Erste Group Aktie: Expansion kostet Dividende

Trotz eines Rekordgewinns von 3,5 Mrd. Euro kürzt die Erste Group die Dividende drastisch. Grund ist die milliardenschwere Finanzierung einer Übernahme in Polen, die den Aktienkurs belastet.

Felix Baarz ·
Erste Bank Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Nettogewinn erreicht 3,5 Milliarden Euro
  • Dividende sinkt von 3,00 auf 0,75 Euro
  • Übernahme in Polen kostet sieben Milliarden Euro
  • Aktienkurs verliert seit Jahresbeginn

Die Erste Group hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Rekordgewinn eingefahren. Dennoch erwartet die Aktionäre eine unwillkommene Überraschung: Die Dividende wird um drastische 75 Prozent zusammengestrichen. Verantwortlich dafür ist eine milliardenschwere Übernahme in Polen, die das Profil der Bank grundlegend verändert und den Aktienkurs derzeit spürbar belastet.

Starke Zahlen, magere Ausschüttung

Operativ lief es für das Finanzinstitut im Jahr 2025 hervorragend. Der Nettogewinn kletterte auf 3,5 Milliarden Euro, angetrieben von einem starken Kreditwachstum und einem gestiegenen Zinsüberschuss von 7,8 Milliarden Euro. Auch die Eigenkapitalrendite erreichte einen soliden Wert von 16,6 Prozent.

Trotz dieser glänzenden Bilanz sinkt die Ausschüttungsquote von bisher über 50 Prozent auf lediglich 10 Prozent. Der Vorstand wird der Hauptversammlung für das abgelaufene Jahr eine Dividende von nur noch 0,75 Euro je Anteilsschein vorschlagen. Zum Vergleich: Im Vorjahr erhielten Anleger noch 3,00 Euro je Aktie.

Milliardenschwerer Einstieg in Polen

Der Grund für diesen rigorosen Einschnitt liegt in der strategischen Neuausrichtung. Für rund sieben Milliarden Euro erwarb die Erste Group 49 Prozent an der Santander Bank Polska sowie Anteile an deren Vermögensverwalter. Da diese gewaltige Transaktion in den größten Markt Zentraleuropas vollständig aus Eigenmitteln finanziert wird, behält das Management die Gewinne im Unternehmen.

Der Schritt bringt zudem erhebliche Integrationskosten mit sich. Neben regulatorischen Abgaben rechnet die Bank allein für Polen mit 180 Millionen Euro an Integrationsaufwand. Die Erstkonsolidierung im ersten Quartal 2026 wird die harte Kernkapitalquote voraussichtlich um 460 Basispunkte drücken, ausgehend von einem historischen Höchststand von 19,3 Prozent Ende 2025.

Aktienkurs spiegelt Skepsis wider

Anleger reagieren auf die Kombination aus Rekordgewinn und Dividendenschnitt bisher zurückhaltend. Seit Jahresbeginn verzeichnet das Papier ein Minus von knapp sechs Prozent. Mit dem gestrigen Schlusskurs von 97,90 Euro notiert der Titel zudem unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 104,90 Euro. Der Markt preist offensichtlich die kurzfristigen Belastungen durch den Umbau ein, während die ehrgeizigen Wachstumsziele des Managements – darunter eine angestrebte Eigenkapitalverzinsung von circa 19 Prozent für 2026 – erst noch in der Praxis bewiesen werden müssen.

Klarheit über die tatsächlichen finanziellen Auswirkungen der Expansion wird es zeitnah geben. Nach der Veröffentlichung des Jahresberichts am 13. März richtet sich der Fokus auf den 30. April. Dann präsentiert die Bank die Zahlen für das erste Quartal 2026 inklusive der Erstkonsolidierung des polnischen Geschäfts. Dieser Bericht wird der erste konkrete Beleg dafür sein, wie stark die Übernahme das operative Ergebnis und die Kapitalausstattung der Gruppe tatsächlich beeinflusst.

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Erste Bank Aktie

120,70 EUR

+ 3,80 EUR +3,25 %
KGV 13,06
Sektor Finanzdienstleistungen
Div.-Rendite 0,65 %
Marktkapitalisierung 45,41 Mrd. EUR
ISIN: AT0000652011 WKN: 909943

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