Evonik Aktie: Ashland als Plan B?
Nordrhein-Westfalens Landesregierung lehnt den Zusammenschluss und einen staatlichen Einstieg ab; Gespräche und Evoniks Ashland-Prüfung bleiben offen.

Kurz zusammengefasst
- NRW-Regierung spricht sich gegen Übernahme aus
- Landesbeteiligung ebenfalls zurückgewiesen
- BASF-Offerte über rund 24 Euro berichtet
- Evonik prüft möglichen Kauf von Ashland
Die mögliche Übernahme Evoniks durch BASF stößt in Nordrhein-Westfalen auf politischen Widerstand. Die Landesregierung sprach sich am 14. Oktober im Landtag gegen den Zusammenschluss aus. Für Anleger ergibt sich daraus ein Spannungsfeld: Eine höhere Offerte könnte die wirtschaftliche Attraktivität eines Verkaufs erhöhen, beseitigt aber nicht die politischen Vorbehalte.
Landesregierung lehnt auch Beteiligung ab
Wirtschaftsministerin Mona Neubaur wies zugleich den SPD-Vorschlag einer Landesbeteiligung zurück. Damit vertritt die Landesregierung zwei unterschiedliche Positionen: Sie lehnt die Übernahme ab, will dem Vorschlag eines staatlichen Einstiegs aber ebenfalls nicht folgen.
Für die Einordnung ist diese Unterscheidung wesentlich. Die politische Ablehnung darf nicht mit einer angekündigten finanziellen Intervention des Landes gleichgesetzt werden. Aus Neubaur zufolge unerwünschten Übernahmeplänen folgt deshalb keine Unterstützung für den vorgeschlagenen Einstieg Nordrhein-Westfalens bei Evonik.
Der politische Konflikt betrifft somit nicht nur die Frage nach einem möglichen Käufer. Er umfasst auch die Frage, ob das Land selbst als Anteilseigner auftreten sollte.
Höhere Offerte bedeutet noch keine Einigung
Am Freitag berichtete das Handelsblatt, BASF habe ihr Angebot auf rund 24 Euro je Aktie beziehungsweise 11,2 Milliarden Euro erhöht. Evonik habe den ersten Vorstoß als zu niedrig zurückgewiesen. Die Gespräche liefen dem Bericht zufolge weiter.
Bloomberg bezeichnete die höhere Offerte als nicht verbindlich. Evonik äußerte sich gegenüber dpa-AFX nicht zu dem Bericht. Entscheidend bleibt deshalb die Trennung zwischen einer berichteten Preisvorstellung und einer verbindlich vereinbarten Transaktion.
Die politische Positionierung ergänzt diese Unsicherheit, ersetzt aber nicht die wirtschaftliche Bewertung des Angebots. Ein höherer Preis beantwortet zunächst die Bewertungsfrage; die Vorbehalte der Landesregierung betreffen dagegen den Zusammenschluss selbst.
Evonik prüft zugleich eine eigene Übernahme
Parallel verfolgt Evonik offenbar eine eigene strategische Option. Reuters berichtete am Donnerstag über die Prüfung einer möglichen Übernahme des US-Konzerns Ashland. Diese Prüfung habe bereits vor dem BASF-Vorstoß begonnen. Evonik lehnte eine Stellungnahme ab; ein Abschluss stand Reuters zufolge nicht unmittelbar bevor.
Damit stehen unterschiedliche mögliche Entwicklungen nebeneinander: Evonik könnte selbst zum Übernahmeziel werden oder durch einen eigenen Zukauf wachsen. Beide Vorhaben sind offen. Anleger sollten daher weder die höhere BASF-Offerte als gesicherten Verkaufserlös noch die Ashland-Prüfung als beschlossene Expansion behandeln. Der politische Widerstand ist ein zusätzlicher Faktor in dieser offenen Konstellation.
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