Evonik Aktie: DZ Bank sieht wenig Luft bei der Prämie
Das bereinigte EBITDA legte im dritten Quartal um 40 Prozent zu, doch die DZ Bank sieht begrenzte Chancen auf eine höhere Übernahmeprämie.

Kurz zusammengefasst
- DZ Bank senkt Empfehlung auf Halten
- Fairer Wert bleibt bei 22 Euro
- Drittes Quartal: EBITDA steigt um 40 Prozent
- Freier Cashflow nach neun Monaten: 601 Millionen Euro
Die DZ Bank hat Evonik gestern von „Kaufen“ auf „Halten“ herabgestuft. Analyst Peter Spengler sieht nur begrenzte Chancen auf eine höhere Übernahmeprämie und zugleich mehr Rückschlagsrisiko. Den fairen Wert belässt er bei 22 Euro je Aktie – weiterhin ohne Übernahmeaufschlag. Damit rückt für Anleger die Frage in den Vordergrund, wie viel Potenzial jenseits der Übernahmespekulation bleibt.
Vorsichtigere Bewertung trotz besserer Geschäfte
Spenglers Einschätzung bezieht sich auf das von Evonik abgelehnte BASF-Angebot von 24 Euro je Aktie. Die operative Verbesserung allein reicht dem Analysten nicht für eine fortgesetzte Kaufempfehlung. Sein unveränderter fairer Wert zeigt: Die vorsichtigere Empfehlung beruht nicht auf einer gesenkten Bewertung, sondern auf der Abwägung von Chancen und Risiken.
Evonik schloss gestern bei 21,00 €. Der Kurs liegt damit unter dem unveränderten fairen Wert der DZ Bank. Für eine Kaufempfehlung genügt dieser Abstand dem Analysehaus angesichts der Risiken im Übernahmepoker jedoch nicht.
Evonik betonte gestern erneut seinen Anspruch auf Eigenständigkeit. Das Unternehmen führt keine formellen Übernahmeverhandlungen, bleibt aber zu einem vertraulichen, informativen Austausch bereit. Solche Kontakte sind deshalb nicht mit Verhandlungen über eine verbindliche Transaktion gleichzusetzen.
Operative Fortschritte mit Einschränkungen
Die gestern veröffentlichten Quartalszahlen liefern Argumente für den eigenständigen Kurs. Im dritten Quartal 2026 stieg das bereinigte EBITDA um 40 Prozent auf 629 Millionen Euro. Das Geschäft hat sich damit deutlich verbessert.
Der Ergebnisanstieg fiel allerdings nicht stärker aus als erwartet. Dem bereinigten EBITDA stand ein Analystenkonsens von 633 Millionen Euro gegenüber. Eine positive Ergebnisüberraschung lässt sich daraus nicht ableiten.
Zugleich bleibt die Unterscheidung zwischen bereinigtem Ergebnis und dem Ergebnis unter dem Strich wichtig. Das Effizienzprogramm belastet die Bilanz, während die operative Entwicklung Fortschritte zeigt.
Evonik verbuchte einen Nettoverlust von 53 Millionen Euro. Darin enthalten waren 313 Millionen Euro Restrukturierungsaufwand. Der bereinigte Nettogewinn erreichte dagegen 330 Millionen Euro.
Cashflow und Umbau als Bewertungsgrundlage
Für die Bewertung ohne Übernahmeaufschlag zählt neben dem operativen Ergebnis auch der Mittelzufluss. Evonik erzielte in den ersten neun Monaten 2026 einen freien Cashflow von 601 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen rund 850 Millionen Euro.
Der Umbau ist unterdessen nicht abgeschlossen. Evonik verlängert sein Effizienzprogramm bis 2029. Ein Käufer für Oxeno wird in den kommenden Monaten erwartet; den Verkauf von Syneqt bereitet das Unternehmen vor.
Für Anleger stehen damit zwei unterschiedliche Perspektiven nebeneinander: Evonik verbessert sein Geschäft und treibt den Umbau voran. Die DZ Bank sieht bei der Übernahmeprämie dennoch begrenzte zusätzliche Chancen. Ihre Herabstufung ist deshalb vor allem eine Warnung, operative Fortschritte nicht automatisch mit weiterem Kurspotenzial aus dem BASF-Interesse gleichzusetzen.
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