Ferrexpo Aktie: Produktion am 3. August gestoppt

Nach einem tödlichen Drohnenangriff stellt Ferrexpo die Seetransporte ein. Das Poltava-Werk droht ab August die Produktion zu stoppen.

Eduard Altmann ·
Ferrexpo Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Drohnenangriff stoppt alle Seeexporte
  • Poltava-Werk vor Betriebsunterbrechung
  • Finanzielle Mittel reichen nur bis August
  • Massenabwanderung von Fachkräften

Der Bergbaukonzern Ferrexpo hat die Verschiffung von Eisenerzpellets über das Schwarze Meer vollständig eingestellt. Auslöser ist ein Angriff am gestrigen Dienstag, bei dem eine Drohne ein Frachtschiff in ukrainischen Gewässern traf. Wie das Medienhaus LIGA berichtet, kam bei der Attacke ein Besatzungsmitglied ums Leben. Das Schiff, das eine Ladung im Wert von etwa 5 bis 6 Millionen US-Dollar geladen hat, treibt derzeit manövrierunfähig und ohne funktionierende Ortungssysteme im Meer.

Produktion im Poltava-Werk vor dem Stillstand

Infolge der blockierten Exportrouten und einer sich zuspitzenden Liquiditätskrise wird das Poltava-Bergbau- und Verarbeitungswerk seinen Betrieb ab dem 3. August vorübergehend einstellen. Laut Aussagen des Vorstandsvorsitzenden Viktor Lotous ist eine Unterbrechung von zunächst 10 bis 20 Tagen geplant. Das Unternehmen hält derzeit rund 189.000 Tonnen Pellets für den Export bereit, wovon sich 55.000 Tonnen auf dem beschädigten Frachter befinden und weitere 90.000 Tonnen in Lagern am Boden verbleiben. Da der ukrainische Exportkorridor derzeit als unzugänglich gilt, hat der Konzern bereits erste Versicherungsansprüche angemeldet.

Der geplante Produktionsstopp folgt auf ein bereits schwieriges erstes Halbjahr, in dem das Werk im Winter für 67 Tage stillstand. Die monatliche Produktion beläuft sich aktuell auf etwa 300.000 Tonnen, was deutlich unter der potenziellen Kapazität von 500.000 Tonnen liegt. Medienberichten zufolge ist der Zugang zum wichtigen chinesischen Markt faktisch verloren gegangen, während die Seeexporte nun vollständig zum Erliegen gekommen sind.

Finanzielle Engpässe und blockierte Rückerstattungen

Die finanzielle Lage von Ferrexpo ist kritisch. Viktor Lotous erklärte heute vor einer parlamentarischen Kommission, dass die vorhandenen Mittel voraussichtlich nur noch bis Ende August ausreichen werden. Ein wesentlicher Grund für den Mangel an Betriebskapital sind ausbleibende Mehrwertsteuerrückerstattungen in Höhe von monatlich rund 200 Millionen UAH. Diese Zahlungen werden aufgrund von Sanktionen gegen den Großaktionär Kostyantyn Zhevago zurückgehalten.

Gleichzeitig belasten hohe Verbindlichkeiten das Unternehmen. Die Schulden gegenüber Zulieferern belaufen sich auf etwa 200 Millionen UAH. Bereits am 24. Februar wurde ein Insolvenzverfahren eingeleitet, und im April bezifferte der Konzern seinen zusätzlichen Kapitalbedarf auf rund 100 Millionen US-Dollar. Die Aktie von Ferrexpo ist an der Londoner Börse bereits seit Mai vom Handel ausgesetzt.

Dramatischer Personalabbau und Marktausblick

Neben den logistischen und finanziellen Problemen leidet der Konzern unter einer massiven Abwanderung von Fachkräften. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 haben mehr als 600 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, wodurch die Belegschaft auf etwa 4.400 Personen geschrumpft ist. Ein Grund dafür ist das Gehaltsniveau, das laut LIGA etwa 10 bis 40 Prozent unter dem der regionalen Wettbewerber liegt.

Die Krise bei Ferrexpo spiegelt die allgemeine Lage im ukrainischen Bergbausektor wider. Auch das Bergbauunternehmen Pivdennyi GZK hat seine Förderung aufgrund der Angriffe auf die Hafenstruktur in Odessa und Chornomorsk teilweise eingestellt. Branchenexperten schätzen, dass eine Rückkehr zu den Produktionsmengen der Vorkriegszeit mindestens fünf Jahre in Anspruch nehmen wird, sofern eine Stabilisierung der Exportwege gelingt. Vorläufig bleibt der Konzern auf die Inanspruchnahme von Versicherungsleistungen und eine mögliche Klärung der blockierten Staatsgelder angewiesen.

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Sektor Grundlegende Materialien
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