Dezember, während Volkswirte einen Anstieg erwartet hatten. Das drückt die Kauflaune an der Wall Street zwar nur minimal, mahnt aber zur Vorsicht bezüglich der Konsumstärke.
TeamViewer: Wenn das Einhorn lahmt
Der schmerzhafteste Chart des Tages kommt aus dem MDax. Die Aktie von TeamViewer stürzte heute um über 7 Prozent ab und kämpft bei rund 5,50 Euro um Bodenhaftung. Der Grund ist ein Klassiker der Börsenenttäuschungen: Ein Ausblick, der jegliche Fantasie im Keim erstickt.
Das Management stellte für 2026 ein Umsatzwachstum von lediglich 0 bis 3 Prozent in den Raum. Für ein Technologieunternehmen, das einst als deutsches Vorzeige-Unicorn galt, kommt das einer Bankrotterklärung der Wachstumsstory gleich. Zwar stieg das bereinigte EBITDA im abgelaufenen Jahr solide, aber an der Börse wird Zukunft gehandelt, nicht Vergangenheit verwaltet. Die Analystenmeinungen driften nun weit auseinander – von „Overweight“ (Barclays) bis zur nüchternen Realität des Marktes. Es zeigt sich erneut: Deutsche Tech-Werte haben es schwer, dauerhaft in der Champions League der globalen Wachstumstitel mitzuspielen.
TUI: Die Reiselust trotzt der Inflation
Ein interessantes Gegenbild liefert TUI. Der Reisekonzern legte heute Zahlen vor, die beweisen, dass der Konsument zwar wählerisch, aber keineswegs geizig ist. Das bereinigte EBIT im ersten Geschäftsquartal kletterte auf 77 Millionen Euro – ein bemerkenswert starker Wert für die traditionell schwache Wintersaison.
Spannend ist der Wandel im Kundenverhalten: Gebucht wird später, Flexibilität ist Trumpf. Dennoch bestätigte TUI die Prognose für das Gesamtjahr. Während TeamViewer über fehlendes Wachstum klagt, schafft es ein Vertreter der „Old Economy“, durch ein starkes Kreuzfahrtgeschäft und effizienteres Management zu punkten. Die Aktie reagierte volatil, aber die Botschaft ist klar: Die Erlebnisökonomie lebt, Inflation hin oder her.
Amazon und der 200-Milliarden-Dollar-Hammer
Um die Dimensionen wieder zurechtzurücken, müssen wir über den Atlantik schauen. Amazon plant laut aktuellen Berichten Investitionen von unglaublichen 200 Milliarden Dollar im Jahr 2026. Der Fokus: KI, Chips und Rechenzentren.
Zum Vergleich: Das übersteigt das Bruttoinlandsprodukt vieler EU-Staaten. JPMorgan sieht darin – trotz der kurzfristigen Belastung für den Cashflow – ein massives Potenzial. Es ist ein Wettrüsten der Hyperscaler. Wer hier nicht investiert, verliert den Anschluss. Für deutsche Anleger ist das ein klares Signal: Die Musik im KI-Sektor spielt dort, wo die tiefen Taschen sind. Europäische Unternehmen können bei diesen Einsätzen kaum noch am Tisch Platz nehmen.
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Pharma-Krieg: Novo Nordisk geht in die Offensive
Zum Abschluss ein Update zu dem Sektor, der gestern bereits für Aufsehen sorgte. Nachdem der US-Anbieter Hims & Hers einen Rückzieher bei seinen Plänen für eine Wegovy-Kopie gemacht hatte, zieht Novo Nordisk nun die juristischen Daumenschrauben an.
Der dänische Pharmariese hat Klage gegen Hims & Hers eingereicht. Der Vorwurf: Patentverletzung bei GLP-1-Präparaten. Das ist mehr als nur ein juristisches Scharmützel; es ist der Übergang von der Verteidigung zum Angriff. Novo Nordisk signalisiert unmissverständlich: Wir haben diesen Markt geschaffen, und wir werden ihn gegen billigere Nachahmerprodukte (Compounding) mit aller Härte verteidigen. In einem Markt, in dem es um dreistellige Milliardenbeträge geht, werden nun auch die juristischen Bandagen härter gewickelt.
Was bleibt?
Der heutige Tag lehrt uns Demut vor der Selektivität des Marktes. Ein Indexrekord im Dow oder Nikkei hilft Ihnen wenig, wenn Sie die falsche Einzelaktie im Depot haben – fragen Sie heute mal einen TeamViewer-Aktionär. Die großen Trends (KI-Investitionen, Japan-Comeback, Rüstung) sind intakt, aber die Luft für Fehler wird dünner.
Auch beim Bitcoin ist Vorsicht geboten: Die Kryptowährung kämpft weiter mit der 70.000-Dollar-Marke und verzeichnete zuletzt Abflüsse aus den ETFs. Hier scheint eine Atempause angesagt.
Behalten Sie in dieser Woche die US-Inflationsdaten (CPI) im Auge, die nun am 13. Februar erwartet werden. Bis dahin gilt: Genießen Sie die Höhenluft, aber prüfen Sie zweimal, ob Ihr Fallschirm sitzt.
Herzlichst,
Ihr
Eduard Altmann
