Ferrexpo Aktie: Produktion bricht um 54 Prozent ein
Ferrexpo verzeichnet im ersten Halbjahr deutlich weniger Eisenerzproduktion und benötigt zusätzliches Kapital, während Steuerforderungen und Handelsstopp belasten.

Kurz zusammengefasst
- Eisenerzproduktion sinkt um 54 Prozent
- Barmittel reichen voraussichtlich bis Mitte September
- Eigenkapitalaufnahme von mindestens 100 Millionen
- Aktienhandel seit Mai ausgesetzt
Die operative Lage beim ukrainischen Eisenerzförderer Ferrexpo hat sich im bisherigen Jahresverlauf drastisch verschlechtert. Während das Unternehmen mit den Folgen des anhaltenden Konflikts und Angriffen auf die Energieinfrastruktur kämpft, rückt ein entscheidender Termin für die finanzielle Stabilität näher. Ohne eine zusätzliche Finanzierung reichen die derzeit verfügbaren Barmittel voraussichtlich nur noch bis Mitte September.
Operativer Einbruch im ersten Halbjahr
Die Produktionszahlen für das erste Halbjahr 2026 verdeutlichen die Schwere der Krise. Ferrexpo meldete eine kommerzielle Eisenerzproduktion von insgesamt 1,55 Millionen Tonnen, was einem Rückgang von 54 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Besonders betroffen war die Herstellung von Premium-Pellets, die um 41 Prozent auf 1,22 Millionen Tonnen sank.
Ein kleiner Lichtblick in der Produktionsstatistik war die Verdopplung der Produktion von Pellets für die Direktreduktion (DR-Pellets) auf 163.200 Tonnen, die jedoch ausschließlich im zweiten Quartal erzielt wurde.
Trotz dieser punktuellen Steigerung blieb das gesamte Volumen weit hinter den Kapazitäten zurück, da die Aktivitäten bereits im ersten Quartal aufgrund massiver Angriffe auf den ukrainischen Energiesektor weitgehend ruhen mussten. Eine begrenzte Wiederaufnahme der Produktion mit reduzierter Kapazität erfolgte erst Ende Februar.
Finanzielle Hürden und blockierte Mittel
Zusätzlich zur operativen Schwäche belasten ungelöste Finanzfragen die Bilanz. Dem Unternehmen fehlen erhebliche Mittel aus ausstehenden Mehrwertsteuererstattungen durch den ukrainischen Staat.
Mit Stand Ende März beliefen sich diese Forderungen der Ferrexpo-Tochtergesellschaften auf insgesamt 90,3 Millionen US-Dollar. Diese Mittel sind seit März 2025 blockiert und fehlen dem Konzern nun, um die gestiegenen Transport- und Energiekosten im Kriegsumfeld zu decken.
Um den Betrieb über die kritische Frist in zwei Wochen hinaus zu sichern, strebt das Management eine Eigenkapitalaufnahme von mindestens 100 Millionen US-Dollar an. Die Reichweite der Barmittel konnte zwar durch den Verkauf des Schiffes „Iron Destiny“, das einen Nettoerlös von 7,7 Millionen US-Dollar einbrachte, sowie durch einen optimierten Absatzmix geringfügig verlängert werden, dennoch bleibt die finanzielle Decke dünn.
Börsennotierung und rechtlicher Druck
Die Situation an den Finanzmärkten spiegelt die Unsicherheit wider. Der Handel der Ferrexpo-Aktie an der London Stock Exchange ist bereits seit dem 1. Mai ausgesetzt. Das Papier notierte zuletzt bei einem Kurs von 28,58 Pence.
Grund für die Suspendierung ist die Unfähigkeit des Unternehmens, fristgerecht geprüfte Jahresabschlüsse für 2025 vorzulegen. Das Management erklärte hierzu, dass die Abschlüsse erst finalisiert werden können, wenn eine ausreichende Finanzierung zur Sicherung der Unternehmensfortführung nachgewiesen ist.
Zusätzlich geriet das Unternehmen vor gut drei Wochen durch eine Forderung der ukrainischen Steuerbehörden unter Druck. Bloomberg berichtete über eine potenzielle Strafe in Höhe von rund 35,3 Milliarden Hryvnia (etwa 788 Millionen US-Dollar) gegen die Einheit Ferrexpo Poltava Mining wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Währungskontrollvorschriften. Dies geschah nahezu zeitgleich mit der Ankündigung eines vorübergehenden Produktionsstopps vor gut drei Wochen.
Inmitten dieser Krisenmeldung gelang es immerhin, ein vor rund einem Monat durch Drohnenangriffe beschädigtes Frachtschiff mit 55.000 Tonnen Pellets aus dem Risikogebiet zu bergen und zur technischen Inspektion in einen Schwarzmeerhafen zu schleppen.
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