Evotec Aktie: 6,2-Prozent-Sturz auf 3,58 Euro
Evotec bestätigt gekappte Jahresziele nach schwachem ersten Halbjahr. Der Aktienkurs fällt um 6,2 Prozent und nähert sich dem 52-Wochen-Tief.

Kurz zusammengefasst
- Umsatzrückgang von 19 Prozent im Halbjahr
- Bereinigtes EBITDA fällt auf minus 42,7 Millionen
- Jahresprognose deutlich nach unten korrigiert
- Strategische Überprüfung des Konzerns läuft weiter
Es gibt Unternehmen, die eine schlechte Nachricht einmal verdauen und dann weitermachen. Und es gibt Fälle wie Evotec, bei denen man sich fragt, wie viele Etappen eine Gewinnwarnung eigentlich haben kann.
Heute legte der Bremer Wirkstoffentwickler seine vollständigen Zahlen für das erste Halbjahr 2026 vor – und bestätigte damit lediglich, was der Markt längst wusste: Die Prognose ist Geschichte, die neue Guidance ist die neue Realität, und die Aktie hat auch am heutigen Donnerstag nichts zu feiern.
Der Kurs verlor heute 6,2 Prozent auf 3,58 Euro. Das bringt das Papier näher an sein 52-Wochen-Tief von 3,19 Euro als an sein Hoch von 7,75 Euro, erreicht Anfang November vergangenen Jahres – ein Abstand von 54 Prozent nach unten.
Wer die Aktie ein Jahr gehalten hat, sitzt auf einem Verlust von 46 Prozent. Zahlen wie diese erzählen eine Geschichte, die größer ist als ein einzelnes Quartal.
Der Auftragsforschungssektor lernt Demut
Evotec gehört zu jener Riege von Auftragsforschungs- und Entwicklungsunternehmen, die während der Pandemie-Boomjahre als Wachstumsstory galten – Pharmakonzerne lagern Forschung aus, Biotechs brauchen Kapazitäten, alles läuft.
Die Realität von 2026 sieht anders aus: Der Umsatz im ersten Halbjahr fiel auf 300,1 Millionen Euro, verglichen mit 371,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum – ein Rückgang von 19 Prozent. Das bereinigte EBITDA drehte von minus 1,9 Millionen auf minus 42,7 Millionen Euro. Im zweiten Quartal allein sank der Umsatz um 16,2 Prozent auf 143,5 Millionen Euro.
Die Jahresprognose, die Evotec heute bestätigte, ist bereits die gekappte Version: Statt der ursprünglich erwarteten 700 bis 780 Millionen Euro Umsatz rechnet das Unternehmen nun mit 570 bis 610 Millionen Euro.
Beim bereinigten EBITDA ist aus einer Spanne von 0 bis plus 40 Millionen Euro ein Loch von minus 70 bis minus 105 Millionen Euro geworden. Das ist keine Nachjustierung mehr, das ist eine andere Erzählung.
Interessant ist, worauf Evotec die Kürzung zurückführt: Rund 40 Prozent des Rückgangs entstehen durch zeitlich verschobene Projekte und Meilensteinzahlungen, die nun erst 2027 als Erlös verbucht werden.
Weitere 45 Prozent gehen auf geringere Beiträge aus neuen Partnerschaften zurück. Das klingt weniger nach einem strukturellen Kollaps als nach einem Timing-Problem – zumindest wenn man dem Unternehmen glaubt.
Der Bereich Discovery & Preclinical Development außerhalb der strategischen Partnerschaften wuchs im Halbjahr immerhin um 28 Prozent bei den Nettoverkäufen, mit erwarteter Umsatzrealisierung ab dem vierten Quartal.
Biologics unter Druck, Kassenlage stabil
Bei Just-Evotec Biologics sank der Umsatz um 29,3 Prozent auf 72,3 Millionen Euro, wobei der Vorjahreswert durch einen Lizenzverkauf an Sandoz künstlich erhöht war – ein Vergleich, der die Lage optisch schlimmer aussehen lässt, als sie operativ vielleicht ist. Immerhin verweist das Unternehmen auf hohe Kapazitätsauslastung und eine breitere Kundenbasis.
Auf der Habenseite steht eine Liquidität von 465,6 Millionen Euro zum 30. Juni – Evotec ist also nicht in akuter finanzieller Not. Das Kostensenkungsprogramm „Horizon“ soll bis Ende 2027 jährlich 75 Millionen Euro einsparen, für 2026 werden 20 bis 30 Prozent dieses Effekts angepeilt. Die im Mai angekündigte strategische Überprüfung des Konzerns läuft weiter – ein Prozess, dessen Ausgang für die künftige Ausrichtung entscheidend sein dürfte.
Auf der Geschäftsseite tat sich zuletzt trotzdem etwas: Anfang August startete Evotec eine KI-gestützte Forschungskooperation mit Odyssey Therapeutics im Bereich Autoimmun- und Entzündungserkrankungen, zudem eine Partnerschaft mit Niagen Bioscience zur präklinischen Entwicklung des Wirkstoffkandidaten NB4168. Solche Deals zeigen, dass das operative Geschäft weiterläuft, auch wenn die große Zahl darüber derzeit alles überstrahlt.
Berenberg hatte die Aktie bereits im Juli von Buy auf Hold gesenkt und das Kursziel von 9,40 auf 3,60 Euro gekappt, TD Cowen stufte ebenfalls auf Hold zurück. Beide Einschätzungen datieren vor der heutigen Zahlenvorlage und spiegeln damit die Erwartung, nicht die Bestätigung der Kürzung wider.
Der nächste Prüfstein für Evotec folgt im November mit dem Bericht zum dritten Quartal – bis dahin bleibt die strategische Überprüfung der eigentliche Spannungsbogen dieser Aktie.
Evotec-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Evotec-Analyse vom 13. August liefert die Antwort:
Die neusten Evotec-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Evotec-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 13. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Evotec: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...