DocMorris Aktie: Prognose rauf, Kurs zickt
DocMorris erhöht Umsatz- und Ebitda-Prognose für 2026, getrieben vom E-Rezept-Wachstum. Die Aktie reagiert jedoch verhalten, da Sonderkosten und Cashflow-Sorgen bestehen bleiben.

Kurz zusammengefasst
- Jahresprognose deutlich angehoben
- E-Rezept-Geschäft wächst stark
- Sonderkosten belasten weiterhin
- Aktie zeigt sich volatil
Zwölf Prozent Plus vorbörslich, dann der Rückzieher in den regulären Handel hinein — die Reaktion auf die angehobene Jahresprognose zeigt, wie gespalten der Markt DocMorris derzeit sieht. Am Ende pendelte die Aktie zwischen leichtem Minus und moderatem Plus, ein klares Bild blieb aus.
Dabei liefert das Zahlenwerk durchaus Substanz. Der Konzern erwartet für das Gesamtjahr jetzt ein Umsatzplus von 9 bis 13 Prozent in Lokalwährungen, deutlich mehr als die zuvor angepeilten mittleren einstelligen bis niedrigen zweistelligen Raten. Beim bereinigten Ebitda rechnet DocMorris nur noch mit einem Verlust von 10 bis 17,5 Millionen Franken – vorher standen bis zu 25 Millionen im Raum.
E-Rezept treibt das Geschäft
Der Wachstumstreiber ist unverkennbar: Das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten legte im ersten Halbjahr um 38 Prozent zu, im zweiten Quartal sogar um fast 46 Prozent. Für das Gesamtjahr rechnet der Vorstand hier nun mit 40 Prozent Wachstum – doppelt so viel wie ursprünglich geplant. Der Bereich Digital Services, zu dem Online-Arztbesuche und KI-gestützte Gesundheitsassistenten zählen, wuchs sogar um 71 Prozent.
Der Außenumsatz im ersten Halbjahr stieg auf 628 Millionen Franken. Unter dem Strich verringerte sich der Fehlbetrag von 61,6 auf 53,1 Millionen Franken, der bereinigte operative Verlust mehr als halbierte sich auf 10,9 Millionen Franken. Beide Werte lagen im Rahmen der Erwartungen – keine Überraschung also, eher eine Bestätigung des eingeschlagenen Kurses.
Sonderkosten belasten noch
Die Schließung des Standorts Ludwigshafen und der Umbau der KI-Strategie kosteten im ersten Halbjahr rund 7,6 Millionen Franken extra. Das Management geht davon aus, im zweiten Halbjahr vergleichbar hohe Summen einzusparen. Jefferies-Analyst Martin Comtesse bewertet die Entwicklung als „Schritt in die richtige Richtung“, mahnt aber, das Management müsse erst noch beweisen, dass die Umbaumaßnahmen die Kosten dauerhaft senken.
UBS-Analyst Sebastian Vogel beließ sein Kursziel bei 10,70 Franken und die Einstufung auf „Neutral“. Er verwies vorab auf eine mögliche durchwachsene Kursreaktion, weil höherem Potenzial im Konsens auch enttäuschende Einzelaspekte gegenüberstünden – etwa der weiterhin negative freie Cashflow.
Die Mittelfristziele bleiben unverändert: rund 15 Prozent jährliches Umsatzwachstum, eine operative Marge von etwa 8 Prozent und ein freier Cashflow, der im Laufe des kommenden Jahres die Nulllinie erreichen soll. Ob DocMorris die operative Gewinnschwelle tatsächlich in der zweiten Jahreshälfte 2026 erreicht, wie der Vorstand weiterhin anpeilt, dürfte die nächste Schlüsselgröße für die Bewertung der Aktie sein.
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