Europas Kerosin reicht noch drei Wochen
Die Blockade der Straße von Hormus führt zu drastisch steigenden Energiepreisen und drohendem Kerosinmangel in Europa, während der deutsche Arbeitsmarkt erstmals seit der Finanzkrise schrumpft.

Kurz zusammengefasst
- Drohender Kerosinmangel in Europa binnen drei Wochen
- Energiepreise treiben US-Inflation auf 3,3 Prozent
- Deutschlands Erwerbspersonenpotenzial schrumpft erstmals
- US-Bankenberichte starten in angespannter Lage
Liebe Leserinnen und Leser,
140 Schiffe passieren die Straße von Hormus an einem normalen Tag. An diesem Freitag sind es eine Handvoll – fast ausnahmslos Tanker mit iranischer Flagge oder iranischen Verbindungen. Die globale Handelsschifffahrt meidet das Nadelöhr trotz der fragilen Waffenruhe zwischen Washington und Teheran weiterhin konsequent. Die Tracking-Daten zeigen nahezu völligen Stillstand.
Gestern schrieb ich über die Frage, welche Unternehmen den Druck dieser Krise absorbieren können und welche nicht. Heute liefert die Realwirtschaft eine Antwort, die weit über einzelne Bilanzen hinausgeht: Die Folgen der leeren Wasserstraße fressen sich mit einer Geschwindigkeit durch Lieferketten und Verbraucherpreise, die selbst Pessimisten überraschen dürfte. Während Diplomaten am Wochenende in Islamabad versuchen, den US-iranischen Waffenstillstand in einen belastbaren Frieden zu überführen, liegt die Quittung der vergangenen Wochen bereits auf dem Tisch.
Die Inflation kehrt mit Wucht zurück
Die US-Verbraucherpreise für den März stiegen um 0,9 Prozent zum Vormonat – die Jahresinflation klettert damit auf 3,3 Prozent. Der Treiber ist eindeutig: Energiepreise schossen im Zuge des Iran-Konflikts um fast 11 Prozent nach oben, Benzin allein um über 21 Prozent. Für die Fed, deren Protokoll erst diese Woche tiefe Uneinigkeit offenbarte, wird jede Zinssenkung damit in noch weitere Ferne gerückt.
Doch das Problem reicht weit über amerikanische Zapfsäulen hinaus. Olivier Jankovec, Chef des europäischen Flughafenverbandes ACI, warnte die EU-Kommission am Freitag in einem Brandbrief: Sollte die Durchfahrt durch die Straße von Hormus nicht innerhalb der nächsten drei Wochen wieder in signifikantem Maße anlaufen, droht Europa ein systemischer Kerosinmangel. Drei Wochen. Das ist kein abstraktes Szenario für Planungsstäbe, das ist ein konkretes Datum im Kalender.
Die Ausweichbewegungen der Logistiker nehmen derweil absurde Züge an. Die Luftfrachtraten von Vietnam nach Europa haben sich im Vergleich zur Vorkriegszeit verdoppelt – auf über 6 US-Dollar pro Kilo. Einige Verlader leiten ihre Waren für Europa inzwischen über Los Angeles um, weil der direkte Weg durch den Nahen Osten zu teuer und zu riskant geworden ist. Ware, die eigentlich über Dubai fliegt, macht einen Umweg von 20.000 Kilometern.
Berlin streitet, der Arbeitsmarkt kippt
Auch in Deutschland kommt die geopolitische Realität in den Portemonnaies an. Die Gaspreise für Endkunden sind seit Januar im Bundesdurchschnitt um 17 Prozent gestiegen, in Berlin sogar um 32 Prozent. Der Dieselpreis gibt zwar den dritten Tag in Folge leicht nach und steht bei 2,43 Euro pro Liter – das sind aber immer noch rund 60 Cent mehr als vor dem Krieg.
In der schwarz-roten Koalition sorgt das für offenen Streit. SPD-Chef Lars Klingbeil fordert eine Übergewinnsteuer zur Finanzierung einer Mobilitätsprämie. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hält mit einer höheren Pendlerpauschale dagegen und lehnt neue Steuern strikt ab. Kanzler Friedrich Merz mahnt zur Zurückhaltung. Schnelle Entlastungen zeichnen sich nicht ab.
