Ferrexpo Aktie: Steuerstreit über 69,4 Millionen Dollar

Ukrainischer Eisenerzproduzent Ferrexpo droht mangels Liquidität bis Ende August die Zahlungsunfähigkeit, falls Steuerkonflikt und Kapitalerhöhung scheitern.

Andreas Sommer ·
Ferrexpo Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Handel in London seit Mai gestoppt
  • Steuerstreit blockiert Millionen-Rückzahlungen
  • Liquidität reicht nur bis August
  • Produktion auf 25% der Vorkriegsleistung

Ferrexpo läuft die Zeit davon. Der Londoner Handel mit den Aktien des ukrainischen Eisenerzproduzenten liegt seit Anfang Mai 2026 auf Eis — und ein Steuerstreit mit Kiew über 69,4 Millionen Dollar blockiert den einzigen realistischen Ausweg.

Eingefrorene Steuererstattungen als Zünder

Der Kern des Problems ist juristisch präzise: Die ukrainische Steuerbehörde verweigert Mehrwertsteuererstattungen, weil der Hauptaktionär Kostiantyn Zhevago persönlich unter ukrainischen Sanktionen steht. Artikel 200.4 des ukrainischen Steuergesetzbuchs untersagt Rückzahlungen an Unternehmen, deren Eigentümerstruktur sanktionierte Personen umfasst. Zhevago kontrolliert über den Minco Trust die Gesellschaft Fevamotinico, die mit 49,32 Prozent der Stammaktien größter Anteilseigner ist.

Das Ergebnis: Ausstehende Mehrwertsteuererstattungen von insgesamt 90,3 Millionen Dollar — Stand 31. März 2026 — sind faktisch eingefroren. Selbst Gerichtsurteile zugunsten von Ferrexpo helfen nicht weiter, weil Artikel 200.12 die Auszahlung durch die Staatskasse blockiert.

Parlament in Kiew schaltet sich ein

Der Streit hat inzwischen die Werchowna Rada erreicht. Der parlamentarische Ausschuss für Wirtschaftsentwicklung hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich mit den Betriebsproblemen ukrainischer Bergbauunternehmen befasst — als erstes Thema steht das Poltawa-Bergwerk auf der Agenda, das zum Ferrexpo-Konzern gehört. An der Auftaktsitzung nahmen Vertreter des Wirtschaftsministeriums, der Nationalbank, des Justizministeriums, der Steuerbehörde sowie das Management der betroffenen Werke teil.

Ein Parlamentarier brachte dabei eine weitere Dimension ins Spiel: Ferrexpo AG schulde dem Poltawa-Werk mehr als 500 Millionen Dollar an nicht überwiesenen Devisenerlösen — eine Forderung, die durch internationale Schiedssprüche gestützt werde.

Kasse leer bis Ende August

Die Liquiditätslage ist kritisch. Die verfügbaren Mittel sanken von 47 Millionen Dollar Ende Dezember auf rund 20 Millionen Dollar Mitte April 2026. Zieht man Gelder ab, die bei der sich abwickelnden MBaer Merchant Bank liegen, bleiben nur etwa 17 Millionen Dollar tatsächlich zugänglich. Ohne frische Kapitalzufuhr, so warnt das Unternehmen selbst, reicht das Geld bis etwa Ende August.

Die Wirtschaftsprüfer verweigern ein Going-Concern-Testat, solange nicht mindestens 100 Millionen Dollar neues Eigenkapital gesichert sind. Institutionelle Investoren haben unverbindliches Interesse signalisiert — konkrete Konditionen stehen noch aus.

Produktion auf einem Viertel der Vorkriegskapazität

Operativ sieht es kaum besser aus. Im ersten Quartal 2026 brach die Eisenerzproduktion um 72,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein und lag bei 592.751 Tonnen. Die Pelletproduktion fiel um 61 Prozent auf rund 525.000 Tonnen. Landesweite Angriffe auf die ukrainische Strominfrastruktur hatten den Betrieb weitgehend zum Erliegen gebracht. Inzwischen läuft die Produktion wieder — aber nur auf etwa einem Viertel der Vorkriegskapazität.

Der Eisenerzpreis von rund 111 Dollar je Tonne bietet begrenzte Entlastung. Neues Angebot aus Großprojekten wie Simandou in Guinea und die anhaltende Schwäche des chinesischen Immobiliensektors bremsen den Preisauftrieb.

ETF-Aufnahme als Signal ohne Substanz

Eine Randnotiz mit symbolischem Charakter: Ferrexpo wurde jüngst in den Ukraine Reconstruction ETF aufgenommen, der an der Londoner Börse notiert. Der Index-Anbieter VettaFi senkte dafür eigens die Liquiditätsschwellen. HANetf betonte allerdings, die Aufnahme folge rein mechanisch der Indexmethodik — kein Ermessensspielraum, kein Vertrauensvotum.

Der Handel mit Ferrexpo-Aktien bleibt so lange ausgesetzt, bis der Jahresabschluss 2025 veröffentlicht ist — und der setzt wiederum eine abgeschlossene Kapitalerhöhung voraus. Gelingt die Lösung des Steuerstreits in Kiew nicht parallel zur Eigenkapitalrunde, läuft die Uhr bis Ende August schlicht ab.

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Sektor Grundlegende Materialien
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Marktkapitalisierung 228,65 Mio. USD
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