Ferrexpo Aktie: Poltawa-Bergwerk stoppt für 10 bis 20 Tage

Ferrexpo pausiert Produktion im Bergwerk Poltawa für bis zu 20 Tage. Grund sind blockierte Schwarzmeerhäfen, die den Export von Eisenerz unmöglich machen.

Andreas Sommer ·
Ferrexpo Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Produktionsstopp für bis zu 20 Tage
  • Schwarzmeerblockade stoppt Erzexporte
  • Ukrainische Exportwirtschaft verliert Millionen
  • Eisenerzpreis sinkt unter 98 Dollar

Der ukrainische Eisenerzproduzent Ferrexpo hat am heutigen Montag den Betrieb seines Poltawa-Bergwerks vorübergehend eingestellt. Medienberichten zufolge ist die Stilllegung auf die zugespitzte Lage in den Schwarzmeerhäfen rund um Odessa zurückzuführen, die den Export der geförderten Rohstoffe faktisch zum Erliegen gebracht hat. Die Unterbrechung der Betriebsabläufe ist zunächst auf einen Zeitraum von 10 bis 20 Tagen angesetzt.

Hafenblockade und Infrastrukturschäden erzwingen Produktionsstopp

Hintergrund der Maßnahme ist die vollständige Lähmung der Seeexportwege. Seit dem 22. Juli haben keine ausländischen Schiffe mehr die Häfen der Region Odessa angelaufen. Ursache dafür sind verstärkte Angriffe auf die Hafeninfrastruktur, die den Schiffsverkehr im Schwarzen Meer massiv beeinträchtigen. Da Ferrexpo einen Großteil seiner Produktion über diese Tiefwasserhäfen in Richtung internationaler Märkte wie China, die Türkei oder den Nahen Osten verschifft, führt der Wegfall dieser Route unmittelbar zu einem logistischen Engpass.

Die Situation verschärft sich durch den Mangel an wirtschaftlich tragfähigen Alternativen. Zwar stehen Ausweichrouten über die Donauhäfen oder den Landweg per Eisenbahn zur Verfügung, doch reichen deren Kapazitäten bei weitem nicht aus, um die wegfallenden Seevolumina zu kompensieren. Die ukrainische Nationalbank (NBU) schätzt laut Berichten von Ukraine Today, dass die Ausfälle im Exportsektor das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2026 um 0,9 Prozent belasten könnten. Die täglichen Verluste durch die blockierten Ausfuhren werden auf rund 80 Millionen US-Dollar beziffert.

Preisverfall und steigende Logistikkosten belasten die Branche

Neben den physischen Blockaden kämpft die Branche mit einem schwierigen Marktumfeld. Laut Analysen des GMK Center sind die Preise für Eisenerz zuletzt auf unter 98 US-Dollar pro Tonne gesunken. Im Vergleich dazu lag das Preisniveau zu Beginn des Konflikts im Jahr 2022 noch bei etwa 120 US-Dollar. Bei den aktuellen Preisen erweisen sich Exporte über weit entfernte europäische Häfen oft als unrentabel, da die Frachtkosten den Ertrag übersteigen.

Zusätzlichen Druck übt der staatliche Bahnbetreiber Ukrzaliznytsia aus, der die Tarife für Frachttransporte um 30 Prozent angehoben hat. Dies trifft Bergbaubetriebe wie Ferrexpo besonders hart, da sie auf die Schiene angewiesen sind, um ihre Pellets zu den verbleibenden Verladestationen zu transportieren. Branchenexperten warnen, dass die gesamte ukrainische Erzförderung infolge dieser kombinierten Belastungen um bis zu 35 Prozent einbrechen könnte. Die monatlichen Verluste für die Stahl- und Erzindustrie durch die reduzierten Exporte werden derzeit auf 150 bis 200 Millionen US-Dollar geschätzt.

Risiken für die langfristige Exportfähigkeit

Die Stilllegung bei Ferrexpo steht in einer Reihe mit ähnlichen Maßnahmen anderer großer Marktteilnehmer. Auch der Southern GOK hat seine Gewinnung bereits vollständig eingestellt. Die Blockade gefährdet nicht nur die kurzfristige Liquidität der Unternehmen, sondern droht auch zu einem dauerhaften Verlust von Marktanteilen auf dem Weltmarkt zu führen. Besonders betroffen sind laut Interfax-Ukraine die Lieferungen von Eisenerzprodukten nach Asien und in die USA. Ohne eine baldige Wiederherstellung sicherer Seewege drohen der Branche weitere Produktionskürzungen und damit einhergehende Arbeitsplatzverluste in den Industrieregionen.

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