Evotec Aktie: Odyssey-Allianz für Autoimmunforschung
Evotec erweitert seine Forschungsallianzen mit Plectonic und Odyssey, während sinkende Halbjahreszahlen und die Prognose die Aktie belasten.

Kurz zusammengefasst
- Neue Allianz mit Odyssey Therapeutics
- Plectonic entwickelt T-Zell-Therapien mit
- Discovery-Segment wächst ohne Partnerschaften
- Jahresprognose deutlich nach unten korrigiert
Evotec treibt seine Partnerstrategie in der Krebs- und Autoimmunforschung weiter voran. Nach dem Start der Kooperation mit Plectonic Biotech zu T-Zell-Engager-Therapien für solide Tumoren rückt nun eine zweite, im August verkündete Allianz in den Fokus: die KI-gestützte Forschungskooperation mit dem Nasdaq-notierten Unternehmen Odyssey Therapeutics in den Bereichen Autoimmun- und Entzündungserkrankungen.
Zwei Kooperationen, ein Muster
Bei der Plectonic-Kooperation kombiniert Evotec seine BiTco-Plattform für bispezifische CD2-Antikörper mit der LOGIBODY-Technologie des Partners, um T-Zell-Engager gegen solide Tumoren zu entwickeln.
Die Zusammenarbeit mit Odyssey Therapeutics folgt einem ähnlichen Prinzip: Evotec bringt seine KI-gestützte Forschungsplattform ein und erhält im Gegenzug Meilenstein-Zahlungen für jede validierte Hit-Series pro Zielmolekül.
Beide Deals folgen damit demselben Grundmuster, das Evotec-Management zuletzt betont hatte: kleinere, technologiegetriebene Partnerschaften statt weniger, aber dafür sehr großer Verträge.
Genau diese Abhängigkeit von umfangreichen Großverträgen war zuvor zum Problem geworden. Im Juli hatte Evotec seine Jahresprognose 2026 massiv gesenkt, weil sich Meilensteinzahlungen und der Abschluss von Partnerschaftsverträgen verzögerten.
Die Ende Juli bestätigten Halbjahreszahlen bekräftigten das Bild: Der Umsatz sank im ersten Halbjahr auf 300,1 Millionen Euro, ein Rückgang von 19,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während das um Sondereffekte bereinigte EBITDA von minus 1,9 auf minus 42,7 Millionen Euro fiel.
Die Jahresprognose bleibt entsprechend deutlich niedriger als ursprünglich geplant, mit einem Umsatzkorridor von 570 bis 610 Millionen Euro statt zuvor 700 bis 780 Millionen Euro.
Lichtblick im operativen Geschäft
Ein Silberstreif findet sich im Segment Discovery, Preclinical & Translational Development: Ohne die strategischen Partnerschaften herausgerechnet, wuchsen die Nettoumsätze dort im ersten Halbjahr um 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das operative Kerngeschäft läuft also robuster, als die Konzernzahlen es vermuten lassen.
Die neuen Kooperationen mit Plectonic und Odyssey Therapeutics könnten genau in diesem Segment ansetzen und die Diversifizierung weg von wenigen Großverträgen unterstützen.
Am Kapitalmarkt zeigt sich die Aktie davon bislang unbeeindruckt. Der Schlusskurs von 3,23 Euro am Freitag liegt nur rund 3 Prozent über dem 52-Wochen-Tief, während das Papier seit Jahresbeginn 41 Prozent verloren hat. Die Bewertung spiegelt damit weiterhin die Skepsis wider, die seit der Gewinnwarnung im Juli auf dem Titel lastet.
Personelle Veränderungen im Hintergrund
Parallel zu den operativen Themen verändert sich auch die Aufsichtsratsstruktur: Camilla Macapili Languille schied Anfang August aus dem Supervisory Board aus.
Für Anleger dürfte diese personelle Frage jedoch zweitrangig bleiben gegenüber der zentralen Herausforderung, mit der sich Evotec seit der Gewinnwarnung konfrontiert sieht – nämlich zu beweisen, dass die neue Partnerschaftsstrategie mit kleineren, planbareren Deals wie den Kooperationen mit Plectonic und Odyssey Therapeutics tatsächlich zu verlässlicheren Umsätzen führt als das bisherige Modell weniger Großverträge.
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