Erste Group Aktie: Polen kostet viel

Die milliardenschwere Akquisition der Santander Bank Polska führt bei der Erste Group zu einer drastischen Dividendenkürzung und einem erwarteten Rückgang der Eigenkapitalquote im ersten Quartal 2026.

Redaktion Stock-World ·
Erste Bank Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Dividende für 2025 auf 0,75 Euro gekürzt
  • CET1-Quote sinkt durch Konsolidierung um 460 Basispunkte
  • Ziel: Bereinigter Nettogewinn von über 4 Milliarden Euro 2026
  • Aktie notiert seit Jahresbeginn deutlich im Minus

Die Übernahme der Santander Bank Polska war ein milliardenschwerer Kraftakt — jetzt zeigt sich, was er die Aktionäre konkret kostet. Die Dividende wurde auf ein Viertel des Vorjahreswerts gekürzt, und Ende April folgt mit der Erstkonsolidierung der nächste bilanzielle Einschnitt.

Sieben Milliarden Euro, 485 Filialen, zwei Jahre Integration

Anfang 2026 schloss die Erste Group den Erwerb eines beherrschenden 49-Prozent-Anteils an der Santander Bank Polska ab — für rund 7,0 Milliarden Euro in bar. Damit wird die drittgrößte Bank Polens, gemessen an den Vermögenswerten, zum achten Kernmarkt der Gruppe. Bereits im zweiten Quartal 2026 sollen alle 485 Filialen und 1.400 Geldautomaten unter neuem Namen auftreten. Die vollständige Integration ist auf rund zwei Jahre angelegt.

Die strategische Logik dahinter ist klar: Der Zinsüberschuss soll 2026 auf über 11 Milliarden Euro steigen — mehr als 40 Prozent über dem Vorjahresniveau, getrieben maßgeblich durch den Polen-Beitrag.

Was der Quartalsbericht Ende April zeigen wird

Bevor diese Wachstumszahlen Realität werden, steht ein bilanzieller Einschnitt bevor. Mit dem Q1-Bericht Ende April erfolgt die vollständige Konsolidierung der polnischen Einheit. Das Management rechnet mit einem CET1-Rückgang von rund 460 Basispunkten — ausgehend von einer soliden Ausgangsbasis von 19,3 Prozent zum Jahresende 2025. Zusätzlich sind Integrationskosten von rund 180 Millionen Euro veranschlagt sowie eine einmalige Kreditrisikovorsorge von 300 Millionen Euro brutto, mit einem Nettoeffekt von etwa 120 Millionen Euro auf das Ergebnis.

Laufende regulatorische Belastungen kommen hinzu: Bankenabgaben und vergleichbare Kosten sollen 2026 rund 450 Millionen Euro erreichen, vor allem in Ungarn und Rumänien.

Trotz dieser Belastungen gibt sich das Management offensiv. Für 2026 peilt es einen bereinigten Nettogewinn von über 4 Milliarden Euro an, eine Ziel-RoTE von rund 19 Prozent sowie ein Wachstum des Gewinns je Aktie von mehr als 20 Prozent. Das operative Jahr 2025 lieferte dafür eine solide Ausgangsbasis: Nettogewinn von 3,5 Milliarden Euro, RoTE von 16,6 Prozent.

Dividende auf 0,75 Euro — Rückkehr angekündigt

Für Aktionäre ist die Rechnung schmerzhaft konkret: Statt 3,00 Euro je Aktie für 2024 schlägt der Vorstand für das Geschäftsjahr 2025 nur noch 0,75 Euro vor. Die Ausschüttungsquote sinkt damit von 50–55 Prozent auf 10 Prozent. CFO Stefan Dörfler versicherte, die Bank werde bald wieder die volle Kapazität haben, um auf das frühere Ausschüttungsniveau zurückzukehren. Ausgezahlt wird am 24. April 2026, der Ex-Dividende-Tag ist der 22. April.

Die Aktie notiert seit Jahresbeginn rund 16 Prozent im Minus und liegt damit deutlich unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 102,63 Euro. Der Q1-Bericht Ende April wird zeigen, ob die Integrationskosten im Rahmen der Prognosen bleiben und der Zielkorridor von über 4 Milliarden Euro berechtigtem Nettogewinn haltbar ist — das dürfte den nächsten Richtungsimpuls für die Aktie liefern.

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Erste Bank Aktie

104,40 EUR

– 0,80 EUR -0,76 %
KGV 11,39
Sektor Finanzdienstleistungen
Div.-Rendite 0,72 %
Marktkapitalisierung 42,99 Mrd. EUR
Ø Kursziel 129,22 EUR
ISIN: AT0000652011 WKN: 909943

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