Evonik Aktie: Brenntag übernimmt REXIM-Vertrieb
Evonik-Chef Kullmann lehnt den Kohleausstieg 2030 ab und fordert eine Verschiebung der Klimaziele. Das Unternehmen schließt derweil wichtige US-Projekte ab.

Kurz zusammengefasst
- Kullmann kritisiert Kohleausstiegspläne
- Evonik schließt US-Integration ab
- Chemieindustrie leidet unter Produktionsminus
- Brenntag übernimmt Vertrieb von Aminosäuren
Konzernchef Christian Kullmann sprach sich am 16. Juli 2026 deutlich gegen den geplanten Kohleausstieg in Nordrhein-Westfalen bis zum Jahr 2030 aus. Er begründete seine Haltung mit der mangelnden Infrastruktur: „Den Kohleausstieg 2030 sehe ich nicht. Wir haben nicht genug Gaskraftwerke.“ Kullmann plädiert stattdessen dafür, die Kohleverstromung mindestens bis zum Jahr 2033 fortzusetzen. Zudem forderte er eine Verschiebung des nationalen Klimaneutralitätsziels von 2045 auf 2050.
Abschluss wichtiger Integrationsprojekte in den USA
Während die politischen Rahmenbedingungen am Heimatstandort für Diskussionen sorgen, konnte das Unternehmen operativ einen Meilenstein erreichen. Am 16. Juli 2026 gab Evonik den Abschluss der Rückwärtsintegration für sein MetAMINO-Produktionsnetzwerk in Mobile, Alabama, bekannt. Durch die Inbetriebnahme einer eigenen Methylmercaptan-Anlage vor Ort ist der Standort in den USA nun ebenso voll integriert wie die Werke in Antwerpen und Singapur.
Diese technologische Aufrüstung soll die Versorgungssicherheit auf dem amerikanischen Kontinent erhöhen und logistische Risiken senken. Nach Unternehmensangaben führt die Integration zudem zu einer Reduzierung des CO2-Fußabdrucks der Produktion um rund 7 Prozent. Parallel dazu treibt der Konzern die Trennung von seinem Chemiepark-Geschäft (Syneqt) voran. Hierbei wird neben einem direkten Verkauf auch eine Fusion mit Partnern aus den Niederlanden oder Belgien in Erwägung gezogen.
Branchenweite Krise belastet das Marktumfeld
Die Forderungen der Konzernleitung stehen im Kontext einer sich verschärfenden Krise in der deutschen Chemieindustrie. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) legte am 16. Juli 2026 eine Bilanz für das erste Halbjahr vor, die einen Produktionsrückgang von 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ausweist. Der Branchenumsatz belief sich auf 106 Milliarden Euro. Aufgrund der schwachen Nachfrage und hoher Standortkosten korrigierte der Verband seine Prognose für das Gesamtjahr 2026 nach unten und erwartet nun ein Minus bei der Produktion von 1,5 Prozent, nachdem zuvor eine Stagnation prognostiziert worden war.
Sondereffekte durch den Krieg im Iran führten laut VCI zuletzt zwar zu Vorzieheffekten und Lageraufstockungen, doch VCI-Präsident Steilemann bezeichnete die aktuelle Lage lediglich als „Atempause“ und nicht als Trendwende. Etwa 80 Prozent der Mitgliedsunternehmen sehen mittlerweile ein akutes Risiko für eine Deindustrialisierung Deutschlands. In diesem schwierigen Umfeld wurde Thomas Wessel von Evonik für zwei weitere Jahre als Vorsitzender des Branchenverbandes für die Chemie- und Pharmaindustrie in Nordrhein-Westfalen wiedergewählt.
Strategische Partnerschaften und Börsenwert
Evonik setzt zur Sicherung der Marktposition verstärkt auf Kooperationen. Seit dem 1. Juli 2026 übernimmt der Distributor Brenntag den exklusiven Vertrieb für Evoniks REXIM GMP-Aminosäuren in weiten Teilen Europas, Zentralasiens und der Türkei. Zudem startete der Konzern eine Zusammenarbeit mit dem Unternehmen evitria, um mit dem „eviCHO Expression Kit“ die Forschung im Bereich der Biologika zu unterstützen.
An der Börse konnte sich das Papier des Essener Konzerns trotz des Sektordrucks stabilisieren. Mit einem Kurs von 16,93 Euro notiert die Aktie aktuell 12,98 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 14,98 Euro. Seit Jahresbeginn beläuft sich das Kursplus auf 27,10 Prozent. Damit bleibt der Wert jedoch weiterhin unter seinem 52-Wochen-Hoch von 18,23 Euro, das Anfang Mai 2026 erreicht wurde.
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