Evonik- vs. Lanxess-Aktie: David gegen Goliath

Evonik dominiert mit Marktkapitalisierung von 7,88 Mrd. Euro und stabilen Margen, während Lanxess trotz niedrigerer Bewertung auf Nischenstrategie und Agilität setzt.

Kurz zusammengefasst:
  • Evonik mit dreifacher Marktkapitalisierung gegenüber Lanxess
  • Stabile EBITDA-Marge von 14,5 % bei Evonik im zweiten Quartal
  • Lanxess senkt Jahresprognose aufgrund schwacher Nachfrage
  • Goliath-Strategie trifft auf David-Ansatz in der Spezialchemie

Im Ring der deutschen Spezialchemie stehen sich zwei ungleiche Konkurrenten gegenüber: Der Branchenriese Evonik und der deutlich agilere Herausforderer Lanxess. Während beide Unternehmen im gleichen Sektor operieren, offenbart ein Blick auf die fundamentalen Daten eine klare David-gegen-Goliath-Konstellation.

Ausgangslage: Ein ungleiches Kräftemessen

Die Kräfteverhältnisse am Kapitalmarkt sind eindeutig verteilt. Evonik, der Goliath, bringt eine Marktkapitalisierung von rund 7,88 Milliarden Euro auf die Waage. Demgegenüber steht Lanxess als David mit einem Börsenwert von circa 2,3 Milliarden Euro. Das entspricht einem Faktor von mehr als 3,4 und zementiert die unterschiedlichen Rollen im Wettbewerb.

Evonik agiert aus einer Position der Stärke, mit breiterer Diversifikation und signifikanten Skaleneffekten. Lanxess hingegen muss sich auf Nischenmärkte und eine höhere operative Agilität verlassen, um sich zu behaupten. Diese grundverschiedene Ausgangslage prägt die Strategie, die Risikoprofile und letztlich die Investmentthese für beide Chemie-Aktien.

Wer hat die besseren Karten bei den Finanzen?

Evoniks Position als Marktführer gründet auf drei fundamentalen Säulen: Skalenvorteile, Preissetzungsmacht und eine breite Diversifikation. Mit einem Umsatz von 3,5 Milliarden Euro allein im zweiten Quartal 2025 operiert das Unternehmen in einer anderen Liga als Lanxess mit Quartalsumsätzen von 1,47 Milliarden Euro.

Diese Größe ermöglicht signifikante Vorteile im Einkauf von Rohstoffen und bei den Investitionen in Forschung und Entwicklung, was langfristig die Margen sichert. In Kernsegmenten wie „Specialty Additives“ und „Nutrition & Care“ verfügt Evonik über führende Marktpositionen, die eine gewisse Preissetzungsmacht gegenüber Kunden verleihen.

Trotz eines Umsatzrückgangs von 11 % im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr, konnte Evonik eine solide bereinigte EBITDA-Marge von 14,5 % halten und einen Nettogewinn von 120 Millionen Euro ausweisen. Das unterstreicht die finanzielle Robustheit des Marktführers in einem herausfordernden Marktumfeld.

Agilität vs. Größe: Die Strategien im Vergleich

Lanxess kann dem Branchenriesen nicht mit schierer Größe begegnen, sondern muss auf die klassischen Stärken eines Herausforderers setzen: Agilität, Nischenfokus und eine flexible Kostenstruktur. Die geringere Unternehmensgröße ermöglicht schnellere Entscheidungsprozesse und eine höhere Anpassungsfähigkeit an neue Markttrends.

Anstatt in der Breite mit Evonik zu konkurrieren, konzentriert sich Lanxess auf spezialisierte Märkte wie Additive und Produkte für den Verbraucherschutz. Ein Beleg für das Potenzial dieser Strategie ist die jüngste Performance des Segments „Consumer Protection“, das im zweiten Quartal 2025 ein bereinigtes EBITDA von 87 Millionen Euro erwirtschaftete.

