Ferrexpo Aktie: 788-Millionen-Dollar-Steuerstreit
Ferrexpo will mit einer Kapitalmaßnahme rund 100 Millionen US-Dollar beschaffen, während eine Steuerforderung über 788 Millionen umstritten bleibt.

Kurz zusammengefasst
- Steuerforderung über 788 Millionen umstritten
- Kapitalmaßnahme über 100 Millionen angekündigt
- Hauptversammlung am 21. September vorgesehen
- Umsatz und EBITDA 2025 gesunken
Während Ferrexpo seine Kapitalerhöhung über rund 100 Millionen US-Dollar auf den Weg bringt, hängt über dem Unternehmen weiterhin ein ungelöster Steuerstreit mit den ukrainischen Behörden. Die Tochtergesellschaft Ferrexpo Poltava Mining hatte Anfang August eine Strafzahlung in Höhe von umgerechnet rund 788 Millionen US-Dollar attestiert bekommen – ein Betrag, der die laufende Sanierung des Konzerns zusätzlich erschwert.
Steuerforderung bleibt umstritten
Die ukrainischen Steuerbehörden hatten Ferrexpo Poltava Mining nach einer außerplanmäßigen Dokumentenprüfung mitgeteilt, dass sie Verstöße gegen Devisenkontrollvorschriften für Zeiträume zwischen Juli 2021 und Ende 2025 festgestellt hätten. Die daraus resultierende Forderung von etwa 35,3 Milliarden Hrywnja hat das Unternehmen förmlich angefochten.
Nach eigenen Angaben von Ferrexpo sind die finanziellen Verbindlichkeiten damit weder bestätigt noch durchsetzbar, solange das Verfahren in der administrativen und gerichtlichen Überprüfung läuft. Für Anleger bleibt die Forderung dennoch ein Risikofaktor, der die Bilanz des Konzerns theoretisch erheblich belasten könnte, sollte sie am Ende Bestand haben.
Der Streit fällt in eine Phase, in der Ferrexpo ohnehin ums finanzielle Überleben kämpft. Der Konzern hatte die Produktion im Sommer wegen der angespannten Sicherheitslage rund um ukrainische Hafenanlagen und der dadurch blockierten Exportlogistik über das Schwarze Meer zeitweise eingestellt.
Die Wiederaufnahme des Betriebs war an frisches Working Capital gebunden – genau jenes Kapital, das der Konzern nun über die laufende Kapitalmaßnahme beschafft.
Kapitalerhöhung noch nicht abgeschlossen
Die eigentliche Rekapitalisierung ist rechtlich noch nicht vollzogen. Ferrexpo hatte am 4. September die Platzierung neuer Aktien im Volumen von rund 100 Millionen US-Dollar angekündigt, zu einem Ausgabepreis von 16,5 Pence je Aktie – ein Abschlag von rund 42,3 Prozent gegenüber dem letzten Schlusskurs vor der Handelsaussetzung am 30. April.
Cornerstone-Investor Andriy Verevskyi, Eigentümer des Agrarkonzerns Kernel, sagte 50 Millionen US-Dollar zu und soll künftig rund 21,4 Prozent des Aktienkapitals halten. Großaktionär Fevamotinico S.à r.l., der vor der Kapitalmaßnahme 49,27 Prozent der Stimmrechte kontrollierte, zeichnet Aktien im Gegenwert von rund 40 Millionen US-Dollar.
Formal steht die Transaktion aber noch unter dem Vorbehalt der Hauptversammlung, die für den 21. September in London anberaumt ist. Erst danach, voraussichtlich am 22. September, sollen die neuen Aktien zum Handel an der Londoner Börse zugelassen werden.
Bis dahin überbrückt ein ungesicherter Kredit von Fevamotinico über 15 Millionen US-Dollar, verzinst mit 9,75 Prozent pro Jahr und mit einer Laufzeit von zwölf Monaten, die unmittelbaren Liquiditätsbedürfnisse des Konzerns.
Schwache Zahlen als Hintergrund
Der Handlungsdruck resultiert auch aus der operativen Entwicklung des Jahres 2025: Der Umsatz sank um 16 Prozent auf 787 Millionen US-Dollar, das bereinigte EBITDA brach um 60 Prozent auf 28 Millionen US-Dollar ein.
Für 2026 sah sich der Konzern nicht in der Lage, eine verlässliche Produktions- und Kostenprognose abzugeben – ein Zeichen für die Unsicherheit, die sowohl aus dem Kriegsgeschehen als auch aus offenen Verfahren wie dem Steuerstreit resultiert.
Für Investoren bleibt die Gemengelage komplex: Die Finanzierung sichert kurzfristig das Überleben und ermöglicht den Wiederanlauf der Produktion in der Ukraine. Der ungelöste Steuerstreit mit einem potenziellen Gegenwert von umgerechnet mehreren hundert Millionen US-Dollar bleibt jedoch ein Unsicherheitsfaktor, dessen Ausgang weder Zeitplan noch Ergebnis vorhersehbar macht.
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