Für den Spezialchemie-Konzern aus Essen trübt sich der Ausblick deutlich ein. Die Privatbank Berenberg sieht fundamentale Risiken im Geschäftsmodell und stufte das Papier am 7. Januar konsequent auf „Sell“ herab. Während China massiv Kapazitäten aufbaut, droht Evonik die Preissetzungsmacht zu verlieren.
Das sind die aktuellen Belastungsfaktoren:
* Kursziel-Senkung: Berenberg reduziert das Ziel drastisch von 14,60 Euro auf 11,60 Euro.
* Strukturelle Risiken: Überkapazitäten in China bedrohen das wichtige Methionin-Geschäft.
* Bewertung: Trotz Kursnähe zum 52-Wochen-Tief bleibt das KGV mit über 63 ambitioniert.
Analysten sehen Gewinnrückgang
Der jüngste Analyse-Bericht zeichnet ein pessimistisches Bild für die kommenden Jahre. Die Experten erwarten, dass die operativen Ergebnisse (EBITDA) für 2026 und 2027 deutlich unter den allgemeinen Markterwartungen liegen werden – für 2027 liegt die Prognose mit 1,77 Milliarden Euro ganze 10 Prozent unter dem Konsens.
Diese Einschätzung spiegelt sich auch im Chartbild wider. Mit einem aktuellen Kurs von 13,13 Euro notiert die Aktie nur noch knapp über ihrem 52-Wochen-Tief von 12,83 Euro. Zwar deutet ein RSI-Wert von 15,8 auf eine technisch stark überverkaufte Situation hin, doch die fundamentalen Bedenken wiegen schwer.
Das China-Problem
Im Zentrum der Skepsis steht das Geschäft mit Methionin, einer Aminosäure für die Tierernährung, die zuletzt geschätzte 300 Millionen Euro zum EBITDA beisteuerte. Hier braut sich in Fernost massive Konkurrenz zusammen. Bis Anfang der 2030er Jahre planen chinesische Produzenten den Aufbau von rund 1,5 Millionen Tonnen zusätzlicher Kapazität. Dies entspräche einer globalen Kapazitätsausweitung um über 50 Prozent.
Die Rechnung der Analysten ist eindeutig: Das geplante Angebot aus China übersteigt die dortige heimische Nachfrage um das 2,5-fache. Selbst im unwahrscheinlichen Fall eines kompletten Importstopps für Soja bliebe ein erheblicher Marktüberschuss bestehen, der weltweit auf die Preise drücken dürfte.
Preissetzungsmacht schwindet
Das Problem beschränkt sich nicht nur auf einen Geschäftsbereich. Nach den starken Preiserhöhungen der Jahre 2021 und 2022 hat sich der Trend laut Berenberg umgekehrt. Das Unternehmen befinde sich in der Anfangsphase einer Rückabwicklung dieser Erhöhungen. Das interne KI-Analysetool der Bank identifizierte bei sieben von zehn Indikatoren negative Preissignale.
Die Experten fordern daher ein Umdenken im Management. Um den strukturellen Gegenwind auszugleichen, seien inkrementelle Schritte wie Dividendenkürzungen oder der Verkauf von Unternehmensteilen notwendig. Sogar eine Aufspaltung des Konzerns wird als mögliche Option genannt, um Werte zu heben.
Trotz der pessimistischen Berenberg-Studie ist das Meinungsbild am Markt nicht einheitlich. Während die Deutsche Bank und Barclays zuletzt an ihrem „Hold“-Votum festhielten, stufte Morgan Stanley den Titel am 5. Januar sogar leicht auf „Equal Weight“ hoch. Angesichts der drohenden Überkapazitäten und der hohen Bewertung bleibt das Abwärtspotenzial bis zum Kursziel von 11,60 Euro jedoch das dominierende Risiko für Anleger.
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