Ethereum: Hedging-Welle trifft Altcoins
Makrosorgen und Gewinnmitnahmen drücken Ether; zugleich sammelten Ethereum-nahe Projekte Kapital für neue Infrastruktur ein.
Kurz zusammengefasst
- Ether verliert binnen 24 Stunden stärker
- Absicherungen auf Derive.xyz haben sich verdoppelt
- Ethereum-ETFs verzeichnen 782,8 Millionen Dollar Nettoabflüsse
- Multiliquid sammelte acht Millionen Dollar ein
Ethereum hat in 24 Stunden deutlich mehr verloren als Bitcoin. Die Marktkapitalisierung sank um 5,5 Prozent auf 289 Milliarden Dollar, Bitcoin gab 3,1 Prozent nach. Auslöser sind makroökonomische Sorgen, die vor allem risikoreichere Token treffen.
Zinsangst und starker Dollar
Die US-Verbraucherpreise stiegen im Jahresvergleich bis September um 3,7 Prozent. Prognosemärkte sehen eine Wahrscheinlichkeit von 28 Prozent für eine Zinserhöhung im Oktober. Der Dollar erreichte zudem ein Hoch seit rund 18 Monaten.
Händler schalten in den Schutzmodus. Nick Forster von der Optionsbörse Derive.xyz berichtet, die Absicherungsaktivität auf der Plattform habe sich verdoppelt. Große Investoren zögen sich von optimistischen Wetten zurück, die sie im Frühjahr eingegangen waren.
Luke Nolan von CoinShares erklärt das Muster mit der höheren Sensitivität: Altcoins reagieren stärker auf verschärfte Finanzierungsbedingungen. Ein stärkerer Dollar entzieht dem Markt Liquidität und dämpft die Risikobereitschaft.
Gewinnmitnahmen nach starkem Lauf
Hinzu kommt ein hausgemachter Faktor. Ether schlug Bitcoin drei Monate in Folge, das gelang zuletzt im März 2021. Seither realisieren Anleger Gewinne.
Die Ethereum-ETFs verzeichneten elf Handelstage mit Nettoabflüssen von insgesamt 782,8 Millionen Dollar. Nach einem kurzen Zufluss am Dienstag flossen seither erneut 129,5 Millionen Dollar ab. Max Shannon von Bitwise Europe spricht von einer Konsolidierung bei Coins, die zuvor gut gelaufen sind. Kurzfristig könnten Altcoins im Gleichschritt mit Bitcoin handeln, nur mit größeren Ausschlägen.
Netzwerk bleibt Infrastruktur für Neues
Fundamental tut sich derweil einiges. Die Abwicklungsplattform Multiliquid, die auf Ethereum und Solana läuft, sammelte acht Millionen Dollar ein. Sie wandelt tokenisierte Fonds in Stablecoins um, in einer einzigen Transaktion. Das Start-up hat bislang nur fünf Mitarbeiter und nennt keine Kunden, unterstreicht aber das Interesse institutioneller Anbieter an der Ethereum-Infrastruktur.
Anders der Blick von Starknet: Das Netzwerk stimmt noch bis Mitte nächster Woche darüber ab, ob es sich als eigenständiger Layer 1 aufstellen soll. Der Grund sind Quantenrisiken, bei denen die Bindung an Ethereums Upgrade-Zeitplan als Abhängigkeit gilt. Bisher votierten 99,91 Prozent der abgegebenen Stimmen mit Ja. Für Ethereum ist das eher ein Randthema, zeigt aber, dass Sicherheitsfragen rund um Quantencomputer die Diskussion prägen.
Was den Kurs bewegen dürfte
Nolan will für eine Erholung sinkende Zinserwartungen sehen. Hält Bitcoin seine Unterstützung nicht, könnten Altcoins weiter nachgeben. Steigt Bitcoin hingegen deutlich über 80.000 Dollar, hält er einen überproportionalen Anstieg bei Altcoins für möglich.
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