Ethereum: Beute wandert weiter
Elliptic zufolge sind rund 44 Prozent der Beute blockiert; Milliardenwerte in Ether und Bitcoin bleiben jedoch ungesperrt.

Kurz zusammengefasst
- Angreifer manipulierten Auszahlungsfreigaben
- Tether und Circle sperrten Stablecoins
- Rund 44 Prozent der Beute blockiert
- Binance ersetzte etwa 95 Prozent der Bestände
Der größte Krypto-Diebstahl der Geschichte bleibt auch Tage nach dem Angriff auf Binance ein Thema für Ethereum. Ein erheblicher Teil der erbeuteten Summe liegt in Ether, und die Täter schichten ihn gezielt um. Parallel streitet Nordkorea die Verantwortung ab.
So gingen die Angreifer vor
Der Angriff traf die Börse am Donnerstag. Nach bisherigem Stand verschaffte ein kompromittierter Laptop eines DevOps-Ingenieurs den Tätern Zugang zur internen Infrastruktur. Private Schlüssel wurden demnach nicht gestohlen. Stattdessen manipulierten die Angreifer die Freigabe von Auszahlungen.
Auf Ethereum nutzten sie den Standard EIP-7702, um eine Binance-Hot-Wallet in eine von ihnen kontrollierte Sammelstelle zu verwandeln. Dafür bereiteten sie 50 vorab signierte Berechtigungen vor, damit mindestens eine beim Ausführen gültig bleibt. Zuvor testeten sie den Code an drei kleineren Wallets. Das Netzwerk selbst lief fehlerfrei, versagt haben die Kontrollen der Plattform.
Stablecoins eingefroren, Ether bleibt
Die Täter wussten, dass Stablecoin-Emittenten Gelder sperren können. Noch vor den Sperren tauschten sie Stablecoins in Ether um, darunter 434 Millionen Dollar in USDT über dezentrale Börsen wie Uniswap. Beim Protokoll Aave liehen sie sich zudem 19.762 Ether gegen USDT als Sicherheit.
Tether fror gestohlene USDT auf Ethereum 37 Minuten nach Eingang ein, Circle sperrte sämtliche 823 Millionen Dollar an USDC. Insgesamt sind laut Analysefirma Elliptic rund 44 Prozent der Beute eingefroren oder beschlagnahmt. Beim Bybit-Hack 2025 waren es nur etwa 3 Prozent.
Ether und Bitcoin lassen sich allerdings nicht sperren. Rund 3,24 Milliarden Dollar liegen noch in verknüpften Adressen, überwiegend in diesen beiden Werten, und haben sich seit dem Angriff nicht bewegt. Elliptic erwartet nach dem Bybit-Muster, dass die Täter ihr Ether in kleinen Tranchen in Bitcoin tauschen und über Monate per Over-the-Counter-Händler zu Geld machen.
Nordkorea weist Vorwürfe zurück
Das FBI ordnet den Angriff der Gruppe „TraderTraitor“ zu. Kim Yo-jong, Schwester von Machthaber Kim Jong-Un, wies das heute zurück. Die USA wollten Nordkorea als „Cyberkriminellen-Staat“ brandmarken. Mehrere Sicherheitsfirmen sehen dagegen deutliche Muster staatlicher Hacker.
Binance hat angekündigt, alle Verluste auszugleichen, und rund 95 Prozent der betroffenen Bestände nach eigenen Angaben bereits aus eigenen Mitteln ersetzt. Die Auszahlungen laufen seit Sonntag wieder, in den ersten gut neun Stunden flossen etwa 3,64 Milliarden Dollar netto ab. Analysten von TD Cowen sehen kein Versagen der Netzwerke, sondern das operative Risiko eines zentralisierten Dienstleisters.
Für Ethereum zählt nun, ob die verbliebenen Ether-Bestände in Bewegung geraten. Erste größere Umschichtungen in Bitcoin würden Elliptic zufolge den Beginn der geplanten, monatelangen Auszahlung markieren.
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