Evotec Aktie: Project Horizon mit 116,1-Millionen-Wandelanleihe
Evotec meldet eine Schwellenberührung bei Stimmrechten, während Umsatz und EBITDA sinken und der Konzernumbau den finanziellen Druck erhöht.

Kurz zusammengefasst
- Stimmrechtsschwelle am 25. August erreicht
- Aktie nahe dem 52-Wochen-Tief
- Halbjahresumsatz deutlich zurückgegangen
- KI-Kooperation mit Odyssey Therapeutics gestartet
Evotec kommt nicht zur Ruhe. Am 31. August veröffentlichte das Unternehmen eine Stimmrechtsmitteilung nach Artikel 40 WpHG, wonach ein Schwellenwert am 25. August erreicht oder überschritten wurde. Details zum meldenden Aktionär oder zur konkreten Schwelle nannte die Mitteilung nicht. Für Anleger ist das dennoch ein Signal: Größere Investoren bewegen sich in der Aktionärsstruktur, während das Papier auf sehr niedrigem Niveau notiert.
Der Kurs liegt aktuell bei 3,24 Euro und damit nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 3,19 Euro, das im Juli markiert wurde. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 41 Prozent verloren. Vor diesem Hintergrund gewinnt jede Bewegung bei den Stimmrechten an Bedeutung, denn schon kleinere Zukäufe können bei der aktuellen Marktkapitalisierung von rund 595 Millionen Euro prozentual stark ins Gewicht fallen.
Wandelanleihe sollte Umbau finanzieren
Hintergrund der angespannten Lage ist das laufende Umbauprogramm „Project Horizon“. Zur Finanzierung hatte Evotec eine Wandelanleihe über 116,1 Millionen Euro platziert.
Medienberichten zufolge wurde diese Kapitalmaßnahme im Zusammenhang mit der Schwäche der Aktie nach den Halbjahreszahlen eingeordnet, die das Unternehmen am 13. August vorgelegt hatte. Dort hatte Evotec die Umsatz- und EBITDA-Prognose für 2026 gesenkt und zugleich bestätigt, an der reduzierten Guidance festzuhalten.
Die operativen Zahlen selbst untermauern den Ernst der Lage: Im zweiten Quartal 2026 sank der Konzernumsatz um 16,2 Prozent auf 143,5 Millionen Euro. Für das erste Halbjahr 2026 ergab sich ein Umsatz von 300,1 Millionen Euro nach 371,0 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das bereinigte EBITDA lag im zweiten Quartal bei rund minus 20,8 Millionen Euro, für das Halbjahr bei minus 42,7 Millionen Euro.
Neue Kooperation als Lichtblick
Neben den finanziellen Belastungen versucht Evotec, mit strategischen Partnerschaften Boden gutzumachen. Zusammen mit Odyssey Therapeutics startete das Unternehmen eine KI-gestützte Forschungskooperation im Bereich Autoimmun- und Entzündungserkrankungen. Solche Allianzen sollen langfristig neue Erlösquellen erschließen, dürften aber kurzfristig kaum ausreichen, um die aktuelle Umsatzschwäche auszugleichen.
Zusätzliche Unruhe bringt der personelle Umbau in der Führungsetage: Camilla Macapili Languille schied bereits zum 7. August aus dem Aufsichtsrat aus. Für Investoren summieren sich damit mehrere Baustellen gleichzeitig – schrumpfende Erlöse, ein kapitalintensiver Konzernumbau und Veränderungen im Kontrollgremium.
Die jüngste Stimmrechtsmitteilung liefert dazu keine Erklärung, sondern lediglich einen weiteren Datenpunkt. Ob dahinter ein strategischer Investor steht, der auf eine Bodenbildung setzt, oder ob es sich um eine rein technische Meldung handelt, lässt sich aus der Veröffentlichung allein nicht ableiten. Klar ist: Der Handlungsdruck auf das Management bleibt hoch, solange sich die fundamentale Entwicklung nicht stabilisiert.
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