Während Berlin über Benzinpreise debattiert, lieferte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung die eigentlich beunruhigendere Nachricht: Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wird in diesem Jahr bundesweit um rund 30.000 Personen sinken. Das erste Minus seit der Finanzkrise. Der Grund ist diesmal keine Rezession, sondern pure Demografie. Die Babyboomer gehen in Rente, und es rückt nicht genug Personal nach. Das Erwerbspersonenpotenzial wird 2026 erstmalig schrumpfen – um 40.000 auf 48,62 Millionen Personen. Die Energiekrise überlagert damit ein strukturelles Problem, das Deutschland noch beschäftigen wird, wenn der Ölpreis längst wieder gefallen ist.
Was bedeutet das konkret für Anleger, die in diesem Umfeld nicht nur zusehen wollen? Das Live-Webinar „Vom Blackout zum Profit | So trotzen Sie dem globalen Energieschock mit bis zu +2.053 % Gewinn!“ geht genau dieser Frage nach: Welche Unternehmen und Sektoren profitieren von der aktuellen Energiekrise – und welche Aktien könnten selbst dann noch zulegen, wenn die Straße von Hormus geschlossen bleibt? Im Webinar wird analysiert, wie sich Anleger mit gezielten Positionen im Energiesektor gegen steigende Öl- und Gaspreise absichern und gleichzeitig von den Verwerfungen profitieren können. Der Termin ist der 12. April 2026 um 11:00 Uhr – die Lage an den Energiemärkten dürfte bis dahin kaum ruhiger werden. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden
Was die Berichtssaison bringen muss
Angesichts dieser Großwetterlage richten viele Investoren den Blick auf die operative Realität der Unternehmen. Nächste Woche startet an der Wall Street die Berichtssaison für das erste Quartal 2026. Goldman Sachs macht am Sonntag den Auftakt, JPMorgan, Citigroup und Wells Fargo folgen am Dienstag.
Der Bankensektor hat einiges aufzuholen. Der KBW Bank Index verlor im ersten Quartal 6 Prozent – das schwächste Quartal seit drei Jahren. Gleichzeitig werden die Institute mit einem Abschlag von 40 Prozent gegenüber dem S&P 500 gehandelt. Starke Zahlen zum Nettozinsergebnis könnten in der kommenden Woche eine deutliche Gegenbewegung auslösen. Die Frage, die ich gestern aufwarf – wer in dieser Krise Preismacht beweist und wer nicht –, wird in den nächsten Tagen Unternehmen für Unternehmen beantwortet.
Broadcom zeigt, dass Einzeltitel ihre eigenen Regeln schreiben
Dass sich einzelne Aktien von der geopolitischen Nachrichtenlage lösen können, bewies in dieser Woche Broadcom. Die Aktie des Chipentwicklers sprang am Dienstag um über 6 Prozent. Der Auslöser: Broadcom wird künftige Generationen von KI-Chips für Google produzieren und schloss zudem einen erweiterten Liefervertrag mit dem KI-Unternehmen Anthropic. Anleger sehen hier garantierte Milliardenumsätze über Jahre.
Der DAX zeigte sich am Freitag von den globalen Verwerfungen bemerkenswert unbeeindruckt – ein Plus von 0,35 Prozent auf 23.890 Punkte, zeitweise flirtete er sogar mit der 24.000er-Marke. Heidelberg Materials und Siemens stützten den Index, während Rheinmetall nach den jüngsten Kursgewinnen über 5 Prozent abgab.
Die Quintessenz
Ob diese Gelassenheit an den Aktienmärkten berechtigt ist, entscheidet sich am Wochenende in Islamabad. Die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran drehen sich nicht um abstrakte Diplomatie, sondern um eine sehr konkrete Frage: Wann öffnet die wichtigste Wasserstraße der Welt wieder für den regulären Schiffsverkehr? Drei Wochen, sagt der europäische Flughafenverband, bleiben bis zum Kerosinmangel. Die Berichtssaison der US-Banken beginnt am Sonntag. Und Deutschlands Arbeitsmarkt schrumpft erstmals seit der Finanzkrise – nicht wegen einer Krise, sondern wegen einer Demografie, die sich nicht verhandeln lässt.
Es gibt Wochen, in denen alle Probleme gleichzeitig auf den Tisch kommen. Dies ist eine davon.
Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende.
Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann