Evotec Aktie: 800 Arbeitsplätze bis Ende 2027
Evotec treibt den Konzernumbau voran, doch Anleger vermissen einen konkreten Fahrplan. Die Aktie bleibt unter Druck, während Sparmaßnahmen und Verkäufe die Bilanz stützen sollen.

Kurz zusammengefasst
- Umbau ohne festen Zeitplan
- Kursverlust von 36 Prozent seit Jahresstart
- Fokus auf margenstarke Wirkstoffforschung
- Stellenabbau von rund 800 Jobs
Evotec steckt mitten im größten Umbau seiner Geschichte. Anleger warten seit Wochen auf ein Ergebnis der strategischen Überprüfung. Bislang gibt es dafür keinen festen Termin, und genau diese Unsicherheit lastet auf dem Kurs.
Am Donnerstag notiert die Aktie bei 3,49 Euro, ein Plus von 0,75 Prozent zum Vortag. Die kleine Erholung ändert wenig am Gesamtbild: Seit Jahresbeginn steht ein Minus von knapp 36 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 7,75 Euro trennen das Papier fast 55 Prozent.
Der Weg zum „Asset-light“-Modell
Im Zentrum der neuen Strategie mit dem Namen „Horizon“ steht ein radikaler Kurswechsel. Evotec will sich künftig auf die margenstarke Wirkstoffforschung konzentrieren. Teure Fertigungsstandorte sollen dagegen abgebaut werden.
Erste Schritte sind bereits gemacht. Der Konzern hat den Standort in Toulouse verkauft und seine Beteiligung am Biotech-Unternehmen Tubulis veräußert. Beide Deals brachten frisches Kapital in die Kasse. Bis zum 30. Juni 2026 soll die Liquidität auf schätzungsweise 465,6 Millionen Euro anwachsen.
Sparprogramm mit harten Einschnitten
Der Umbau kostet Substanz. Evotec plant, sein globales Standortnetz auf zehn Zentren zu verkleinern. Damit einher geht der Abbau von weltweit rund 800 Arbeitsplätzen.
Das Ziel: jährliche Einsparungen von etwa 75 Millionen Euro bis Ende 2027. Bis dahin muss der Konzern allerdings durch ein schwieriges Übergangsjahr.
Für 2026 rechnet Evotec nur noch mit einem Umsatz zwischen 570 und 610 Millionen Euro. Grund dafür sind verzögerte Meilensteinzahlungen und ein langsamerer Abschluss neuer Partnerschaften. Beim bereinigten EBITDA erwartet der Konzern inzwischen einen Verlust zwischen 70 und 105 Millionen Euro – ursprünglich hatte das Management ein positives Ergebnis angepeilt.
Überverkauft, aber ohne Trendwende
Charttechnisch zeigt die Aktie mit einem RSI von 28,4 klare Überverkauft-Signale. Ein nachhaltiger Boden lässt sich daraus aber noch nicht ablesen. Die Kursschwäche der vergangenen Monate hat tiefe Spuren hinterlassen.
Ein Lichtblick bleibt das Kerngeschäft. Im ersten Halbjahr wuchsen die Nettoverkäufe im Bereich „Discovery & Preclinical Development“ laut Analystenberichten um über 20 Prozent. Trotz des schwierigen Umfelds zeigt dieser Unternehmensteil damit deutliche Stärke.
Im August 2026 veröffentlicht Evotec den vollständigen Halbjahresbericht. Erst dann dürfte klar werden, wie tragfähig die neue Strategie tatsächlich ist – und ob das Wachstum im Kerngeschäft die Kosten des Umbaus auffangen kann.
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