Fed, Inflation, Trump-Xi: Märkte unter Strom

Kevin Warsh übernimmt die Fed inmitten steigender Inflation. Der Dollar legt zu, Anleiherenditen steigen. Der Gipfel in Peking sorgt für Hoffnung, aber auch Risiken.

Felix Baarz ·
Fed, Inflation, Trump-Xi: Märkte unter Strom

Kurz zusammengefasst

  • Kevin Warsh als neuer Fed-Chef bestätigt
  • US-Inflation steigt auf Mehrjahreshoch
  • Dollar gewinnt an Stärke
  • Trump-Xi-Gipfel in Peking beginnt

Die Weltwirtschaft steht in dieser Woche unter Hochspannung. Steigende Inflation in den USA, ein neuer Fed-Chef mit unklarer Agenda und ein historisches Gipfeltreffen in Peking — selten ballen sich so viele marktbewegende Faktoren gleichzeitig zusammen. Das Ergebnis: Der Dollar legt zu, die Renditen steigen, und Anleger weltweit suchen nach Orientierung.

Warsh übernimmt — in einem denkbar schwierigen Moment

Mit 54 zu 45 Stimmen bestätigte der US-Senat am Mittwoch Kevin Warsh als neuen Vorsitzenden der Federal Reserve. Es war die parteiischste Abstätigung eines Fed-Chefs in der Geschichte des Landes — ein einziger Demokrat, John Fetterman aus Pennsylvania, stimmte für ihn. Der 56-jährige Anwalt und Finanzier übernimmt das Steuer von Jerome Powell, dessen Amtszeit als Vorsitzender an diesem Freitag endet.

Der Zeitpunkt könnte kaum heikler sein. Der Erzeugerpreisindex sprang im April um 6 % gegenüber dem Vorjahr — das stärkste Plus seit Dezember 2022, als die Fed mit aggressiven Zinserhöhungen gegen eine 40-jährige Inflationsrekordwelle kämpfte. Dazu kommen Verbraucherpreise, die im April so schnell gestiegen sind wie seit drei Jahren nicht mehr. Analysten erwarten, dass der PCE-Index — das bevorzugte Inflationsmaß der Fed — bei 3,8 % liegen dürfte, weit entfernt vom 2-%-Ziel der Notenbank.

„Die Inflationsdaten dieser Woche werden FOMC-Mitglieder nicht erfreuen, einschließlich des künftigen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh“, sagt Carol Kong, Währungsstratcgin bei der Commonwealth Bank of Australia. Ihre Prognose: Die Fed muss ab Dezember mit einem Zinserhöhungszyklus beginnen — drei Anhebungen inklusive.

Genau das spiegeln die Märkte zunehmend wider. Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im Dezember ist laut dem CME FedWatch Tool von gut 16 % vor einer Woche auf nun 31,8 % gestiegen. Für das laufende Jahr rechnen die Finanzmärkte aber noch mit unverändertem Leitzins zwischen 3,5 und 3,75 %.

Anleihen unter Druck, Dollar im Aufwind

Die Folgen dieser Neuausrichtung sind spürbar. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren bei rund 4,47 % — nahe einem Jahreshoch —, die 30-jährigen bei über 5 %. Seit Anfang März sind die Renditen am langen Ende um rund 45 Basispunkte gestiegen. Was treibt den Anstieg? Vor allem ein Wort: Öl. „Was Öl macht, das machen auch die Renditen“, formuliert es Byron Anderson von Laffer Tengler Investments knapp. Der anhaltende Iran-Krieg hält die Energiepreise über 100 Dollar pro Barrel — ein strukturelles Inflationsproblem, das Zinserhöhungen allein kaum lösen können.

Jim Baird von Plante Moran Financial Advisors bringt das Dilemma auf den Punkt: „Zinserhöhungen werden den globalen Ölpreis nicht senken.“ Warsh erbt damit ein strukturelles Problem, gegen das sein wichtigstes geldpolitisches Werkzeug nur begrenzt wirkt.

Viele Anleger reagieren mit Zurückhaltung am langen Ende der Zinskurve. Einige Häuser meiden langlaufende Anleihen fast vollständig. Hinzu kommt Warshs eigene geldpolitische Philosophie: Er gilt als Befürworter einer kleineren Fed-Bilanz — was das Angebot an Staatsanleihen erhöhen und die Langfristrenditen weiter nach oben treiben dürfte.

Für den Dollar bedeutet dieses Umfeld Rückenwind. Der DXY-Index legte auf 98,48 zu, auf dem Weg zur stärksten Wochenperformance seit Beginn des Iran-Krieges. Der Euro gibt mit 1,1717 Dollar nach — ein wöchentlicher Verlust von rund 0,6 %, der größte seit zwei Monaten. Einzig der japanische Yen erhält etwas Halt durch Äußerungen eines BoJ-Ratsmitglieds, das zügige Zinserhöhungen befürwortet, falls keine Anzeichen für eine Konjunkturabschwächung erkennbar sind.

Peking-Gipfel: Viel Pomp, wenige Details

Parallel zum Währungs- und Anleihewirbel richtet sich der Blick auf Peking, wo Donald Trump und Xi Jinping zu einem zweitägigen Treffen zusammenkommen — flankiert von einer ungewöhnlichen Delegation amerikanischer Konzernchefs, darunter Elon Musk und Nvidia-CEO Jensen Huang. Trump sprach vorab vom „vielleicht größten Gipfel aller Zeiten“, Xi betonte Fortschritte in den Handelsgesprächen, warnte aber zugleich, dass der Streit um Taiwan die Beziehungen in gefährliches Fahrwasser führen könnte.

Huang ist mit persönlichem Interesse dabei: Nvidia kann seine H200-Chips derzeit nicht an chinesische Kunden liefern — eine schmerzhafte Einschränkung für den Halbleiterkonzern in seinem zweitgrößten Markt. Der Onshore-Yuan handelt auf Drei-Jahres-Hochs, die Offshore-Währung stärkte sich zum achten Mal in Folge. Händler wetten auf Einigungen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt, auch wenn die Substanz des Gipfels noch aussteht.

Die KI-getriebene Rally an den asiatischen Börsen läuft derweil auf Hochtouren. Südkoreas KOSPI und der taiwanesische Aktienindex notieren nahe Rekordständen, Japans Nikkei markierte ein neues Allzeithoch. SK Hynix — seit 2025 mit über 1.000 % Kursgewinn die stärkste Aktie unter den Schwergewichten — steht kurz vor dem Eintritt in den Billionen-Dollar-Club.

Was bleibt offen

Die Gemengelage bleibt unübersichtlich. Warsh muss als neuer Fed-Chef eine gespaltene Behörde führen, politischen Druck des Weißen Hauses abwehren und gleichzeitig eine hartnäckige Inflation bekämpfen, deren Wurzeln im Nahen Osten liegen. Der Gipfel in Peking könnte kurzfristig für Entspannung sorgen — oder neue Verwerfungen schaffen, sollte Taiwan eskalieren. Eines scheint sicher: Die Märkte werden in den kommenden Wochen weiter tanzen — zwischen Hoffnung auf Deeskalation und der nüchternen Realität steigender Preise.

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