EZB-Umfrage: Kredite für Firmen im Euroraum werden knapper
Im dritten Quartal stiegen Finanzierungskosten und Kredithürden; mehr Unternehmen rechnen mit erschwertem Zugang zu externer Finanzierung.

Kurz zusammengefasst
- 46 Prozent meldeten höhere Darlehenszinsen
- Großunternehmen besonders oft von Zinsanstiegen betroffen
- Kredithindernisse stiegen von fünf auf sieben Prozent
- Zinspause der EZB wird diese Woche erwartet
Die Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank hinterlassen deutliche Spuren in den Bilanzen der Unternehmen. Im Euroraum fällt es Betrieben spürbar schwerer, an Bankkredite zu gelangen, während die Finanzierungskosten weiter anziehen. Genau diesen Befund liefert die jüngste vierteljährliche Erhebung der Notenbank zur Unternehmensfinanzierung.
Steigende Zinsen treffen Großkonzerne besonders
Rund 46 Prozent der befragten Betriebe verzeichneten im dritten Quartal netto einen Anstieg der Zinsen für Bankdarlehen. Im Vorquartal lag dieser Wert noch bei 42 Prozent. Bemerkenswert ist die Verteilung: Während kleine und mittlere Betriebe seltener über Zinsanstiege klagten, traf es Großunternehmen mit netto 55 Prozent besonders häufig.
Neben den eigentlichen Kreditzinsen verteuerten sich auch Nebenkosten wie Bankgebühren und Provisionen. Parallel dazu verlangten die Geldhäuser strengere Absicherungen: Netto 14 Prozent der Betriebe berichteten über gestiegene Anforderungen an Sicherheiten, nach zehn Prozent im Vorquartal.
Banken agieren vorsichtiger bei Kreditlinien
Die Zurückhaltung der Kreditinstitute macht sich im Alltag unmittelbar bemerkbar. Die Verfügbarkeit von Bankkrediten sank im dritten Quartal insgesamt weiter ins Minus. Parallel dazu kletterte der Anteil der Firmen, die konkrete Hindernisse bei der Kreditvergabe meldeten, von fünf auf sieben Prozent.
Dahinter steht eine spürbare Vorsicht im Bankensektor. Viele Betriebe benötigen infolge teurerer Vorprodukte und gestiegener Betriebskosten zusätzliche Kreditlinien, um ihr Betriebskapital zu sichern. Weil die Banken bei der Vergabe dieser kurzfristigen Mittel zögerlicher agieren, geraten die Liquiditätspuffer der Unternehmen unter Druck.
Notenbank vor Zinspause
Der Bedarf an klassischen Bankkrediten ging unterdessen leicht zurück. Netto zwei Prozent der Firmen fragten weniger Finanzierungsmittel nach, nachdem im Vorquartal noch ein Anstieg gemeldet worden war. Mehr Betriebe als zuvor stellen sich nun darauf ein, dass Außenfinanzierungen in den kommenden drei Monaten noch schwerer erreichbar sein werden.
Für die Notenbank liefern diese Daten eine wichtige Orientierung. Nachdem sie die Leitzinsen schrittweise angehoben hat, um den energiegetriebenen Inflationsdruck zu dämpfen, wird für die Zinsentscheidung in dieser Woche eine Pause erwartet. Vor weiteren Schritten will die Zentralbank zunächst abwarten, wie stark die teureren Finanzierungsbedingungen auf die Wirtschaft durchschlagen.