Dividenden-Quartett aus dem MDAX: Ströer, Lufthansa, Wacker Chemie und Tui im Check

Vier MDAX-Unternehmen zeigen unterschiedliche Ausschüttungsstrategien für die Aktienrente: von hoher Rendite mit Risiko bis zur Dividendenpause als Turnaround-Signal.

Dieter Jaworski ·
Ströer Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Ströer kürzt Dividende trotz Rekordumsatz
  • Lufthansa zahlt erstmals wieder solide Ausschüttung
  • Wacker Chemie streicht Dividende nach Verlustjahr
  • Tui als volatiler Erholungskandidat im Portfolio

Wer die eigene Altersvorsorge mit Aktien aufbauen will, braucht mehr als nur hohe Renditen auf dem Papier. Die Dividendensaison 2026 im MDAX zeigt das eindrücklich: Ein Außenwerber kürzt die Ausschüttung und lockt trotzdem mit über fünf Prozent Rendite. Eine Airline zahlt erstmals wieder solide, kämpft aber mit Streiks. Ein Chemiekonzern setzt komplett aus — und ein Reiseriese ringt um Stabilität nach Jahren der Verwerfungen.

Vier Titel, vier völlig unterschiedliche Profile. Ströer, Lufthansa, Wacker Chemie und Tui stehen exemplarisch für die Bandbreite an Chancen und Fallstricken, die ein selbst gebautes Rentendepot aus dem deutschen Mittelstandsindex bereithält.

Ströer: Hohe Rendite mit Fragezeichen

Die Dividendenkürzung kam härter als erwartet. Statt der von Analysten prognostizierten 2,12 Euro je Aktie schüttet Ströer für das Geschäftsjahr 2025 nur 1,85 Euro aus — nach 2,30 Euro im Vorjahr. Trotzdem liegt die Dividendenrendite bei rund 5,4 Prozent, weil der Kurs in den vergangenen Monaten massiv gefallen ist. Anfang März 2026 markierte die Aktie ein Tief seit 2015.

Operativ liest sich die Bilanz besser als der Kursverlauf vermuten lässt. Der konsolidierte Umsatz kletterte 2025 auf den Rekordwert von 2,075 Milliarden Euro. Der Anteil der Außenwerbung am deutschen Gesamtmarkt erreichte mit zehn Prozent ein historisches Hoch — getrieben vor allem vom digitalen Out-of-Home-Geschäft.

Das Management signalisiert Zuversicht auf mehreren Ebenen. Bis November sollen bis zu 50 Millionen Euro in Aktienrückkäufe fließen. Für 2026 erwartet Ströer organisches Wachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Die Bewertung mit einem geschätzten KGV von 11,36 wirkt für einen Medienkonzern mit stabilen Cashflows moderat.

Zuletzt notierte die Aktie bei 37,98 Euro — rund 13 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt. Die Erholung vom März-Tief ist deutlich, doch auf Zwölfmonatssicht steht immer noch ein Minus von über 26 Prozent zu Buche. Für ein Rentendepot bietet Ströer einen ungewöhnlich hohen Ertrag, erkauft allerdings mit dem Risiko eines strukturellen Wandels im Werbemarkt.

Lufthansa: Solide Dividende, empfindliches Geschäftsmodell

Nach der pandemiebedingten Ausschüttungspause kehrt Lufthansa zu einer verlässlicheren Dividendenpolitik zurück. Der Hauptversammlung im Mai wird eine Zahlung von 0,33 Euro je Aktie vorgeschlagen — insgesamt rund 396 Millionen Euro. Bei einem Kurs von aktuell 7,51 Euro ergibt sich eine Rendite von gut vier Prozent.

Die operativen Zahlen für 2025 untermauern die Rückkehr zur Ausschüttung. Der Umsatz erreichte mit 39,6 Milliarden Euro einen Rekordwert, das bereinigte EBIT legte um 19 Prozent auf 2,0 Milliarden Euro zu. Mit einem KGV von knapp 7 ist die Bewertung für eine Airline-Gruppe dieser Größe historisch günstig.

Der April 2026 hat die Verwundbarkeit des Geschäftsmodells allerdings schonungslos offengelegt:

  • Streikbelastung: Piloten und Flugbegleiter legten die Arbeit nieder, zahlreiche Flüge fielen aus
  • Strategischer Umbau: Die Cityline wurde geschlossen, unwirtschaftliche Kurzstreckenflüge gestrichen
  • Geopolitische Abhängigkeit: Eine angekündigte Feuerpause zwischen den USA und Iran löste eine Erleichterungsrally aus — ein Beleg dafür, wie stark externe Faktoren den Kurs bestimmen

Seit Jahresbeginn hat die Aktie über zwölf Prozent verloren. Für ein Rentendepot taugt Lufthansa als Beimischung, nicht als tragende Säule. Die Dividende puffert kurzfristige Rücksetzer ab, ersetzt aber keine defensive Kernposition.

