Evotec Aktie: Meilensteine fehlen
Evotec kappt Umsatz- und Ebitda-Prognose für 2026 deutlich wegen verschobener Partnerzahlungen und schwächerer Neugeschäfte.

Kurz zusammengefasst
- Umsatzerwartung auf 570-610 Mio. Euro gesenkt
- Ebitda-Prognose in tiefrote Zone gedreht
- Fehlende Meilensteinzahlungen belasten Ergebnis
- Kostenprogramm Horizon soll gegensteuern
Ein Wirkstoffentwickler lebt von den Zahlungen seiner Partner – und genau die bleiben bei Evotec gerade aus. Das Unternehmen hat seine Prognose für 2026 kräftig zusammengestrichen und damit einen Kurssturz auf ein neues Jahrestief ausgelöst. Wer verstehen will, warum die Erwartungen so deutlich verfehlt wurden, muss auf die Details der Partnerschaften schauen.
Umsatzlücke mit klarer Handschrift
Statt der bislang avisierten 700 bis 780 Millionen Euro rechnet Evotec nun nur noch mit 570 bis 610 Millionen Euro Umsatz für das laufende Jahr. Beim bereinigten Ebitda dreht sich das Bild noch deutlicher: Aus der Prognose von 0 bis plus 40 Millionen Euro wird ein erwarteter Verlust von 70 bis 105 Millionen Euro.
Die Gründe liegen zu rund 40 Prozent in bestehenden Partnerschaften. Zeitpläne haben sich verschoben, Meilensteinzahlungen werden jetzt erst 2027 verbucht. Weitere 45 Prozent der Lücke gehen auf geringer als erhofft ausgefallene Beiträge aus möglichen neuen strategischen Partnerschaften zurück, der Rest auf eine schwächere Umsatzrealisierung im laufenden Geschäft. CFO Claire Hinshelwood verwies darauf, dass gerade die margenstärkeren Meilensteinzahlungen fehlen – deshalb falle der Effekt auf das Ebitda überproportional aus.
Beide Segmente unter Druck
Die vorläufigen Halbjahreszahlen bestätigen den Trend bereits. Der Umsatz sank auf 300,1 Millionen Euro von 371 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, der bereinigte Ebitda-Verlust weitete sich auf 42,7 Millionen Euro aus, nach lediglich 1,9 Millionen Euro Verlust im Vorjahr.
Im Segment Discovery & Preclinical Development brach der Umsatz um 16 Prozent auf 228 Millionen Euro ein, bei Just – Evotec Biologics waren es sogar 29 Prozent auf 72 Millionen Euro. Immerhin: Im zweiten Quartal fielen die Rückgänge mit 15 und 17 Prozent etwas moderater aus als im ersten Halbjahr insgesamt.
Gegensteuern soll das im März gestartete Kostenprogramm „Horizon“. Es sieht Stellenabbau und die Reduzierung von Standorten vor, um die laufenden Kosten bis Ende 2027 um rund 75 Millionen Euro zu senken – ein Fünftel bis knapp ein Drittel davon soll bereits in diesem Jahr greifen.
Die vollständigen Halbjahreszahlen legt Evotec am 13. August vor. Dann zeigt sich, ob die verschobenen Meilensteinzahlungen tatsächlich erst 2027 ankommen oder ob es weitere Anpassungen gibt.
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