Evonik Aktie: Verkauft die RAG jetzt?
Evonik baut Stellen ab und erweitert Biotechnologie-Kapazitäten; die RAG-Stiftung hält einen vollständigen Anteilsverkauf für möglich.

Kurz zusammengefasst
- Deutsche Bank bestätigt Einstufung „Hold“
- DZ Bank erhöht fairen Wert auf 22 Euro
- RAG-Stiftung kann Beteiligung vollständig verkaufen
- 3.200 Stellenabbau bei Evonik angekündigt
Vor der anstehenden Veröffentlichung der Ergebnisse zum dritten Quartal richtet sich der Blick am Markt verstärkt auf die fundamentale Verfassung des Spezialchemiekonzerns.
Evonik schloss gestern eine zweitägige Serie von Analystengesprächen ab, in denen das Unternehmen vor dem Zwischenbericht am 3. November über den aktuellen Geschäftsverlauf informierte. Deutsche Bank Research bestätigte gestern die Einstufung für den Essener Konzern mit „Hold“ und bezifferte das Kursziel auf 18 Euro.
Die Aktie notiert derzeit bei 20,62 Euro, womit das Unternehmen an der Börse eine Marktkapitalisierung von 9,46 Milliarden Euro aufweist. Die Marktbewertung spiegelt weiterhin die Gemengelage aus operativer Neuausrichtung und den jüngsten Diskussionen um eine Branchenkonsolidierung wider.
Optionen der Großaktionärin und Bewertungsszenarien
Zusätzliche Bewegung brachte am Mittwoch eine Stellungnahme der RAG-Stiftung. Die Großaktionärin, die nach früheren Angaben rund 43 Prozent an Evonik hält, erklärte gegenüber Reuters, dass ein vollständiger Verkauf ihrer Beteiligung satzungsgemäß möglich sei. Ein solcher Schritt bedürfe allerdings der Zustimmung des Kuratoriums. Eine konkrete Verkaufsabsicht verband die Stiftung mit dieser Feststellung nicht.
Unterdessen hob DZ-Bank-Analyst Peter Spengler am Montag den fairen Wert für die Aktie von 21 auf 22 Euro an und stufte den Titel weiterhin mit „Kaufen“ ein. Er begründete dies mit rechnerischem Zusatzpotenzial durch eine denkbare Übernahme durch BASF, verwies jedoch gleichzeitig auf noch offene Punkte bezüglich der Finanzierung, möglicher Synergien sowie der Haltung der RAG-Stiftung.
Konzernumbau und gezielte Kapazitätserweiterung
Unabhängig von externen Faktoren forciert das Management den internen Konzernumbau. Unter dem Programmnamen „Evonik Tailor Made“ kündigte das Unternehmen an, weltweit 3.200 Arbeitsplätze abzubauen. Auf die deutschen Standorte entfallen dabei voraussichtlich rund 2.150 Stellen. Die zweite Phase dieses Restrukturierungsprozesses ist für den Zeitraum von 2027 bis 2029 vorgesehen.
Parallel zu den Einsparungen setzt Evonik auf den selektiven Ausbau von Wachstumsbereichen. Am Standort Slovenská Ľupča in der Slowakei starteten Mitte September die Bauarbeiten für eine Erweiterung der Biotechnologie-Kapazitäten.
Das Investitionsvolumen beläuft sich auf rund 80 Millionen Euro, die Fertigstellung ist für Anfang 2028 geplant. Am 3. November wird das Unternehmen mit den offiziellen Zahlen zum dritten Quartal darlegen, wie sich die Neuausrichtung im aktuellen Marktumfeld niederschlägt.
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