EZB: Markt überschätzt Zinsrisiko

Experten sehen die Zinserwartungen der Märkte als übertrieben an. Die EZB dürfte die Leitzinsen trotz kurzfristiger Inflationseffekte stabil halten.

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EZB Aktie (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • EZB belässt Zinsen voraussichtlich bei 2,0 Prozent
  • Märkte preisen fast drei Zinserhöhungen ein
  • Kerninflation bleibt mit 2,3 Prozent moderat
  • Geopolitische Unsicherheit erschwert Prognosen

Die Europäische Zentralbank trifft sich diesen Donnerstag zu ihrer April-Sitzung — und die Botschaft dürfte klar sein: Die Zinsen bleiben dort, wo sie sind. Weniger klar ist, warum der Markt das offenbar anders einpreist.

Was die Märkte falsch rechnen

Der Einlagensatz liegt aktuell bei 2,0 Prozent. Ökonomen und Strategen mehrerer Häuser erwarten eine einstimmige Entscheidung zur Zinspause. Trotzdem sind in den Terminmärkten derzeit fast drei Zinserhöhungen innerhalb der nächsten zwölf Monate eingepreist — eine Einschätzung, die von Fachleuten als deutlich überzogen bewertet wird.

Der Kern des Arguments: Ja, die Energiepreise drücken die Gesamtinflation kurzfristig nach oben. Die Kerninflation liegt im März jedoch bei moderaten 2,3 Prozent, und die Wachstumsdynamik in der Eurozone schwächt sich spürbar ab. Beides spricht gegen einen baldigen geldpolitischen Kurswechsel.

Schmalerer Korridor, höhere Unsicherheit

Die eigentlich interessante Frage ist nicht, was am Donnerstag passiert — sondern was danach kommt. Die EZB bewegt sich zunehmend auf einem schmalen Grad: Energiepreiseffekte könnten Zweitrundeneffekte auslösen, gleichzeitig würde eine voreilige Straffung eine ohnehin schwächelnde Konjunktur zusätzlich belasten.

Hinzu kommt die geopolitische Lage. Die anhaltende Unsicherheit im Nahen Osten macht präzise Inflationsprognosen schwieriger. Der EZB-Rat dürfte deshalb Flexibilität betonen und an einer strikten Datenabhängigkeit festhalten — ohne sich auf einen konkreten Pfad festzulegen.

Für 2026 rechnen Ökonomen weiterhin mit stabilen Zinsen. Das Zeitfenster für geldpolitische Ruhe bleibt vorerst offen, wird aber enger.

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