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Wacker Chemie: Keine Dividende — und trotzdem ein Signal

Wacker Chemie fällt in dieser Runde komplett als Dividendenzahler aus. Nach Abschreibungen und Restrukturierungskosten schloss das Geschäftsjahr 2025 mit einem Verlust von 805 Millionen Euro. Die Ausschüttung wurde gestrichen — nach 2,50 Euro je Aktie im Vorjahr ein harter Schnitt.

Was den Titel für die Aktienrente dennoch relevant macht, ist die Dynamik im laufenden Jahr. Das erste Quartal 2026 überraschte positiv: Das EBITDA lag mit vorläufig 173 Millionen Euro deutlich über den Erwartungen. Kunden hatten Bestellungen vorgezogen, gleichzeitig gelang es dem Konzern, gestiegene Rohstoff- und Energiepreise weiterzureichen. Die Fähigkeit zur Preisdurchsetzung gilt in der Branche als Zeichen einer starken Marktposition.

Für das Gesamtjahr rechnet das Management nun mit Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich — eine Anhebung gegenüber der früheren Prognose. Die EBITDA-Spanne bleibt bei 550 bis 700 Millionen Euro. Parallel läuft ein Sparprogramm, das jährlich mehr als 300 Millionen Euro einsparen soll — verbunden mit dem Abbau von über 1.500 Stellen bis Ende 2027.

Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund 38 Prozent zugelegt und erreichte heute mit 98,30 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch. Die Analystenmeinungen gehen weit auseinander: Jefferies bleibt bei „Hold“ mit einem Kursziel von 74 Euro, die DZ Bank stufte auf „Halten“ mit einem fairen Wert von 92 Euro hoch. Wer heute einsteigt, verzichtet auf kurzfristigen Cashflow, setzt aber darauf, dass die Dividende mittelfristig zurückkehrt.

Tui: Der Reiseriese zwischen Erholung und Ernüchterung

Tui ergänzt das Quartett als Vertreter der Touristikbranche — einem Sektor, der nach den Pandemiejahren einen langen Erholungspfad hinter sich hat. Die Aktie steht aktuell bei 6,93 Euro und damit rund 23 Prozent unter ihrem Jahresanfangsniveau. Auf Zwölfmonatssicht bleibt zwar ein Plus von gut neun Prozent, der jüngste Trend zeigt aber klar nach unten.

Der Kurs liegt deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 8,01 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch bei 9,42 Euro im Dezember 2025 hat sich die Aktie um über ein Viertel entfernt. Die Volatilität ist mit annualisiert über 45 Prozent hoch — typisch für einen Titel, der stark von Konsumstimmung, Wechselkursen und geopolitischen Entwicklungen abhängt.

Für die Aktienrente ist Tui ein Kandidat mit Comeback-Fantasie, aber ohne die defensive Qualität, die ein Kerninvestment auszeichnet. Die Erholungsgewinne der vergangenen Quartale sind teilweise wieder abgeschmolzen. Wer Tui im Dividendendepot hält, braucht Geduld und die Überzeugung, dass der Reisekonzern seine Kapitalstruktur weiter stabilisieren kann.

Vier Profile, eine Erkenntnis für das Rentendepot

Ströer, Lufthansa, Wacker Chemie und Tui verkörpern vier grundverschiedene Ausschüttungsphilosophien im MDAX. Das lässt sich auf einen Blick zusammenfassen:

  • Ströer: Hohe laufende Rendite, erkauft mit Kursrückgang und Kürzungsrisiko
  • Lufthansa: Solide Dividende bei zyklischem Geschäftsmodell mit externer Anfälligkeit
  • Wacker Chemie: Dividendenpause als bewusste Entscheidung, Turnaround-Signal durch starkes Q1
  • Tui: Erholungskandidat mit hoher Volatilität und begrenzter Dividendenverlässlichkeit

Ein funktionierendes Rentendepot setzt nicht auf eine einzige Strategie. Es kombiniert laufenden Ertrag mit antizyklischen Positionen und defensiver Substanz. Die vier MDAX-Titel zeigen, dass eigenverantwortliche Altersvorsorge mit Aktien kein Autopilot-Modell ist — sondern ein kalkuliertes Engagement in Unternehmen, deren Stärken und Schwächen man kennen muss.

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Ströer Aktie

38,10 EUR

+ 0,42 EUR +1,11 %
KGV 17,12
Sektor Kommunikationsdienste
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 2,11 Mrd. EUR
ISIN: DE0007493991 WKN: 749399

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