Evotec Aktie: Dieter Weinand soll Aufsichtsrat führen

Evotec startet mit Hedgefonds-Unterstützung in eine neue Phase, kämpft aber mit schwachen Quartalszahlen und hohem Restrukturierungsdruck.

Dieter Jaworski ·
Evotec Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Kooperation mit Hedgefonds MAK Capital
  • Verlust von 0,69 Euro je Aktie
  • Wandelanleihe für Project Horizon
  • Rückkehr in den MDAX geplant

Bei Evotec trifft ein ungewöhnlich friedliches Hedgefonds-Engagement auf eine harte operative Ausgangslage. MAK Capital sucht nicht den offenen Konflikt, sondern bindet sich vertraglich an den Umbau des Aufsichtsrats. Für die Aktie ist das relevant, weil Governance, Finanzierung und Transformation jetzt enger zusammenrücken.

Hedgefonds wählt den Verhandlungstisch

MAK Capital hält rund 7,1 Prozent der Evotec-Aktien. Die Position baute der Fonds über Käufe am offenen Markt für insgesamt rund 73,3 Millionen Euro auf. Aus einem potenziellen Aktivistenfall wird nun eine formelle Kooperation.

Evotec schloss die Vereinbarung am 29. April 2026 und nominierte Dr. Wolfgang Hofmann als unabhängiges Mitglied des Aufsichtsrats. Auf der Hauptversammlung steht außerdem Dieter Weinand als künftiger Aufsichtsratsvorsitzender auf der Agenda. Das Gremium soll von sechs auf sieben Mitglieder wachsen.

MAK verpflichtet sich im Gegenzug zu üblichen Abstimmungs- und Kooperationszusagen. Dazu gehört die Unterstützung der Erweiterung des Aufsichtsrats sowie der von Evotec nominierten Kandidaten. MAK-Chef Michael A. Kaufman lobte den konstruktiven Dialog und verwies auf die laufende Transformation des Unternehmens.

Sandoz-Deal verändert das Profil

Ein wichtiger Baustein dieser Transformation ist bereits umgesetzt. Der Verkauf des Just-Evotec-Biologics-Standorts Toulouse an Sandoz wurde mit Wirkung zum 5. Dezember 2025 abgeschlossen und brachte rund 350 Millionen US-Dollar in bar sowie mehr als 300 Millionen US-Dollar an potenziellen Lizenz- und Meilensteinzahlungen.

Hinzu kommen Royalties auf bis zu zehn Biosimilare. Für Evotec bedeutet der Deal mehr finanzielle Flexibilität und ein kapitalärmeres Geschäftsmodell. Die verbleibenden Kapazitäten in den USA und Europa decken weiter Entwicklung, Analytik, Formulierung und GMP-Herstellung ab.

Schwaches Quartal erhöht den Druck

Operativ bleibt die Ausgangslage angespannt. Zum 31. März 2026 meldete Evotec einen Verlust von 0,69 Euro je Aktie, nach minus 0,18 Euro im Vorjahreszeitraum. Das zeigt, wie groß der Abstand zum angestrebten Turnaround noch ist.

Der schwache Start hat allerdings erklärbare Treiber. Evotec verweist auf einen starken Vorjahresvergleich durch einen Sandoz-Lizenzverkauf sowie auf einmalige Restrukturierungskosten.

Der Umsatz fiel auf 156,64 Millionen Euro, ein Rückgang um 21,67 Prozent. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 121,9 Millionen Euro. Kein Wunder, dass der Markt auf konkrete Fortschritte beim Umbau achtet.

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Die Jahresprognose bleibt dennoch stehen. Beim Umsatz zielt Evotec auf 700 bis 780 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA soll von der Gewinnschwelle bis 40 Millionen Euro reichen; der Vorstand setzt auf eine Erholung in der zweiten Jahreshälfte.

Wandelanleihe finanziert den Umbau

Zur Finanzierung von Project Horizon platzierte Evotec Mitte Mai vorrangige unbesicherte Wandelanleihen. Das Bezugsrecht bestehender Aktionäre wurde ausgeschlossen.

  • Volumen: 116,1 Millionen Euro; ursprünglich waren bis zu 125 Millionen Euro angekündigt.
  • Laufzeit: Fälligkeit im Jahr 2033; die Anleihen sind vorrangig und unbesichert.
  • Kupon und Rückzahlung: 2,625 Prozent pro Jahr; Rückzahlung zu 110 Prozent; Endfälligkeitsrendite 3,882 Prozent.
  • Wandlung: 6,5313 Euro je Aktie; Prämie von 37,5 Prozent; Referenzkurs 4,75 Euro.

Der Nettoerlös soll in Project Horizon fließen. Das Programm soll das Betriebsmodell stärken und die langfristige Wertschöpfung verbessern. Der Markt wird daran messen, ob aus den angekündigten Maßnahmen auch sichtbar bessere Kennzahlen entstehen.

MDAX-Rückkehr hilft der Sichtbarkeit

In der Finanzführung beginnt ebenfalls eine neue Phase. Claire Hinshelwood ist seit Mai Finanzvorständin und folgt auf Paul Hitchin. Sie bringt mehr als 30 Jahre Erfahrung mit, zuletzt als Group CFO der BMI Group.

Rückenwind kommt von der angekündigten Rückkehr in den MDAX, die im Juni 2026 wirksam werden soll. Das erhöht die Sichtbarkeit bei institutionellen Investoren und bindet die Aktie stärker in ETF- und Fondsstrategien ein.

Am Kursbild hat das bisher nur begrenzt geholfen. Die Evotec-Aktie verlor zuletzt 0,8 Prozent auf 4,97 Euro und gehörte damit zu den schwächeren MDAX-Werten.

Seit dem Tief bei 4,14 Euro Mitte März hat sich der Kurs zwar um 21 Prozent erholt. Die Erholung bleibt aber brüchig, weil die operative Wende noch nicht belegt ist.

Zum Hoch von 8,32 Euro fehlen weiterhin knapp 40 Prozent. Die nächsten konkreten Signale dürften nach der Hauptversammlung kommen: ob der erweiterte Aufsichtsrat die Kapitalallokation schärft, Project Horizon beschleunigt und die Prognose für die zweite Jahreshälfte operativ unterlegt.

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Evotec Aktie

4,85 EUR

– 0,10 EUR -1,98 %
KGV 0,00
Sektor Gesundheitswesen
Div.-Rendite 0,00 %
Marktkapitalisierung 881,58 Mio. EUR
ISIN: DE0005664809 WKN: 566480

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