Evonik Aktie: Berenberg zieht Reißleine

Die Privatbank Berenberg stuft Evonik auf 'Verkaufen' herab und senkt das Kursziel deutlich. Grund sind massive Überkapazitäten im Methionin-Geschäft in China und die Sorge, dass die Restrukturierung nicht ausreicht.

Kurz zusammengefasst:
  • Kursziel von Berenberg auf 11,60 Euro gesenkt
  • Chinesische Überkapazitäten drücken Methionin-Preise
  • Neue Tochter SYNEQT startet operativen Betrieb
  • Aktie notiert im stark überverkauften Bereich

Der Umbau beim Essener Spezialchemie-Konzern läuft auf Hochtouren, doch massiver Gegenwind kommt nun von der Analystenseite. Während das Management mit der Ausgliederung von Unternehmensteilen operative Fortschritte sucht, warnt die Privatbank Berenberg vor fundamentalen Risiken im Kerngeschäft. Die deutliche Herabstufung auf „Verkaufen“ wirft eine unbequeme Frage auf: Reichen die aktuellen Restrukturierungsmaßnahmen aus, oder droht den Aktionären eine schmerzhafte Dividendenkürzung?

  • Warnsignal: Berenberg senkt das Kursziel deutlich auf 11,60 Euro.
  • Strukturelle Krise: Chinesische Überkapazitäten belasten das Methionin-Geschäft.
  • Lichtblick: Neue Tochtergesellschaft SYNEQT startet operativen Betrieb.
  • Charttechnik: Aktie notiert mit einem RSI von 15,8 im stark überverkauften Bereich.

Analysten sehen Abwärtspotenzial

Die Privatbank Berenberg sorgt für Ernüchterung unter den Anlegern. Die Analysten strichen ihr Kursziel von 14,60 Euro auf nur noch 11,60 Euro zusammen – ein Abschlag von rund 20 Prozent gegenüber der alten Marke und deutlich unter dem aktuellen Kursniveau von 13,13 Euro.

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Hintergrund der pessimistischen Haltung sind negative Indikatoren sowohl bei den Preisen als auch bei den abgesetzten Mengen. Laut dem hauseigenen Analysetool der Bank zeigten zuletzt sieben von zehn Preisindikatoren nach unten. Dies schlägt sich in den Prognosen nieder: Die Gewinnerwartungen (EBITDA) für 2026 und 2027 liegen bei Berenberg nun spürbar unter dem Marktkonsens.

Das China-Problem bei Methionin

Verantwortlich für die Skepsis ist primär das Geschäft mit der Aminosäure Methionin, das sich zunehmend zur strukturellen Baustelle entwickelt. Der Markt sieht sich einer massiven Ausweitung der Kapazitäten in China gegenüber. Bis Anfang der 2030er Jahre könnten dort Produktionsanlagen für zusätzliche 1,5 Millionen Tonnen entstehen, was die globale Kapazität um über 50 Prozent steigern würde.

Die Analysten rechnen vor, dass die chinesischen Kapazitäten im Jahr 2030 bei 2,3 Millionen Tonnen liegen könnten – das entspräche dem 2,5-fachen der dortigen Inlandsnachfrage. Selbst theoretische Szenarien wie ein Stopp chinesischer Sojaimporte würden diesen Überhang von rund 600.000 Tonnen nicht absorbieren. Dieser Preisdruck frisst sich bereits durch das Portfolio: Nach starken Anstiegen in den Vorjahren fielen die Preise zuletzt wieder, und auch für die kommenden zwei Jahre werden weitere Rückgänge erwartet.

Umbau trifft auf radikale Forderungen

Um sich wetterfest zu machen, hat Evonik zum Jahresstart die neue Tochtergesellschaft SYNEQT ins Leben gerufen. Diese Einheit bündelt mit rund 3.500 Mitarbeitern den Betrieb der Chemieparks in Marl und Wesseling. Strategisches Ziel ist die Transformation zu klimaneutralen Standorten und die Gewinnung neuer Kunden außerhalb des Konzerns.

Für Kritiker wie Berenberg greifen diese Schritte jedoch zu kurz. Sie stufen die Maßnahmen als lediglich inkrementell ein und fordern radikalere Lösungen. Zur Diskussion stehen dabei schmerzhafte Einschnitte wie eine deutliche Kürzung der Dividende oder sogar eine Aufspaltung des Konzerns, um Werte zu heben.

Blick auf den Chart und Ausblick

Die Verunsicherung spiegelt sich im Aktienkurs wider. Mit aktuell 13,13 Euro notiert das Papier nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 12,83 Euro. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt inzwischen rund 19 Prozent. Technisch interessant ist der Relative-Stärke-Index (RSI), der mit einem Wert von 15,8 eine extrem überverkaufte Situation anzeigt.

Die Analystengemeinde bleibt gespalten. Während Citi mit 17,00 Euro noch Potenzial sieht, markiert Berenberg das untere Ende der Erwartungen. Klarheit über die operative Entwicklung und die Nachhaltigkeit der Dividende dürften erst die nächsten Quartalszahlen am 4. März 2026 bringen. Bis dahin bleibt die Aktie ein Spielball zwischen Restrukturierungshoffnung und fundamentaler Preisskepsis.

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