Erste Bank: Sondersteuer auf 37,6 Mrd. Forint verdreifacht

Trotz starkem operativem Geschäft rutscht die ungarische Tochter der Erste Bank durch eine drastisch erhöhte Sonderabgabe in die Verlustzone.

Dr. Robert Sasse ·
Erste Bank Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Operatives Plus von 56 Milliarden Forint
  • Sondersteuer auf 37,6 Milliarden Forint verdreifacht
  • Quartalsverlust von 5 Milliarden Forint
  • CEO fordert berechenbareres regulatorisches Umfeld

Operativ läuft das Ungarn-Geschäft der Erste Bank Group rund. Auf dem Papier steht trotzdem ein Verlust — weil Budapest die Sondersteuer auf Banken kurzerhand verdreifacht hat.

Starkes Kerngeschäft, bittere Steuerrechnung

Im ersten Quartal 2026 erzielte Erste Bank Hungary ein operatives Ergebnis von 56 Milliarden Forint. Die Erlöse kletterten auf 92,2 Milliarden Forint, rund sieben bis acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Kreditgeschäft wuchs besonders kräftig: Privatkunden-Volumen plus 75 Prozent, Firmenkunden plus 70 Prozent.

Allerdings schlug die Sondersteuer mit 37,6 Milliarden Forint durch — mehr als dreimal so viel wie zuvor. Unterm Strich blieb ein Quartalsverlust von 5 Milliarden Forint, nach einem Gewinn von 20 Milliarden Forint im gleichen Vorjahreszeitraum.

Forderung nach Planbarkeit

CEO Radovan Jelasity machte aus seiner Haltung keinen Hehl: Das Institut brauche ein berechenbareres regulatorisches Umfeld. Die Forderung ist verständlich, ihre Erfüllung aber ungewiss. Mit dem anstehenden Regierungswechsel im Mai 2026 und laufenden Ermittlungen im ungarischen Finanzsektor bleibt das politische Umfeld volatil.

Für die Erste Bank Group zeigt das Ungarn-Quartal, wie wertvoll die breite Aufstellung über Zentral- und Osteuropa ist: Lokale Sonderbelastungen in einem Markt lassen sich durch Ergebnisse in anderen Ländern abfedern.

Die Erste-Aktie notierte zuletzt bei 98,10 Euro und liegt damit knapp über ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Auf Jahressicht hat der Kurs fast 40 Prozent zugelegt — vom 52-Wochen-Tief bei 69,60 Euro ist das Papier weit entfernt. Ob Ungarn ein Einzelfall bleibt oder weitere steuerliche Überraschungen folgen, entscheidet sich spätestens mit den nächsten Quartalszahlen der ungarischen Tochter.

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