Evonik Aktie: 2,5 Gigawatt Wasserstoff-Pilotanlage in Marl
Evonik profitiert von Lieferkettenproblemen in Asien, doch Analysten warnen vor der zeitlichen Begrenzung dieses Wettbewerbsvorteils.

Kurz zusammengefasst
- Prognoseanhebung treibt Aktienkurs
- Asiatische Lieferengpässe als Treiber
- Stellenabbau und Wasserstoff-Pilotanlage
- Quartalszahlen im August erwartet
Der Spezialchemiekonzern Evonik trotzt dem schwachen MDAX-Umfeld. Am Mittwoch legte die Aktie um 1,80 Prozent auf 16,39 Euro zu. Seit Jahresbeginn summiert sich das Plus auf 23 Prozent. Die Kursgewinner: die angehobene Jahresprognose.
Doch die Ursache für den Optimismus ist fragil.
Ein Konzern profitiert von Engpässen
Ende Juni erhöhte Evonik die EBITDA-Prognose für 2026 auf 2,0 bis 2,2 Milliarden Euro. Der Grund: Engpässe bei asiatischen Wettbewerbern. Logistische Blockaden im Bereich der Straße von Hormus bremsen den Export aus Fernost.
Evonik verschafft das Preisvorteile und Marktanteile – vor allem im Segment Advanced Technologies. Marktbeobachter warnen aber vor dem Ablaufdatum dieser Sonderkonjunktur. Normalisieren sich die Lieferketten, schwindet der Vorteil schnell.
Der Markt prüft daher kritisch, ob die Stärke auch ohne diese externen Effekte Bestand hat.
Umbau und Zukunftstechnologien
Das Management reagiert mit dem Programm „Tailor Made“. Bis 2026 sollen rund 2.800 Stellen wegfallen. Ziel: die Kostenbasis senken und die Abhängigkeit vom klassischen Chemiegeschäft reduzieren.
Parallel treibt Evonik neue Technologien voran. Im Juni startete eine Pilotanlage in Marl für Membranen zur Produktion von grünem Wasserstoff. Die Kapazität: 2,5 Gigawatt pro Jahr. Analysten sehen die Diversifizierung als notwendigen Schritt für das langfristige Wachstum.
Technisch notiert die Aktie mit 16,39 Euro stabil über dem 200-Tage-Durchschnitt bei 14,92 Euro. Der RSI liegt bei 56,1 – weder überkauft noch überverkauft. Das 52-Wochen-Hoch bei 18,23 Euro ist rund zehn Prozent entfernt.
Die nächsten Impulse kommen im August. Dann legt Evonik die detaillierten Quartalszahlen vor. Das Management hat für Q2 ein bereinigtes EBITDA zwischen 600 und 650 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Anleger werden genau prüfen, wie viel Ergebnis aus Kostensenkungen stammt – und wie viel vom temporären Wettbewerbsvorteil.
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