Allerdings kämpft Lanxess mit dem rauen Marktumfeld, was das Management kürzlich zur Anpassung der Jahresprognose zwang. Aufgrund der anhaltend schwachen Nachfrage erwartet das Unternehmen nun nur noch ein bereinigtes EBITDA zwischen 520 und 580 Millionen Euro, nachdem zuvor 600 bis 650 Millionen Euro prognostiziert wurden.

Margen-Duell: Wer hält die Profitabilität?

KennzahlEvonikLanxess
Bereinigte EBITDA-Marge Q2 202514,5%10,2%
Nettogewinn Q2 2025120 Mio. €Break-even
EBITDA-Prognose 20252,0-2,3 Mrd. €520-580 Mio. €
PrognoseanpassungBestätigtGesenkt

Aktuell hat Evonik bei der Profitabilität die Nase vorn. Während der Marktführer seine Prognose für das Gesamtjahr 2025 bestätigte, musste Lanxess seine Ziele deutlich senken. Dies unterstreicht die höhere Anfälligkeit von Lanxess für die aktuelle konjunkturelle Schwäche.

Ein positives Signal bei Lanxess ist jedoch die Reduzierung der Nettofinanzschulden um 18 % auf 2,07 Milliarden Euro nach dem Verkauf des Urethangeschäfts sowie ein positiver freier Cashflow von 31 Millionen Euro im zweiten Quartal. Der Fokus liegt klar auf der Profitabilität: Welches Unternehmen kann sein Geschäftsmodell schneller an das schwierige makroökonomische Umfeld anpassen?

Drei Szenarien für den Ausgang des Duells

Der Goliath dominiert weiter: Evonik nutzt seine schiere Größe, das diversifizierte Portfolio und die solide Bilanz, um die konjunkturelle Schwächephase besser zu überstehen. Die Fähigkeit, konstant positive Nettogewinne zu erwirtschaften und die Jahresprognose zu halten, gibt Stabilität. In diesem wahrscheinlichsten Szenario behält Evonik seine höhere Bewertung und baut seinen Wettbewerbsvorteil durch Skaleneffekte weiter aus.

David gewinnt an Boden: Lanxess‘ fokussierte Nischenstrategie und die konsequenten Kostensenkungsmaßnahmen beginnen trotz des schwierigen Umfelds Früchte zu tragen. Eine überraschend schnelle Erholung in spezialisierten Endmärkten könnte zu einer Margenerholung führen, die vom Markt noch nicht eingepreist ist. Die massive Bewertungslücke zu Evonik könnte sich verringern.

Status Quo bleibt bestehen: Das makroökonomische Umfeld bleibt für die gesamte Chemiebranche schwierig. Beide Konzerne schaffen es nicht, signifikante Wachstumsimpulse zu setzen. Evonik behält aufgrund seiner Stabilität die Oberhand, aber Lanxess kann die Bewertungslücke nicht entscheidend schließen.

Fazit: Stabilität oder Turnaround-Fantasie?

Im Duell zwischen Evonik und Lanxess stehen sich zwei fundamental unterschiedliche Investmentthesen gegenüber. Evonik bietet die Sicherheit eines etablierten Marktführers mit stabilen Margen und einer verlässlichen Dividende. Die Aktie eignet sich für konservative Anleger, die in unsicheren Zeiten auf Qualität und Beständigkeit setzen.

Lanxess hingegen ist die klassische Turnaround-Wette. Die deutlich niedrigere Bewertung spiegelt die aktuellen Herausforderungen wider, bietet aber auch mehr Aufwärtspotenzial, sollte die Restrukturierung greifen und die Märkte sich erholen. Mutige Anleger mit längerfristigem Horizont könnten hier auf eine Überraschung setzen.

Stand heute hat der Goliath Evonik die besseren Karten. Doch die Geschichte lehrt uns: Manchmal gewinnt auch David – es braucht nur die richtige Strategie und etwas Glück.

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