Ferrexpo Aktie: Ermittlungen gegen Zhevago ausgeweitet
Ukrainische Behörden intensivieren Korruptionsvorwürfe gegen Ferrexpo-Mehrheitseigner Zhevago. Das Unternehmen kämpft mit Produktionseinbruch und fehlendem Jahresabschluss.

Kurz zusammengefasst
- Erweiterte Ermittlungen gegen Hauptaktionär
- Bestechungsvorwürfe am Obersten Gerichtshof
- Hauptversammlung ohne geprüften Jahresabschluss
- Produktion um 72 Prozent eingebrochen
Ferrexpo steckt tief in der Krise. Die ukrainischen Behörden haben ihre Korruptionsermittlungen gegen Mehrheitseigentümer Kostyantyn Zhevago ausgeweitet — und das ausgerechnet kurz vor der Hauptversammlung des Eisenerzproduzenten.
Bestechungsvorwürfe gegen den Hauptaktionär
Die erweiterte Untersuchung dreht sich um mutmaßliche Bestechung des ukrainischen Obersten Gerichtshofs. Ursprünglich geht der Fall auf das Jahr 2023 zurück und betrifft den damaligen Obersten Richter. Zhevago hält über die Holdinggesellschaft Fevamotinico Sarl knapp 50 Prozent an Ferrexpo. Er steht seit Jahren unter mehrfachem Strafverfolgungsdruck in der Ukraine.
Das belastet das Unternehmen erheblich. Ferrexpos Tochtergesellschaft Ferrexpo Poltava Mining kämpft parallel in ukrainischen Gerichten gegen Insolvenzverfahren — aktuell läuft ein Berufungsverfahren gegen eine erstinstanzliche Entscheidung.
Hauptversammlung ohne Jahresabschluss
Die neunzehnte ordentliche Hauptversammlung findet noch im Juni in London statt. Weil Ferrexpo keinen geprüften Jahresabschluss für 2025 vorlegen kann, ist die Tagesordnung stark eingeschränkt. Abgestimmt wird nur über Routinepunkte: die Wiederwahl einzelner Direktoren und eine Ermächtigung zum Aktienrückkauf.
Wichtige Beschlüsse fehlen vollständig. Die Genehmigung des Geschäftsberichts, die Wiederbestellung der Wirtschaftsprüfer und der Vergütungsbericht stehen nicht zur Abstimmung. Ferrexpo will dafür eine separate Versammlung einberufen, sobald der Jahresbericht fertig ist. Außerdem scheidet Direktor Vitalii Lisovenko nach mehr als neun Jahren aus dem Aufsichtsgremium aus.
Produktion eingebrochen, Kasse fast leer
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Im ersten Quartal 2026 produzierte Ferrexpo nur noch rund 593.000 Tonnen Eisenerz — ein Rückgang von 72 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Aktie ist weiterhin vom Handel an der Londoner Börse ausgesetzt.
Die finanzielle Lage ist angespannt. Der frei verfügbare Kassenbestand liegt bei geschätzten 22 Millionen US-Dollar. Das Management beziffert den Kapitalbedarf für die nächsten 18 Monate auf mindestens 100 Millionen Dollar. Hinzu kommt ein ausstehender Mehrwertsteuererstattungsanspruch gegenüber dem ukrainischen Staat von rund 80 Millionen Dollar.
Ein kleines Zeichen der Aufmerksamkeit: Ferrexpo wurde jüngst in einen neuen Londoner ETF aufgenommen, der auf den ukrainischen Wiederaufbau setzt. Substanziell ändert das wenig. Solange die Fortführungsfähigkeit des Unternehmens ungeklärt ist und die dringend benötigte Kapitalerhöhung aussteht, bleibt die Lage kritisch.
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