Liebe Leserinnen und Leser,
gestern beschrieb ich Ihnen die 400-Millionen-Barrel-Freigabe der IEA als letzte Patrone der westlichen Regierungen. Heute zeigt sich: Die Patrone hat nicht getroffen. Brent-Rohöl notiert zurück jenseits der 98-Dollar-Marke, Ayatollah Mojtaba Khamenei droht mit der Schließung der Straße von Hormus – und ausgerechnet der Goldpreis fällt. Willkommen in einer Weltwirtschaft, deren einzelne Teile sich so weit voneinander entfernt haben, dass sie kaum noch dasselbe Koordinatensystem teilen.
Deutschlands gespaltene Bilanz
Wer an diesem Donnerstag auf die Geschäftsberichte für 2025 blickt, sieht zwei Länder in einem. Das eine Land schüttet Rekorde aus. Hannover Rück schraubt nach einem Spitzengewinn die Dividende von 9,00 auf 12,50 Euro je Aktie. Zalando meldet Umsatz- und Gewinnwachstum und legt ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 300 Millionen Euro auf. Selbst RWE kündigt trotz rückläufiger Ergebnisse eine höhere Ausschüttung an. Finanzdienstleister, Rückversicherer, Plattformökonomie – wer Preissetzungsmacht besitzt, lebt in einer anderen Realität.
Das andere Deutschland steckt im Schraubstock. Daimler Truck verbucht für 2025 deutliche Rückgänge bei Absatz, Umsatz und Gewinn – die direkte Quittung der US-Zölle. Bei Bosch hat der Betriebsrat Vereinbarungen zum Abbau Tausender Stellen an nahezu allen Standorten getroffen; einzig bei Bosch Digital in Stuttgart-Feuerbach wird noch verhandelt.
Und Volkswagen? Gestern schrieb ich Ihnen von 50.000 Stellen, die bis 2030 wegfallen sollen. Heute kommt ein weiteres Kapitel hinzu: Für das Werk Osnabrück, dessen Pkw-Fertigung 2027 ausläuft, gibt es keine externe Rettung mehr. Rheinmetall, lange als möglicher Nachmieter gehandelt, hat offiziell abgewinkt. VW muss aus eigener Kraft eine Umsatzrendite von über 4 Prozent bis 2026 erreichen – ein Ziel, das angesichts der Zoll- und Transformationskosten ambitioniert klingt. Die deutsche Wirtschaft ist kein Monolith. Sie ist ein Flickenteppich, dessen Nähte unter Spannung stehen.
Warum Gold fällt, obwohl Krieg herrscht
Der Blick auf die Rohstoffmärkte verschärft das Bild. Die IEA wählte erneut drastische Worte: Der Iran-Konflikt verursache die „größte Versorgungsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarktes“. Die Golfstaaten haben ihre Produktion um mindestens 10 Millionen Barrel pro Tag gedrosselt. Der Transport durch die Straße von Hormus – vor dem Krieg passierten dort täglich rund 20 Millionen Barrel – ist praktisch zum Erliegen gekommen.
Irans neuer Oberster Führer Mojtaba Khamenei, erst am 8. März ernannt, ließ seine erste öffentliche Erklärung vom Staatsfernsehen verlesen, ohne selbst vor die Kamera zu treten. Die Botschaft: Die Meerenge bleibt geschlossen. Angriffe auf US-Stützpunkte seien jederzeit möglich. Brent pendelt sich zwischen 98 und 101 US-Dollar ein.
Doch hier liegt das eigentliche Rätsel dieses Donnerstags: Warum gibt Gold nach? Die Feinunze notiert zuletzt bei rund 5.150 US-Dollar – ein Rückgang, der dem Lehrbuch widerspricht. Die Auflösung findet sich im Zinsmarkt. Die explodierenden Ölpreise wecken das Gespenst einer zweiten Inflationswelle. Die US-Gesamtinflation lag im Februar bei 2,4 Prozent, die Kernrate bei 2,5 Prozent – Werte, die bei steigenden Energiekosten schnell nach oben kippen können. Diese Erwartung treibt die Renditen der US-Staatsanleihen und den Dollar. Für Investoren bedeutet das: Die Angst vor dauerhaft hohen Zinsen überwiegt den geopolitischen Fluchtreflex. Gold verliert gegen den Greenback.
Oracles Infrastruktur-Wette zahlt sich aus
Wie radikal sich die digitale Welt von der physischen entkoppelt hat, unterstrich gestern Abend Oracle. Der Software-Konzern prognostiziert, dass der Boom bei KI-Rechenzentren seine Umsätze bis weit ins Jahr 2027 tragen wird. Die Aktie sprang nachbörslich um über 8 Prozent.
Gestern berichtete ich Ihnen vom 553-Milliarden-Dollar-Auftragsbestand und dem Kurssprung von 12,4 Prozent. Was sich seither verdichtet, ist eine strukturelle Erkenntnis: Mit verbleibenden Leistungsverpflichtungen in dreistelliger Milliardenhöhe materialisiert sich der KI-Zyklus nicht mehr in Prognosen, sondern in langfristigen Unternehmensverträgen. Es geht längst nicht mehr nur um Software. Es geht um die physische Infrastruktur – Strom, Kühlung, Glasfaser –, die Künstliche Intelligenz zum Laufen bringt. Der „Buy-the-Bottleneck“-Trade bleibt intakt.
Medien-Konsolidierung und Krypto-Machtkampf
Zwei strategische Weichenstellungen verdienen zum Schluss Aufmerksamkeit.
In Europa setzt die RTL Group auf Größe als Überlebensstrategie. Der Konzernumsatz sank 2025 zwar um 4 Prozent, doch das Streaming-Geschäft wuchs um 20 Prozent auf 8,1 Millionen Abonnenten. Der eigentliche Befreiungsschlag soll im ersten Halbjahr 2026 kommen: RTL erwartet die EU-Genehmigung für die Übernahme von Sky Deutschland. Es ist der Versuch, im zersplitterten europäischen Medienmarkt genügend Masse gegen Netflix, Disney und Amazon aufzubauen.
In Washington tobt derweil ein Kampf um die Architektur des Finanzsystems. Der US-Senats-Agrarausschuss hat mit 12 zu 11 Stimmen den Digital Commodity Intermediaries Act vorangebracht – ein Gesetz, das der CFTC die Aufsicht über Krypto-Spotmärkte übertragen soll. Gleichzeitig attackiert Präsident Trump die traditionelle Bankenbranche, weil diese angeblich Stablecoin-Gesetze blockiere. Der Streitpunkt klingt technisch, ist aber fundamental: Dürfen Halter von Stablecoins Zinsen erhalten? Wer diese Frage mit Ja beantwortet, stellt das Einlagenmonopol der Banken in Frage. Dieser Konflikt wird in den kommenden Monaten für erhebliche Volatilität sorgen.
Die Quintessenz
Die Bruchlinie, die ich Ihnen gestern beschrieb – physische Güter unter geopolitischem Druck, digitale Infrastruktur im Boom –, hat sich an diesem Donnerstag weiter vertieft. Hannover Rück und Oracle auf der einen Seite, Daimler Truck und VW Osnabrück auf der anderen. Wer sein Kapital allokiert, muss diese Trennlinie präzise ziehen.
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Behalten Sie in den kommenden Tagen die Anleihemärkte im Blick. Wenn Brent auf diesem Niveau verharrt, wird der Druck auf die Notenbanken wachsen, ihre Zinssenkungsfantasien endgültig zu begraben. Der fallende Goldpreis ist das erste Signal, dass der Markt genau dieses Szenario einpreist.
Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann
