Fed steuert auf Zinspause vor den Zwischenwahlen zu
Anhaltender Preisdruck und langsameres Jobwachstum erschweren der Fed die Zinsentscheidung; der Dezemberkurs bleibt ungewiss.

Kurz zusammengefasst
- Markt erwartet stabile Zinsen am Mittwoch
- September-Inflation erreicht 3,7 Prozent
- Beschäftigungszuwachs hat sich verlangsamt
- Märkte taxieren Dezember-Anhebung auf 90 Prozent
Die US-Notenbank Federal Reserve dürfte ihren Leitzins am Mittwochabend unverändert in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent belassen. Nach der Zinserhöhung im September wollen die Währungshüter eine überhastete Reaktion vermeiden. Weniger als eine Woche vor den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten rechnen Marktbeobachter fest mit einem Stillhalten.
Fed-Chairman Kevin Warsh hatte nach jüngsten Preisdaten signalisiert, dass sich die Notenbank mit weiteren Schritten nicht beeilen müsse. Ein solcher Zinsschritt zum jetzigen Zeitpunkt käme an den Finanzmärkten völlig unerwartet.
Zwickmühle zwischen Teuerung und Konjunktur
Die Ausgangslage für die Notenbanker bleibt schwierig. Im September zogen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 3,7 Prozent an und näherten sich damit dem höchsten Stand seit über drei Jahren. Gestiegene Energiekosten und Zölle trieben die Vorleistungspreise der Unternehmen spürbar nach oben. Damit stockt die Annäherung an das offizielle Inflationsziel von 2 Prozent.
Parallel dazu verlangsamte sich das Beschäftigungswachstum merklich. Die Fed steht damit vor ihrem klassischen Dilemma: Zu hohe Zinsen verteuern Kredite und bremsen die Wirtschaft, während Zinssenkungen den Preisdruck erneut verstärken könnten. Der Bauboom im Bereich der künstlichen Intelligenz stützt die Konjunktur bisher jedoch zuverlässig.
Die Weichen für Dezember
Für Anleger richtet sich der Blick deshalb vor allem auf das Jahresende. An den Märkten wird die Wahrscheinlichkeit für eine erneute Zinsanhebung im Dezember bereits mit 90 Prozent beziffert. Es gilt als wahrscheinlich, dass Kevin Warsh den künftigen Zinspfad am Mittwochabend bewusst offenlässt, um dem Offenmarktausschuss handlungsfähig zu halten.
Klarheit über den nächsten Zinsschritt gibt es erst mit der letzten Sitzung des Jahres. Sollte der Inflationsdruck durch die Rohstoffmärkte hoch bleiben, führt an einer weiteren Straffung im Dezember kaum ein Weg vorbei.