Evonik Aktie: BASF-Offerte zu niedrig!
Evonik schärft seine Geschäftsstrategie, während eine mögliche BASF-Übernahme offenbleibt und der Quartalsbericht für den 3. November ansteht.

Kurz zusammengefasst
- Aktie seit Jahresbeginn 56 Prozent höher
- BASF-Sondierungen, aber derzeit keine Gespräche
- Unverbindliche Offerte laut Medien zurückgewiesen
- Quartalsmitteilung für den 3. November geplant
Der Spezialchemiekonzern Evonik steht an einer entscheidenden Wegmarke zwischen eigener Konzernstrategie und externem Übernahmeinteresse. Während die Diskussionen um eine mögliche Offerte des Ludwigshafener Konkurrenten BASF die Kursentwicklung antreiben, treibt das Management zugleich den operativen Umbau des Unternehmens voran. Am gestrigen Mittwoch schloss die Evonik-Aktie bei 20,86 Euro und weist damit seit Jahresanfang ein Kursplus von 56 Prozent auf.
Operative Initiativen und geschärfte Standortprofile
Abseits der Marktspekulationen setzt Evonik auf eine klarere Ausrichtung des operativen Geschäfts. Das Unternehmen teilte Ende September mit, die Wachstumsstrategie nachzuschärfen. In diesem Zuge sollen den Geschäftsbereichen sowie den großen deutschen Produktionsstandorten verbindliche Rollenprofile zugewiesen werden.
Gleichzeitig forciert der Konzern konkrete internationale Vorhaben. Neben laufenden Investitionsprojekten in Kanada und der Slowakei plant Evonik den Start der neuen Geschäftseinheit Designed Polymer Solutions. Damit will der Spezialchemiehersteller seine Positionierung in margenstarken Spezialanwendungen festigen, während der Gesamtsektor mit zyklischen Herausforderungen ringt.
Offerte zurückgewiesen und politische Diskussionen
Die strategische Eigenständigkeit rückte zuletzt durch Sondierungsgespräche von BASF über eine Evonik-Übernahme in den Mittelpunkt, die vor gut einer Woche bekannt wurden; seither legte die Aktie um 2,9 Prozent zu. BASF hatte Sondierungen mit Evonik und der RAG-Stiftung bestätigt, den Ausgang jedoch als offen bezeichnet. Evonik bestätigte eine unverbindliche Ansprache, stellte aber klar, dass derzeit keine Gespräche stattfinden.
Medienberichten der Financial Times und der Süddeutschen Zeitung zufolge hatte BASF eine unverbindliche Offerte über rund 22,15 Euro je Aktie unterbreitet, was einem Transaktionsvolumen von 10,3 Milliarden Euro entsprach. Die Evonik-Führung habe diesen Vorstoß jedoch als zu niedrig zurückgewiesen, womit formelle Verhandlungen und eine Buchprüfung vorerst ausblieben.
Medienberichten zufolge reichte die SPD-Fraktion in Nordrhein-Westfalen am Dienstag einen Landtagsantrag ein, der eine Landesbeteiligung ins Spiel bringt, um zusammen mit der RAG-Stiftung mehr als 50 Prozent plus X am Konzern zu halten. Vertreter der NRW-Landesregierung und der FDP reagierten darauf ablehnend beziehungsweise zurückhaltend.
Analystenstimmen und Quartalstermin
Die Gemengelage aus M&A-Fantasie und Branchenentwicklung spiegelt sich auch in den jüngsten Expertenbewertungen wider. Analyst Sebastian Bray von Berenberg stufte das Papier am 5. Oktober von „Sell“ auf „Hold“ hoch und passte das Kursziel auf 20 Euro an. Das bestätigte Übernahmeinteresse von BASF bilde einen Kursboden für die Aktie.
Das Analysehaus Parmantier & Cie. bestätigte am 6. Oktober im Rahmen eines Branchenberichts die Einstufung „Halten“ mit einem Kursziel von 20,50 Euro.
An den Märkten notierte das Papier gestern lediglich 0,9 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Für Anleger richtet sich der Blick nun auf den 3. November 2026. An diesem Tag will Evonik seine Quartalsmitteilung vorlegen und über die operative Geschäftsentwicklung im dritten Quartal 2026 berichten.
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